wo ich wohne – Gedichte und Bilder


Die Biermeile

 

Biermeile

In der Straße, wo ich wohne,
feiert man seit etlichen Jahren
immer, wenn es am heißesten ist,
für drei Tage das Bier und wie
so unterschiedlich Gleiches
aus Malz und Hopfen kann entstehen.

Buden, Bühnen und Bänke
stehen in dichter Folge
auf dem Boulevard,
wo Leute aus vielen Ländern flanieren,
dort verweilen und verkosten,
wo die Musik sie vergnügt.

Durch meine Fenster hoch oben,
unter dem Dach,
dringt der Musikbrei verschiedener Bühnen,
macht sich in meiner Wohnung breit,
drückt mich
und drängt mich hinaus.

Ich schlängle mich durch die Massen,
trinke ein Bier aus Vietnam,
lausche mit wippendem Fuß
der Country-Musik, beobachte leicht belustigt
den Trubel am belgischen Kirschbierstand.

Weil die Musik nun nicht mehr spielt
gehe ich heim. Vorbei an der Grünanlage,
wo einst auf Schildern Hunde erklärten:
Hier darf ich nicht sein;
bis jemand mit weißer Farbspraydose
jedes nicht entfernte.

Jetzt stehen hinter den Schildern
auf dem Rasen, den Passanten
den Rücken gekehrt,junge Männer;
die Beine gespreizt,
den Blick in imaginärer Ferne
brunzen sie ins Gebüsch.

Wieder zu Haus angekommen,
öffne ich für die Stille weit meine Fenster,
betrachte den Monte Klamotte
und den Mond, der über ihm steht.
Bis mich endlich ein Martinshorn
aus der Versunkenheit erlöst.

© Bettina Buske

 

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