Gedicht der Woche 30/2009


Das Hildebrand – Lied

Ich hörte das sagen, daß sich Herausforderer einzeln trafen,
Hildebrand und Hadubrand, zwischen Heeren zweien.
Sohn und Vater ihre Rüstungen richteten. Sie bereiteten ihre
Brünnen, gürteten sich ihre Schwerter an, die Helden,
über die Panzer, da sie zu dem Kampfe ritten. Hildebrand
sprach, Heribrands Sohn – er war der ältere
Mann, des Lebens erfahrener; zu fragen begann er mit wenigen
Worten, wer sein Vater gewesen sei der Menschen im Volke, „oder
welcher Sippe du seist. Wenn du mir einen sagst, weiß ich
mir die anderen, Jüngling, im Königreiche: Kund ist
mir alles Menschenvolk.“ Hadubrand sprach, Hilde-
brands Sohn: „Das sagten mir unsere Leute, alte und
weise, die früher waren, daß Hildebrand habe geheißen
mein Vater; ich heiße Hadubrand. Einst er nach Osten
ging, floh er vor Odoakers Haß, hin mit Dietrich
und seiner Degen viel. Er ließ im Lande das Kleine,
sitzen die junge Frau im Hause, das unerwachsene Kind, erbelos.
Er ritt nach Osten hin. Seither bedurfte Dietrich
meines Vaters: Das war ein so freund-
loser Mann. Er war (auf) Odoaker unmäßig ergrimmt, der De-
gen liebster, solange Dietrich seiner bedurfte.
Er war immer an des Volkes Spitze, ihm war Fechten immer zu lieb:
Bekannt war er kühnen Männern. Nicht wähne ich,
er sei noch am Leben.“ „Ich mache Gott zum Zeugen“, sprach
Hildebrand, „oben vom Himmel, daß du nie fortan mehr mit so
verwandtem Mann Verhandlung führst.“ Er wand da vom Arme gewun-
dene Ringe, aus Kaisergold gemacht, die ihm der König gab,
der Hunnen Herr: „Daß ich dir es nun aus Huld gebe.“ Hadubrand
sprach, Hildebrands Sohn: „Mit dem Speer soll man eine Gabe emp-
fangen, Spitze gegen Spitze. Du bist dir, alter Hunne, unmäßig schlau,
lockst mich mit deinen Worten, willst mich mit deinem Speer wer-
fen. Bist ein so alter Mann, so führtest du ewig Trug.
Das sagten mir Seefahrende westwärts über die Wendelsee, daß
ihn ein Kampf hinwegnahm: Tot ist Hildebrand, Heribrands Sohn.“
Hildebrand sprach, Heribrands Sohn: „Wohl sehe ich
in deiner Rüstung, daß du hast daheim einen guten Herrn,
daß du noch bei dieser Herrschaft nicht Verbannter wurdest. Wohl-
an nun, waltender Gott“, sprach Hildebrand, „Unheil geschieht!
Ich wallte Sommer und Winter sechzig außer Landes, wo
man mich immer stellte in die Reihe der Schießenden, ohne daß man
mir bei irgendeiner Stadt Tod zufügte; nun soll mich eigenes
Kind mit dem Schwert hauen, niederstrecken mit seiner Klinge, oder
ich ihm zum Mörder werden. Doch magst du nun leicht,
wenn dir deine Kraft taugt, an so hehrem Manne die Rüstung ge-
winnen, die Beute rauben, wenn du dazu irgendein Recht
hast.“ „Der sei doch nun der ärgste“, sprach Hildebrand, „der Ostleute,
der dir nun den Kampf verweigerte, nun dich es so sehr gelüstet nach
gemeinsamem Ringen: Versuche, der kann, ob er sich heute der
Gewänder rühmen dürfe oder über diese beiden Brünnen wal-
ten.“ Da ließen sie erst die „Eschen schreiten“ in scharfen Schauern,
daß sie in den Schilden standen. Da stapften sie zusammen,
spalteten die Schilde, hieben harmvoll die hellen Schilde,
bis ihnen ihre Schilde klein wurden, zerkämpft mit Waffen…


hier in einer Ansprechenden Interpretation der Gruppe TRANSIT von 1980

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