Gedicht der Woche 26/2009


Der Philosoph wie der Hausbesitzer …

Aphorismen und Reime von Wilhelm Busch

Der Philosoph wie der Hausbesitzer haben immer Reparaturen.

Manche Wahrheiten sollen nicht gesagt werden, manche brauchen nicht, manche müssen es.

Wahrheit ist zu schlau, um gefangen zu werden.

Ich nahm die Wahrheit mal aufs Korn

Und auch die Lügenfinten.

Die Lüge machte sich gut von vorn,

Die Wahrheit mehr von hinten.

Wo was wächst, gleich ist wer da, der’s frißt.

Die Stucken kriegt man fürs Ausroden – Leben.

Wühlender Maulwurf. Die Erde muß doch schließlich heraus.

Wenn man es nur versucht, so geht’s,

Das heißt mitunter, doch nicht stets.

Jeder ist ein Sack für sich.

Wie der Wind bläst, so treibt die Spreu.

Das Feinste fällt durchs Sieb.

Wer zu spät kommt, sieht nach der Uhr.

Lästige Gedanken – zudringliche Stechmücken.

Erfüllte Wünsche kriegen Junge, viele wie die Säue.

Wo man am meisten drauf erpicht,

Gerade das bekommt man meistens nicht.

Gewinn anderer wird fast wie Verlust empfunden.

Wir mögen keinem gerne gönnen,

Daß er was kann, was wir nicht können.

Um Neid ist keiner zu beneiden.

In der Regel folgt auf Wenn

Erst ein So und dann ein Denn.

Man kann sein Geld nicht schlechter anlegen

Als in ungezogenen Kindern.

»Genug«, wenn’s kommt, ist immer zuwenig, wenn’s da ist.

Mit dem Bezahlen wird man das meiste Geld los.

Wer kann, hat recht.

Dem Glücklichen schlägt kein Gewissen.

Wem Fortuna ein Haus geschenkt, dem schenkt sie auch Möbel.

Wem Mutter Natur ein Gärtchen gibt und Rosen, dem gibt sie auch Raupen und Blattläuse, damit er’s verlernt, sich über Kleinigkeiten zu entrüsten.

Sehr verständig war der Mann,

Der das Wort »vielleicht« ersann.

Sage nie: »Dann soll’s geschehen!«

Öffne dir ein Hinterpförtchen

Durch »vielleicht«, das nette Wörtchen,

Oder sag: »Ich will mal sehen.«

Gar mancher Schwierigkeit entweicht

Man durch das hübsche Wort »vielleicht«.

»Vielleicht« ist wie ein schlauer Krebs,

Der vor- und rückwärts gehen kann.

Sag nie bestimmt: Es wird erreicht!

Ein hübsches Wörtchen ist »vielleicht«.

Jeder Wunsch hienieden wird begleitet von einem neckischen »Vielleicht«.

Stets äußert sich der Weise leise,

Vorsichtig und bedingungsweise.

»So ist die Sach‘!« – Oh, wie so leise,

Wenn überhaupt, sagt das der Weise.

Der Weise verschweigt seine Meinung, also bin ich keiner.

Kein altes Übel ist so groß, daß es nicht von einem neuen übertroffen werden könnte.

Der Weise äußert sich vorsichtig, der Narr mit Bestimmtheit über das kommende Wetter.

Bemüh dich nur und sei hübsch froh,

Der Ärger kommt schon sowieso.

Willst du das Leben recht verstehn,

Mußt du’s nicht nur von vorn besehn.

Von vorn betrachtet, sieht ein Haus

Meist besser als von hinten aus.

Ich bin Pessimist für die Gegenwart, aber Optimist für die Zukunft.

Eigentlich hat’s ja nicht viel auf sich mit dem besten Pessimismus. An dem Glücklichen gleitet er ab wie Wasser an der pomadisierten Ente, und der Unglückliche weiß ohne weiteres Bescheid.

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