Gedicht der Woche 21/2009


friedhofsengel

Himmelfahrt

Heirich Heine

Der Leib lag auf der Totenbahr,

Jedoch die arme Seele war,

Entrissen irdischem Getümmel,

Schon auf dem Wege nach dem Himmel.

Weiterlesen „Gedicht der Woche 21/2009“

für die Woche 21/2009 erzählt


Der Wunderkot

Marianne Schaefer

Die alte Frau wohnte abgeschieden in einer kleinen Kate am Ende des Dorfes, in der Nähe einer Kleinstadt. Im Dorf wusste man nicht viel von ihr. Jemand erzählte, sie hätte ihren Mann und zwei Kinder überlebt, deshalb lebe sie so zurück gezogen. Die Frau sprach lieber mit ihren Blumen als mit Menschen, denn ihre größte Freude war ihr kleiner Garten. Dort pflanzte sie viele Sorten von Blumen, die sie jeden Samstag in der Stadt als Zubrot verkaufte. Die Erde war karg, sehr steinig und die Blumen kümmerlich, so wie ihre Rente, die nicht vorne noch hinten reichte. An den kommenden Winter durfte sie überhaupt nicht denken. Sie brauchte dringend einen warmen Wintermantel und warme Schuhe, aber woher nehmen und nicht stehlen!

Die Frau stand im Garten. Sie schaute zuerst auf die mickrigen Blumen und die Steine, die täglich zu wachsen schienen, obwohl sie von ihr immer entfernt wurden und dann mit einem flehenden Blick in den Himmel.

„Du, da oben“, den Namen Gott nahm sie schon lange nicht mehr in

den Mund, „kannst Du nicht einmal einen Blick auf meine Blumen werfen oder mir ein Wunder schicken?“

Dann setzte sie sich auf die Bank vor dem Häuschen und grübelte vor sich hin.

Plötzlich verdunkelte ein riesiger Schwarm schwarzer Vögel den Himmel. Wie auf Kommando machte es platsch, platsch, platsch. Es platschte nur so vom Himmel herunter. Der Vogelkot lag überall. Auf der Straße, im Garten, auf ihren Schuhen, sie konnte nur noch das Weite suchen.

„Was war das denn?“ fragte sich die Frau verwundert als die Vögel vorbei gezogen waren.

Wohin damit? Sie holte einen Besen und Spaten und schippte alles in ihren Garten zwischen den Blumenbeeten.

Bald danach, traute sie ihren Augen nicht. In ihrem Garten blühten die Blumen in einer Pracht, wie sie es noch nie erlebte hatte. Satte grüne Stängel und Blätter, Blüten so bunt und leuchtend, wie im Paradies. War sie bisher nur einmal in der Woche in die Stadt gefahren, um ihre Blumen zu verkaufen, so musste sie es jetzt dreimal tun.

Der Winter konnte kommen, ihr war nicht mehr bange wegen dem Mantel und der Schuhe. Sie ahnte, wem sie das zu verdanken hatte!

Nach vielen Jahren faltete sie wieder ihre Hände und sagte schlicht und einfach: „Ich danke Dir für Deine Hilfe – Du, da oben!“

Illustration: Marianne Schaefer
Illustration: Marianne Schaefer

Katzenhilfe braucht Hilfe !


Eine liebe Freundin schrieb mir eine Mitteilung, welche ich hier veröffentlichen möchte.

Es geht um Samira, einer, dieser etwa 15 Jahre alten Schildpattkatze.

Samira

Samira ist ein Sonderfall und ich wende mich mit ihr an alle Möglichkeiten, die ich finde.

Weiterlesen „Katzenhilfe braucht Hilfe !“

Gedicht der Woche 20/2009


Rumi

(1207-1273)

(in der Übersetzung von Friedrich Rückert 1819)

Komm, o Frühling meiner Seele, Welten wieder mache neu!

Licht am Himmel, Glanz auf Erden, hoch und nieder mache neu!

Setze mit dem Sonnenknaufe blau der Lüfte Turban auf,

Und der Fluren grünen Kaftan, holder Chider, mache neu!

Mache Wiesen frisch von Kräutern, und von Sprossen Haine jung,

Rosen-Schnürbrust und der Lilie schlankes Mieder mache neu!

Schmelze mit dem Hauch des Winters Helm und Panzer, mit dem Blick

Brich den Frostspeer; unsern Frieden, Weltbefrieder, mache neu!

Ohne Ostwind ist die Luft tot, und der Rosen Odem stockt.

Aus dem Schlummer weck den Ostwind, sein Gefieder mache neu!

Roll‘ in Donnern, geuß aus Wolken auf die Erde Moschusflut,

Laß von Kopf zu Fuß uns baden, alle Glieder mache neu!

Pinie schlägt im Winde Pauken, Platanus mit Händen Takt.

Hauch der Liebe, deine Traumdüft‘ unterm Flieder mache neu!

Reben ringeln sich an Ulmen zur Verehrung Gottes auf,

Veilchen küssen Staub; Lenzandacht, o Gebieter, mache neu!

Hyazinthe kost mit Tulpen, und von Rosen Nachtigall,

Turtel girret süße Weisen; Parsilieder mache neu!

Zünd in Blüten Opferfeuer, Weihrauchglut in Düften an,

Und als Flöten alle Gräser, Rohr‘ und Rieder mache neu!

Laß die Blätter Zungen spitzen, Liebesfragen auf der Flur

Zu verhandeln, ihren Scharfsinn für und wider mache neu!

Hörst du? Frühluft, Frührot, Frühlicht ruft: Steh früh im Frühling auf,

Freund, mit Frühtau deines Geistes Augenlider mache neu,

Daß du Lenzgeheimnis schauest! Blumenschmelz ist Alchimie:

Festgeschmeid‘ im bunten Feuer, rüst’ger Schmieder, mache neu.

FeldBaum