für die Woche 21/2009 erzählt


Der Wunderkot

Marianne Schaefer

Die alte Frau wohnte abgeschieden in einer kleinen Kate am Ende des Dorfes, in der Nähe einer Kleinstadt. Im Dorf wusste man nicht viel von ihr. Jemand erzählte, sie hätte ihren Mann und zwei Kinder überlebt, deshalb lebe sie so zurück gezogen. Die Frau sprach lieber mit ihren Blumen als mit Menschen, denn ihre größte Freude war ihr kleiner Garten. Dort pflanzte sie viele Sorten von Blumen, die sie jeden Samstag in der Stadt als Zubrot verkaufte. Die Erde war karg, sehr steinig und die Blumen kümmerlich, so wie ihre Rente, die nicht vorne noch hinten reichte. An den kommenden Winter durfte sie überhaupt nicht denken. Sie brauchte dringend einen warmen Wintermantel und warme Schuhe, aber woher nehmen und nicht stehlen!

Die Frau stand im Garten. Sie schaute zuerst auf die mickrigen Blumen und die Steine, die täglich zu wachsen schienen, obwohl sie von ihr immer entfernt wurden und dann mit einem flehenden Blick in den Himmel.

„Du, da oben“, den Namen Gott nahm sie schon lange nicht mehr in

den Mund, „kannst Du nicht einmal einen Blick auf meine Blumen werfen oder mir ein Wunder schicken?“

Dann setzte sie sich auf die Bank vor dem Häuschen und grübelte vor sich hin.

Plötzlich verdunkelte ein riesiger Schwarm schwarzer Vögel den Himmel. Wie auf Kommando machte es platsch, platsch, platsch. Es platschte nur so vom Himmel herunter. Der Vogelkot lag überall. Auf der Straße, im Garten, auf ihren Schuhen, sie konnte nur noch das Weite suchen.

„Was war das denn?“ fragte sich die Frau verwundert als die Vögel vorbei gezogen waren.

Wohin damit? Sie holte einen Besen und Spaten und schippte alles in ihren Garten zwischen den Blumenbeeten.

Bald danach, traute sie ihren Augen nicht. In ihrem Garten blühten die Blumen in einer Pracht, wie sie es noch nie erlebte hatte. Satte grüne Stängel und Blätter, Blüten so bunt und leuchtend, wie im Paradies. War sie bisher nur einmal in der Woche in die Stadt gefahren, um ihre Blumen zu verkaufen, so musste sie es jetzt dreimal tun.

Der Winter konnte kommen, ihr war nicht mehr bange wegen dem Mantel und der Schuhe. Sie ahnte, wem sie das zu verdanken hatte!

Nach vielen Jahren faltete sie wieder ihre Hände und sagte schlicht und einfach: „Ich danke Dir für Deine Hilfe – Du, da oben!“

Illustration: Marianne Schaefer
Illustration: Marianne Schaefer

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9 Kommentare zu „für die Woche 21/2009 erzählt

  1. Freut mich, dass „Der Wunderkot“ diesen Platz finden konnte! Selbst illustriert? Marianne scheint ein unerkanntes Talent.

  2. ja hatte sie mir zugeschickt, als ich sie fragte, ob ich das kleine Märchen hier einstellen darf. Ob ihr Talent bisher unerkannt oder eher ungelebt war, keine Ahnung. Jetzt zeigt es jedenfalls Reife, sie beherrscht das kurze Erzählen vortrefflich und pinselt hübsch dazu. Was will man mehr?

  3. Grüß Dich, liebe Gemini!
    Habe gesehen, daß noch immer die Mail-Adresse falsch ist. Kannst Du das bitte ändern?
    Hatte bei kabelbw.de das (k) vergessen.
    Ich wünsche Dir einen schönen Abend.
    Gruß Marianne

  4. Hallo Marianne, ich weiß nicht, in meiner Ansicht stimmt da alles … keine Ahnung, warum Du das anders sehen kannst
    liebe Grüße
    Bettina

  5. Hallo Gemini!
    Weil ich mit richtiger mail geschrieben habe, ist es jetzt richtig. Verzeih mir bitte.

    Gruß Marianne

  6. Marianne, da brauchst Du nichts zu entschuldigen – eher ist die Frage, darf ich demnächst mal wieder eine Geschichte von Dir einstellen – die Preisgekrönte nicht, die wird ja hoffentlich irgendwann auf Papier veröffentlicht… obwohl, die wäre so richtig gut. Aber Du hast mehr zu bieten, ich find schon was…

  7. Hallo, liebe Gemini!
    Sehe erst jetzt, daß Du an mich eine Frage hast. Keien Ahnung, welche Du als preisgekrönt siehst. Ich weiß nur, das Schlittenfahrt mit einem Engel, ins Weihnachtsbuch kommt. Ansonsten kannst Du nehmen, was du möchtest. Ich freue mich so gar darüber. Schau mal unter die Rubrik Kindermärchen oder Weihnachten 2009.
    Liebe Grüße
    Marianne

  8. Liebe Marianne, mit der Preisgekrönten meine ich die Kriegsgeschichte – hast Du schon vergessen, da gekürt worden zu sein , das nenne ich Bescheidenheit 😉

  9. Guten Morgen Bettina!
    Ach, Du meinst die Spuren im Schnee! Ja, die kommt ja wohl ins Buch Menschenwürde.Ich dachte, Du denkst an ein Märchen. Da kann ich Dir die Eule Schwaderlapp empfehlen. Oder such Dir was anderes raus.Was Du willst.
    LG.
    Marianne

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