Gedicht der Woche 16/2009


fruhling

Er ist´s

Mörike, Eduard (1804-1875)

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist’s!
Dich hab ich vernommen!

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3 Kommentare zu „Gedicht der Woche 16/2009

  1. Heinrich Heine, dessen Arbeiten ich sehr schätze, spottete über Mörike, er wäre der idyllisch-romantische Besinger „von Maikäfern, Lerchen und Wachteln“.
    Naja Kollegen , kennt wohl jeder…
    Ich finde in Mörikes Gedichten neben der interessanten Gestaltung, auf die ich später mal eingehe, inhaltlich ein kurzes Innehalten, ein augenblickliches Bewußtwerden der Schönheit, was die anderen Aspekte des Daseins doch nicht ausschließt. Für mich sind das Kraftgebe-Gedichte, Freude-am-Dasein-Gedichte, die ich sehr mag.

  2. Ich hatte damals in der Schule damit Schwierigkeiten, diese unterschiedlichen Längen und unterschiedlichen Reime waren schwer zu merken und zu sprechen.

    Veilchen träumen schon,
    Wollen balde kommen.
    – Horch, von fern ein leiser Harfenton!

    Wir haben nicht viele Gedichte lernen müssen, das war aber eins von den wenigen und hat mein Interesse an Gedichten nicht gefördert.
    Wenn ich es jetzt lese, noch dazu mit dieser Illustration und der Anmerkung, finde ich es doch schön.

  3. Ja,lieber Enst August, das Gedicht ist nicht in Strophen gegliedert, hat aber einen deutlichen Einschnitt nach der sechsten Zeile.
    Es besteht aus neun Verszeilen, die ersten vier Zeilen zeigen das Versmaß des Trochäus (das sind betonte und unbetonte Silben in Folge),
    wobei diese vier „Hebungen“ (betonte Silben) haben.
    Die Verse 5 und 6 aber haben drei, jeweils eine Hebung weniger,
    die siebte Zeile hat dafür fünf Hebungen.
    Und die letzten beiden Zeilen wieder jeweils drei Hebungen.

    Das erzeugt eine ganz eigene Wirkung des Textes.

    Frühling läßt sein blaues Band
    Wieder flattern durch die Lüfte;
    Süße, wohlbekannte Düfte
    Streifen ahnungsvoll das Land.

    Bis hierher wird Dir das Gedicht auch noch harmonisch vorgekommen sein, nicht wahr? Schlimmstenfalls wirst Du es gut runterleiern gekonnt haben.

    Der Mörike hat eine schönes Bild vom Frühling gemalt, lässt sein blaues Band wieder flattern durch die Lüfte…
    Kann man Frühlingsempfinden schöner beschreiben? l
    Laue Lüfte, Blütendüfte, heller Himmel…
    aber im Gedicht ist noch nicht Frühling, nur ein Ahnen vom Frühling liegt in der Luft.
    Frühling, auf den man so ungedulgig wartet nach der dunklen Winterzeit.
    Um das Auszudrücken, hat der Dichter durch die Änderung der Hebungen Spannung im Gedicht erzeugt.

    Veilchen träumen schon,
    Wollen balde kommen.

    und jetz im siebentem Vers, holt unsere Aufmerksamkeit ein (extra)“Horch!“ aus der Versonnenheit ins Jetzt zurück und bestätigt das Frühlingsahnen.
    dann korrespondieren die folgenden 2 Verse mit den Versen über die träumenden Veilchen:

    Frühling, ja du bist’s!
    Dich hab ich vernommen!

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