Märchenhütte – ach, jetzt 9 Monate Pause


…wenn das mal keine Entzugserscheinungen gibt.

Kurz vorgestellt hatte ich die Märchenhütte ja als „märchenhaften Ort in Berlin“.
Natürlich habe ich die Märchenhütte auch besucht, man muss ja wissen, worauf man da hinweist und überhaupt, wenn sich jemand mit Märchen beschäftigt, muss ich dabei sein.

Nettes Ambiente, diese alte Holzhütte, die  an eine Schänke erinnert. (Der Ausschank ist übrigens von guter Qualität.) Die Bühne am Ende der Hütte ist durch alte Vorhänge vom Gastraum abgeteilt.

Besucht hatte ich eine Nachmittagsvorstellung und eine Abendvorstellung.

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Gedicht der Woche 10/2009


Volksballade

oder witziger gesagt: Volksmund Unbekannt

Die zwölf ermordeten Frauen

Schön-Heinrich  wollt´ spazieren gehn,
Schön-Ännchen sollte  mit ihm gehn.

Als sie ein Weilchen gegangen waren,
wollt er bei einer Wiese verharren.

Er breitet seinen Mantel  aus im Gras
und bat, dass sie zu ihm  sich niedersaß .

Schön-Heinrich legt sein Haupt auf ihren Schoß,
mit heißen Tränen sie ihn da begoß.

»Weinst du um deines Vaters Gut?
Oder weinst du um deinen stolzen Mut?
Oder bin ich dir nicht gut genug?«

»Ich weine nicht um  Vaters Gut,
auch nicht um meinen stolzen Mut,
Schön-Heinrich, ihr seid mir schon gut genug.

Ich weine grad um die elf Jüngferlein,
die dort mit eigenartig  sondern Schein
in hoher grüner Tann zu sehen sein.«

»Ha! Siehst du dort elf Jüngferlein
so wiss‘, das sind mein Weiberlein,
und du sollst stracks die Zwölfte sein.«

»Ach, muss ich denn die Zwölfte sein,
vergönn mir noch drei Schreielein!«

Den ersten Schrei  den sie dann tat,
da rief sie Gott im Himmel an:

»Oh lieber Gott, komm  hilf  mir doch schnelle,
ich lass mein Leben sonst auf der Stelle!«

Den zweiten Schrei den sie dann tat,
da rief sie ihren Vater an:

»Oh lieber Vater, komm  hilf mir doch  schnelle,
ich lass  mein Leben sonst auf der Stelle!«

Den dritten Schrei  den sie dann tat,
da rief sie ihren Bruder an:

»Oh lieber Bruder, komm hilf mir doch schnelle,
ich lass  mein Leben sonst auf der Stelle!«

Der Bruder saß beim Wirt zum Wein,
da fuhr der Schrei zum Fenster rein.

»Ach, Menschen höret, groß und klein!
Mir ist, als würde meine Schwester schrein!«

Er hatte das Wort kaum ausgesagt,
Schön-Heinrich in der Türe stand.

»Schön-Heinrich, was  sind deine Schuh so rot,
als wären sie gefärbt mit  Blut?«

»Ei, sollten meine Schuh nicht blutig sein?
Ich habe geschlachtet ein Täubelein.«

»Das Täubelein, das du geschlachtet hast,
das hat meine Mutter zur Welt gebracht!

Sie hat’s erzogen mit Milch und Wein:
es ist mein jüngstes Schwesterlein!« –

Schön-Ännchen bekam ein schönes Grab,
Schön-Heinrich flocht man aufs höchste Rad.

Schön-Ännchen klangen die Glocken, ach.
Schön-Heinrich schrien nur die Raben nach.

cloakwood

für die Woche 10/2009 erzählt


Der echte ägyptische Pharaonenhund

von Claudia Sperlich

für Martha

Es war einmal ein echter ägyptischer Pharaonenhund.
Er gehörte der Tochter eines echten ägyptischen Pharao.
Den ganzen Tag hatte er nichts zu tun als zu spielen und zu fressen.
Nachts bewachte er die Zimmer der Prinzessin.
Wenn jemand nahe herankam, bellte er.
Wen er mit seinem Gebell nicht in die Flucht schlagen konnte, den biß er.
Deswegen hatte die Prinzessin nie einen anderen Freund als den echten ägyptischen Pharaonenhund.
Und deshalb gibt es heute keine Pharaonen mehr.

Hörbuch: Die Argonauten


Die Argonautensage kennt wohl jeder, entweder hat man sie gelesen oder wenigstens eine der vielen Verfilmungen gesehen.
Ein Stück, das immer aktuell ist, weil es archetypische  Konflikte erzählt.  In jeder Epoche werden Menschen einen anderen Blickwinkel auf diese Geschichte werfen, werden die Themen ihrer Zeit darin erkennen wollen und sie nach dem ethischem Empfinden der Jetztzeit ausdeuten. Deshalb gibt es auch so viele Bearbeitungen des Stoffes.

Hier nun eine  neue Bearbeitung von Claudia Sperlich. Die Autorin berichtet auf ihrem Blog das Folgende darüber:

Die Verse des Apollonios Rhodios in der Verdeutschung durch Thassilo von Scheffer dienten mir als Vorlage zu meiner Neufassung der Sage, die ich aus dem Blickwinkel der Muse Kalliope erzähle, der Mutter des Sängers und Argonauten Orpheus.
Die Idee zu einer Neufassung der Argonautika hat mit meiner Teilnahme an der Gestaltung eines Internetspieles zu tun. Ich wurde damals beauftragt, für die Spieler die Argonautensage vorzutragen. Die Fassung blieb mir überlassen, und ich sah mich vor dem Problem, daß ich Gustav Schwabs Version – die jede Bücherei hat – nicht mag und das einzige in Berliner Büchereien existiert habende Exemplar einer Apollonios-Übertragung verschollen ist. (Nun habe ich es längst antiquarisch, die Langfassung war mit intensiver Apollonios-Lektüre verbunden – aber damals mußte es sehr schnell gehen, und ich war auf Sekundärliteratur angewiesen.) Dem Frevler, der wertvolle Büchereibestände verschlampt oder gar stiehlt, muß ich dankbar sein – denn ohne ihn hätte ich mich zu dieser Arbeit vermutlich nicht bequemt und eine Menge nutzlosen, aber genußbringenden Wissens nicht erworben.
Die Version, die ich damals – und dann noch öfter – vortrug, ist kürzer, das ausführlichere Hörbuch entstand auf Anregung mehrerer Hörer.

Es handelt sich um eine Tonaufnahme, die zwei CDs füllt. Claudia Sperlich, die sich rezitierend zur Kalliope wandelt, verfügt über die wohl temporierte Stimme und  saubere Sprechweise, die der Musenname erwarten lässt. Man kann sich beim Hören ganz der Geschichte hingeben und wird durch nichts in seiner Versunkenheit gestört. Ein angenehmes Hörerlebnis, das gleichzeitig Entspannung bietet. Sehr zu empfehlen! Beziehen kann man die Aufnahme bei der Künstlerin selbst für 14,90 €  zuzügl. Versandkosten hier .