langsam wird es Zeit zu werben…


Die Geschichtenauswahl ist beendet,  das Buch, dessen Arbeitstitel noch immer Mauerstücke-Erinnerungsgeschichten lautet (und meiner Meinung nach auch als Buch gut so heißen kann) hat sein Gepräge durch die ausgewählten Geschichten bekommen.

Jetzt wird es Zeit, die Leserschaft darauf aufmerksam zu machen. Auf ein Buch voller Geschichten, die  von politischen Ereignissen geprägt sind und die den Leser über diese Zeit  informieren, ihn tief anrühren oder schmunzeln lassen.

Hier wird wieder zum Vorteil, was  bei Anthologien sonst ein Nachteil ist. Die Vielfältigkeit der Autoren, ihre unterschiedliche Prioritäten lässt einen weitenläufigen Blick auf das Thema zu. Die Teilung unseres Landes und deren Überwindung als Thema ist  ausreichend Bindung, trotz vieler verschiedener Autoren ein homogenes Buch zum Zeitgeschehen zu gestalten.

Gedanken zur deutschen Sprache von Friedrich Hebbel


Die deutsche Sprache.

Friedrich Hebbel

Schön erscheint sie mir nicht, die deutsche Sprache, doch schön ist
Auch die französische nicht, nur die italische klingt.
Aber ich finde sie reich, wie irgendeine der Völker,
Finde den köstlichsten Schatz treffender Wörter gehäuft,
Finde unendliche Freiheit, sie so und anders zu stellen,
Bis der Gedanke die Form, bis er die Färbung erlangt,
Bis er sich leicht verwebt mit fremden Gedanken, und dennoch
Das Gepräge des Ichs, dem er entsprang, nicht verliert.
Denn der Genius, welcher im ganzen und großen hier waltet,
Fesselt den schaffenden Geist nicht durch ein strenges Gesetz,
Überläßt ihn sich selbst, vergönnt ihm die freiste Bewegung
Und bewahrt sich dadurch ewig lebendigen Reiz.
Hütet euch nur, ihr Dichter, in dieser edlen Verleugnung
Ihn zu kränken, zerbrecht nicht mit dem Joche das Maß,
Glaubt nicht zu gewinnen, wenn, kindisch zerstochen, die Dämme
Bersten und reißen; es führt werden nach Babel zurück,
Oder wer setzt Barbaren im Ungebundnen die Grenze?
Paßt doch am Ende: er haßt! für das gewohnte: er liebt!
Viel sind der Sprachen auf Erden, schon dieses sollte uns lehren,
Daß kein inneres Band Dinge und Zeichen verknüpft;
Darf sich aber darum ein jeder die eigene bilden?
Besser wäre der Mensch stumm, wie die Fische im Meer!
Seien die Stempel uns heilig, die alle Jahrhunderte brauchten,
Sei es die Weise sogar, die sie bedächtig gewählt;
Fand ein Goethe doch Raum in diesen gemessenen Schranken,
Wären sie plötzlich zu eng für die Heroen von heut?

Gleichen wir der Natur, die nie das Wesen der Schöpfung
Wiederholt und doch jährlich im Lenz sich erneut:
Alt sind die Formen, es kehren die Lilien wieder und Rosen,
Frisch ist der Duft, und im Kranz tut sich der Meister hervor.

Gedicht der Woche 11/2009


Rilke, Rainer Maria
(1875 – 1926)

Vorfrühling

winterlinge

Härte schwand. Auf einmal legt sich Schonung
An der Wiesen aufgedecktes Grau.
Kleine Wasser ändern die Betonung.
Zärtlichkeiten, ungenau,
Greifen nach der Erde aus dem Raum.
Wege gehen weit ins Land und zeigen’s.
Unvermutet siehst du seines Steigens
Ausdruck in dem leeren Baum.

Schneegloeck

für die Woche 11/2009 erzählt


Geschichten aus
Nemorosus

© Sabine Rohm

Es gehört zu den Gepflogenheiten unseres dickbäuchigen Chefs, morgens ins Büro gestampft zu kommen und eine Story zu fordern. Eine sensationelle Story. Eine Story die es noch nie gegeben hat und die die Verkaufszahlen der Zeitung in die Höhe treiben wird!
So auch heute, doch diesmal fügt er hinzu: „Koste es, was es wolle!“
Nachdem er, wie gewohnt, die Tür hinter sich zu zugeknallt hat, schenke ich mir einen Kaffee ein und wärme meine Hände an der Tasse. Mein Kollege Jonny scheint die Nacht hier in der Redaktion verbracht zu haben, denn er ist unrasiert und trägt dasselbe Hemd wie gestern.
„Was ist los?“, frage ich ihn.

Weiterlesen „für die Woche 11/2009 erzählt“