H.C.Andersen Die Schneekönigin – 4. Geschichte


Vierte Geschichte

Prinz und Prinzessin

Gerda mußte wieder ausruhen; da hüpfte auf dem Schnee, ihrem Platz gerade gegenüber, eine große Krähe; die hatte lange da gesessen, sie betrachtet und mit dem Kopf gewackelt; nun sagte sie: »Kra! Kra! – Gu‘ Tag! Gu‘ Tag!« Besser konnte sie es nicht herausbringen, aber sie meinte es gut mit dem kleinen Mädchen und fragte, wohin es so allein in der weiten Welt gehe. Das Wort ›allein‹ verstand Gerda sehr gut und fühlte recht, wieviel darin lag; und sie erzählte der Krähe ihr ganzes Leben und Schicksal und fragte, ob sie Kay nicht gesehen habe.

Und die Krähe nickte ganz bedächtig und sagte: »Das könnte sein! Das könnte sein!«

»Wie? Glaubst du?« rief das kleine Mädchen und hätte die Krähe fast totgedrückt, so küßte es sie.

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H.C.Andersen Die Schneekönigin – 3. Geschichte


Dritte Geschichte

Der Blumengarten bei der Frau, die zaubern konnte

Aber wie erging es der kleinen Gerda, als Kay nicht zurückkehrte? Wo war er nur? – Niemand wußte es, niemand konnte Bescheid geben. Die Knaben erzählten nur, daß sie gesehen hätten, wie er seinen kleinen Schlitten an einen prächtigen großen band, der in die Straße hinein- und zum Stadttor hinausgefahren sei. Niemand wußte, wo er war; viele Tränen flossen; die kleine Gerda weinte so sehr und so lange – dann sagten sie, er sei tot, er sei im Fluß ertrunken, der nahe bei der Stadt vorbeifloß; oh, das waren recht lange, dunkle Wintertage!

Nun kam der Frühling mit wärmerem Sonnenschein.

»Kay ist tot und fort!« sagte die kleine Gerda.

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H.C.Andersen- Die Schneekönigin 2. Geschichte


Ein Knabe und ein kleines Mädchen

In der großen Stadt, wo so viele Menschen und Häuser sind und nicht Platz genug ist, daß alle Leute einen kleinen Garten haben können, und wo sich darum die meisten mit Blumen in Blumentöpfen begnügen müssen, lebten zwei arme Kinder, die einen Garten hatten, der etwas größer war als ein Blumentopf. Sie waren nicht Bruder und Schwester, aber sie hatten sich so lieb, als ob sie es gewesen wären. Die Eltern wohnten einander gerade gegenüber, sie wohnten in zwei Dachkammern; wo das Dach des einen Nachbarhauses gegen das andere stieß und die Wasserrinne zwischen den Dächern entlanglief, dort war in jedem Haus ein kleines Fenster; man brauchte nur über die Rinne zu steigen, so konnte man von dem einen Fenster zum andern kommen.

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