war am Sonntag mit der Argo unterwegs…


genauer gesagt, ich war zu einer leider schlecht besuchten Veranstaltung im Cafe Sibylle, die als Lesung angekündigt war.
Aber Lesung, nein, das war es wirklich nicht, was Claudia Sperlich, alias Kalliope, uns da geboten hatte.
Das war ein Ein-Personen-Schauspiel.

Kompliment Madame!

Sie trug uns, weitestgehend frei gesprochen, eine auf 1,5 Stunden gekürzte Bearbeitung ihrer wirklich gelungenen Interpretation der Argonauten vor.
Zu Beginn gab es kurz altgriechischen Text. So konnte man eine Vorstellung vom (wunderschönen) Klang der Sprache erhalten.

Wirklich Schade, dass sie so wenig Publikum hatte. Hoffentlich macht sich das nicht auf ihre Motivation bemerkbar, solche Veranstaltungen abzuhalten. Ich würde mir das auch ein zweites oder drittes Mal ansehen und anhören.
Die vollständige Fassung ihrer Textbearbeitung kann man bei der Künstlerin direkt als Hör- CD kaufen, das sind zwei Stunden gute Unterhaltung.

Hier

Und es lohnt sich; lohnt sich für die Leute, welche Jasons Suche nach dem goldenen Vlies noch gar nicht kennen genauso wie für die Leute, die sich mit der Argonautensage auskennen, denn diese wurde neu interpretiert und bietet einen anderen, neuzeitlichen Blick auf die Geschichte.
Claudia Sperlich sind dabei schöne Wendungen gelungen, die ich noch immer im Kopf habe.

Bleibt mir nur zu wünschen, dass sie mit ihren weiteren Veranstaltungen eine breite Zuhörerschaft erreicht und sie so motiviert wird, den vielfältigen antiken griechischen Sagenschatz ebenso neu zu bearbeiten.

sibylle

Der erste Schnee


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Der erste Schnee

Nachts fiel ein leichter Schnee,

lag als Schleierfetzen auf allem,

was vom Sommer geblieben.

Ade nun, Blumen und Blätter!

Ade nun, Farbenpracht !

Wir werden uns bescheiden,

Winterweiß wird uns erfreuen

bis wir euch wieder sehen.

-Gemini-

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Der Gelassenheitsspruch


…kam mir heute urplötzlich in den Sinn. Eigentlich ist es ein kurzes Gebet, es geht folgendermaßen:

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Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen,
die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern,
die ich ändern kann und die Weisheit,
das eine von dem anderen zu unterscheiden.

Gott gebe mir Geduld mit Veränderungen,
die ihre Zeit brauchen und Wertschätzung für alles,
was ich habe; Toleranz gegenüber jenen mit
anderen Schwierigkeiten und die Kraft,
aufzustehen und es wieder zu versuchen.


Dieses Gebet, dessen erste Strophe in vielen Selbsthilfegruppen, nicht nur bei den Anonymen Alkoholikern, als Eröffnungsritual aufgesagt wird, ist weit bekannt.
Ich kenne sogar eine atheistische Version, bei der >Gott< durch >man< ersetzt wurde – was ich irgendwie lächerlich fand, weil man sich in der Aussage so einer diffusen dritten Person ausliefert, von der man Gelassenheit als Geschenk erwartet und somit die eigene Person zurücknimmt.
Soweit sollten Atheisten doch standfest in ihrer Weltanschauung sein, dass, wenn ihnen die Aussage eines Gebetes gefällt, sie es auch so rezitieren können, ohne vom (Nicht)Glauben abzufallen.

Das Gebet wurde irgendwann von irgendwem dem evangelischem Pfarrer Friedrich Christoph Oetinger (1702 bis 1782) zugeschrieben, der ein Vertreter des württembergischen Pietismus war und wurde so nun ständig aufgeführt.
Aber die Sprache der Verse passt nicht zur Sprache seiner Zeit und nie wurde das schöne Gebet von irgendwelchen Zeitgenossen oder Nachkommenden zitiert, so dass es literarisch vor dem 20. Jahrhundert aufgetaucht wäre.

Deshalb schließe ich mich der Meinung an, dass zumindest die erste Strophe des Gebets von Reinhold Niebuhr geschaffen wurde, einem bekannten amerikanischen Theologen, Philosophen und Politikwissenschaftler.
Für diese These spricht auch, dass es in Europa erst durch die Selbsthilfegruppen bekannt wurde.

Egal, wer nun der Urheber des Gebetes ist, die inhaltliche Aussage ist im Pietismus und in den Selbsthilfegruppen beheimatet und Volksgut geworden. Erinnert mich an Märchen, deren geistige Urheber irgendwann nicht mehr zu entdecken sind, deren Inhalt aber in „aller Munde“.