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die Rezi-Tante zeigt Erlebtes und Erdichtetes, Geschichten und Geschichte


Ein Kommentar

wenn schon Brille, dann mit Musike …


Brillenkette auf DaWanda

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Von: Rezitante

Brillenkette

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bunt bedeutet von allem etwas…


Und bunt wurde diese Halskette hier, bei der ich die restlichen Lampworkperlen, die schon in anderem Schmuck hier zu sehen waren, verarbeitet habe. Diesmal griff ich das Grün der Rosenblätter auf und setzte jeweils eine grüne und eine gelbe Roncaliperle dazu,dann eine weiße Silberfolienperle und einen rosafarbenen Würfel, doch dann machte ich es richtig bunt mit königsblauen Glasperlen. Und so blumenbunt die Kette auch beim direkten Betrachten wirkt, getragen wirkt sie nicht etwa quitschbunt, sondern frisch und ist somit total alltagstauglich.

Halskette "Die Frau in allen Farben" auf DaWanda

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Halskette “Die Frau in allen Farben”

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Diese Kette brauchte einen besonderen Namen. Erst fiel mir Allerleirauh ein, die ja einen Pelz von allen Tieren des Landes trug, aber das passte nicht, weil sowas ja eher grau in braun sein müsste. Aber, da gibt es ja noch die französische Märchensammlung von Blade, und da gibt es dieses schöne Märchen: Der Mann in allen Farben, das ist es doch, das passt – auch wenn die Kette eindeutig NICHT für Männer gemacht ist. Muss ich eben den Titel variieren zur: Die Frau in allen Farben. Das Märchen geht so:

Der Mann in allen Farben

Es war einmal ein alter Holzhacker, der war verwitwet und lebte mit seinen sieben Söhnen mitten in einem großen Wald. Eines Tages rief der Holzhacker all seine Söhne zu sich und sprach: “Jungs, bis heute habe ich geackert, um euch euer Brot zu verdienen. Jetzt, da ihr groß seid, geht selbst und arbeitet für euren Lebensunterhalt. Ich habe gerade noch genug Kraft um nicht auf Almosen angewiesen zu sein. Wenn ich nicht mehr kann werde ich einen Sack nehmen und von Tür zu Tür um Brot betteln gehen, wie einst unser Herr Jesus Christus.” “Vater, wir sind reisefertig! Wenn wir zu Geld kommen, werden wir Euch welches schicken, denn Ihr sollt nicht betteln gehen.”
“Dann geht und der liebe Gott beschütze euch! Aber zuvor will ich noch jedem ein Geschenk machen.”
Der alte Holzhacker öffnete einen Kasten, darin befand sich ein Mantel, der war aus allen Farben zusammengestückelt, und eine Geldbörse mit sechs Dukaten. Er gab jedem Sohn einen Dukaten und fing bei dem Ältesten an, so dass für den Jüngsten nichts mehr übrigblieb. Die Söhne, die ihre Dukaten empfangen hatten verabschiedeten sich von ihrem Vater und gingen fort. Da sagte der alte Holzhacker zu dem Jüngsten, der noch immer wartete: “Junge, nimm diesen zusammengestückelten Mantel und sei nicht neidisch auf deine Brüder! Du wirst der Mann in allen Farben sein.” Gesagt, getan. Der Mann in allen Farben nahm Abschied von seinem Vater und ging fort.

Bei Sonnenuntergang gelangte er an den Saum eines großen Waldes und streckte sich unter einer Eiche nieder, um die Nacht zu verbringen. Der Mann in allen Farben war gerade am Einschlafen, als er von Geräuschen in den Ästen gestört wurde. Eine Drossel war es, die in ihrem Nest klagte, weil eine Schlange sich emporgeringelte, um ihre Kleinen zu fressen. Sogleich nahm der Mann in allen Farben seinen Stock und schlug die Schlange entzwei. Die Schlange war aber von der Art Schlangen, die das unter der Erde verborgene Gold bewachen. Sie hatte in ihrem Bauche zwölf Doppellouisdor und ebenso viele spanische Goldmünzen. “Gut,” sagte der Mann in allen Farben, “die Doppellouisdor sind für mich und die spanischen Goldmünzen für meinen Vater.” Dann streckte er sich wieder unter der Eiche aus, schlief die ganze Nacht und ging bei Sonnenaufgang weiter.

Nach drei Stunden Marsch machte er in einer Herberge an der der Straße Rast. Als er gegessen und getrunken hatte bezahlte er die Wirtin und fragte nach dem Weg.
“Mann in allen Farben, wenn du immer geradeaus gehst, so wirst du in drei Tagen in Paris sein. Wenn du aber rechts gehst, so kommst du in das Land des Hungers und Durstes und ich weiß nicht, wohin du dann gelangst.”
Der Mann in allen Farben hielt sich rechts, den er war neugierig. Gerade um Mittag gelangte er in das Land des Hungers und Durstes. Dort gab es keinen Fluß, keinen Bach, keinen Brunnen, keine Quelle. Die Erde war so trocken wie der Boden eines Backofens. Menschen und Tiere, groß und klein, Gras und Bäume, alles kam dort um, gekocht und gebraten von der Sonne. Drei Tage und drei Nächte lang wanderte der Mann in allen Farben ohne zu essen und zu trinken. Da fand er einen Toten, der noch in seiner rechten Hand eine schmiedeeiserne Stange hielt, neun Zentner schwer. Der Mann in allen Farben beerdigte den Toten, betete für ihn zu Gott, nahm die neun Zentner schwere schmiedeeiserne Stange und wanderte weiter, bis der nächste Morgen dämmerte.

Bei Sonnenaufgang hatte er das Land des Hungers und Durstes hinter sich. Aber vor ihm lag ein Gebirge, steil wie eine Mauer, welches mehr als hundert Klafter hoch aufstieg. Am Fuße des Gebirges sah er ein Haus, dessen Türen und Fenster sperrangelweit offenstanden. Es war das Haus des Ohneseele, der gerade ausgegangen war, um seinen Rundgang zu machen. Der Mann in allen Farben trat ein. Er nahm einen Brocken Brot vom Brett, stieg in den Keller um sich Wein zu holen und begann zu essen und zu trinken. Danach legte er sich ins Bett, die neun Zentner schweren schmiedeeisernen Stange in Reichweite und schlief bis Mitternacht. Da wurde er durch lautes Gepolter geweckt. Es war Ohneseele, welcher von seinem Rundgang zurückkam.
“Ho! Ho! Ho! Wer hat sich da bei mir eingenistet? Warte, du Dieb, warte! Ich will dir den Geschmack am Brot verleiden!” Aber der Mann in allen Farben war schon aus dem Bett gesprungen und hatte die neun Zentner schwere schmiedeeiserne Stange mit der Hand umklammert. Nun gab es einen großen Kampf, der drei Stunden dauerte. Schließlich wurde der Ohneseele durch einen gewaltigen Schlag auf den Kopf zu Boden gestreckt. “Mann in allen Farben, laß mich nicht länger leiden! Nie wirst du mich töten können. Es ist geweissagt, daß ich nicht sterben kann bis zum Ende der Welt, um nie wieder aufzuerstehen. Laß mich nicht länger leiden, und ich werde alles tun, was du mir befiehlst.”
“Gut, Ohneseele, zeige mir, wo man den Berg erklimmen kann. Aber ehrlich, sonst spürst du meine neun Zentner schweren schmiedeeisernen Stange!”
Da zeigte der Ohneseele dem Mann in allen Farben einen guten weg und dieser kletterte wie eine Geiß durch die hohen und steilen Felsen.

Plötzlich bemerkte er einen Wolf, der war groß wie ein Stier und lief im Galopp mit offenem Rachen auf ihn los. Der Mann in allen Farben schwang seine neun Zentner schwere schmiedeeiserne Stange und schlug damit auf den Kopf des Untieres, daß es auf den Tod verwundet niederstürzte.
“Mann in allen Farben,” sagte der Wolf, “du bist nicht der erste, der ohne zu sterben das Land des Hungers und Durstes durchquert und dem Ohneseele seinen Willen aufgezwungen hat. Von denen, die bis hierher gekommen sind, habe ich viele gefressen. Aber manche sind weitergegangen und sind nun an einem Ort, den du auch bald erreichen wirst. Da ich durch deine Hand sterbe – iß mein Fleisch und trink mein Blut, denn du brauchst Mut und bist noch nicht am Ende deiner Leiden.”
Der Mann in allen Farben wartete, bis der Wolf tot war. Dann aß er sein Fleisch und trank sein Blut und fühlte sich bald von einer gewaltigen Kraft durchdrungen.

Eine Stunde später stand er auf dem Kamm des Gebirges, das hundert Klafter tief in einen Fluß abstürzte, der eine halbe Meile breit war. Das Wasser dieses Flusses machte ein großes Getöse und strömte schneller als der Wind. Auf der anderen Seite des Flusses erblickte er ein Land, so wunderschön, dass man glauben konnte, es sei das Paradies. Auf dem Kamm des Gebirges traf der Mann in allen Farben eine Menge Leute, die ihren ganzen Mut dazu aufgewendet hatten, bis hierher zu gelangen. Einige weinten, andere knieten nieder, falteten die Hände und riefen:
“Mein Gott, mein Gott, mach, daß wir hinüberkommen!”
Da dachte der Mann in allen Farben:
“Der liebe Gott steht denen nicht bei, die alles ihm überlassen. Diese Leute werden nie hinüberkommen.”
Manche beratschlagten sich immer und entschlossen sich nie; sie sagten:
“Gut wegkommen ist alles, nur keine Eile! Wir haben Zeit!”
Da dachte der Mann in allen Farben:
“Die reden und handeln nie bis zum Tage des Gerichts. Es gibt Zeiten, da es zu reden, und Zeiten, da es zu handeln gilt. Wer nichts wagt, gewinnt nichts. Diese Leute werden nie hinüberkommen.”
Andere redeten miteinander:
“Stürzen wir uns alle auf einmal hinab. Helfen wir einander, schwimmen wir mitsammen, alle mitsammen!”
Da dachte der Mann in allen Farben:
“In diesem Falle muß man alles geben und nimmt nichts. Diese Leute werden nie hinüberkommen.”
Es waren auch zwei oder drei da, die, kühn hinabsprangen. Aber anstatt sich geradeaus zu halten, kehrten sie sich nach denen um, welche vom Kamm des Gebirges aus zuschauten und schrien: “Rechts! Links! Nicht so! Ihr seid verloren!”
Diese Leute kamen nie hinüber und die Fluten bedeckten sie für immer. Da dachte der Mann in allen Farben:
“Jetzt weiß ich, was ich zu tun habe.”
Er versteckte sich hinter einem Felsen, rollte seine Kleider zusammen und band sie sich auf den Rücken, dann machte er das Zeichen des Kreuzes und sprach:
“Mut, Freund!”
Er sang ein lustiges Lied und sprang ohne Furcht und Grauen hinab. Als er im Wasser war, schwamm er immer geradeaus, er schwamm sicher und ausdauernd wie ein Fisch, ohne sich umzukehren und auf die Rufe der Leute auf dem Gebirge zu hören.

Eine Stunde später zog er auf dem andern Ufer des Stromes seine Kleider wieder an. Der Mann in allen Farben begrüßte höflich die Leute, die auf dem jenseitigen Ufer des Flusses zurückgeblieben waren, aber die wurden neidisch, als sie sahen, dass er herübergekommen war. Sie zeigten ihm die Faust und überhäuften ihn mit Schmähungen. Aber er lachte nur darüber und setzte seinen Weg fort.

Als er eine Stunde gegangen war, begegnete er einem bärtigen Zwerg, welcher keine zwei Spannen groß war.
“Mann in allen Farben, du mußt mir folgen!”
“Gern, Zwerg!”
Beide gingen Seite an Seite, bis sie an eine große, schwarze Höhle kamen, welche sich weit unter die Erde erstreckte. Lange, lange stiegen sie in dieser Höhle abwärts. Der Zwerg richtete es so ein, dass später kein Mensch mehr hindurchgehen konnte, nicht um hinab- nicht um hinaufzusteigen. Der Mann in allen Farben und der Zwerg kamen schließlich unten an und sahen dort ein kleines Licht. In dieser Richtung gingen sie. Während sie wanderten, wurde das Licht immer größer. Endlich befanden sie sich auf der Schwelle eines großen Tores, dahinter lag ein schönes Land; in diesem stand ein großes Schloß und hundert Meierhöfen ringsherum.
“Mann in allen Farben! Ich schenke dir das große Schloß und die hundert Meierhöfe ringsherum. Von nun ab versuche glücklich hier unter der Erde zu leben, denn nie wirst du Menschen je wiedersehen.”

Der Zwerg verschwand, und der Mann in allen Farben klopfte an die Türe des großen Schlosses. Sogleich öffnete eine Hand das Tor. Eine andere Hand führte ihn in einen großen Saal, wo eine Tafel gedeckt war und ein Mahl von einem Dutzend Händen dargereicht wurde. Aber es war dort weder Mann noch Weib. Nach dem Essen durchsuchte der Mann in allen Farben das Schloß vom Speicher bis zum Keller. Überall sah er Hände, welche in der Küche , welche die Zimmer besorgten und ähnliche Dinge verrichteten. Im Hofe stand ein großer eiserner Käfig, in dem ein Adler saß, dessen Fuß mit einer Kette gefesselt war. Hände brachten ihm zweimal am Tage rohes Fleisch. Drei Stuten standen im Stall, eine weiß wie Schnee, die andere schwarz wie ein Rabe und die dritte rot wie Blut. Diese Tiere wurden ebenfalls von Händen bedient, die sie striegelten, ihnen Streu gaben und es ihnen nicht an Heu, Stroh und Hafer fehlen ließen.
Der Mann in allen Farben lebte also wohlversorgt lange Zeit im großen Schloß, aber er war immer allein und wurde eines solchen Lebens recht herzlich müde. Um seine Zeit zu vertreiben, ging er morgens und abends in den Stall, und wenn er die drei Stuten versorgt hatte, fütterte er den Adler im Eisenkäfig mit rohes Fleisch . Die vier Tiere schlossen so innige Freundschaft mit ihm, daß sie nicht mehr von den Händen bedient werden wollten. Eines Tages begann der Adler zu reden: “Mann in allen Farben, du langweilst dich, weil du ständig allein in diesem großen Schlosse bist. Glaubst du, daß ich mich besser unterhalte, ich, der ich immer am Fuß gefesselt und in einen Eisenkäfig eingesperrt bin? Befreie mich! Ich werde durch die Höhle auf die Erde fliegen. Jeden Tag werde ich kommen und dir Nachricht von oben bringen.”
Der Mann in allen Farben befreite den gefangenen Adler und sprach zu ihm:
“Adler, flieg in mein Heimatland und bringe mir Nachricht von meinem Vater. Sage ihm, daß ich unter der Erde gefangengehalten werde und daß er mich niemals, niemals wiedersehen wird.”
Der Adler flog davon und kehrte noch am gleichen Abend zurück. “Mann in allen Farben, ich habe deinen Vater gesehen. Er ist uralt, er kann nicht mehr arbeiten. Drei deiner Brüder helfen ihm, so gut sie können. Aber sie verdienen nicht genug, um ihn zu ernähren. So kommt es, daß der arme alte Mann oft seinen Sack nimmt und von Tür zu Tür um sein Brot bettelt, wie es einst der Herr Jesus Christus getan hat. Jetzt habe ich alles gut eingerichtet, und das soll nicht mehr vorkommen. Ich weiß, wo ich mich zu versorgen habe, und dein Vater soll täglich sein Auskommen haben.”
“Danke, Adler!”
Von diesem Tage an waren der Mann in allen Farben und der Adler innige Freunde. Jeden Morgen flog der Adler aus und jeden Abend brachte er Nachrichten von oben mit.

Eines Abends sagte er zu seinem Freund:
“Mann in allen Farben, dort oben geht etwas vor, was des Redens wert ist. Es ist da ein König, der hat vier Töchter, schön wie der Tag. Ein Zwerg hat ihm die drei ältesten geraubt und hält sie irgendwo versteckt, nur die jüngste ist bei ihrem Vater geblieben. Jetzt höre, was der König heute morgen in allen Gemeinden des Landes durch einen Trommler hat verkünden lassen: Alle tapferen Leute und kühnen Ritter werden vom König aus benachrichtigt, daß im nächsten Monat in der Stadt Babylon drei große Pferderennen abgehalten werden, jeden Sonntag eines. Wer dreimal den Sieg erringt, soll am Sonntag darauf die Tochter des Königs heimführen.'”
Nun wurde der Mann in allen Farben traurig. Tag und Nacht dachte er über das nach, was der Adler zu ihm gesagt hatte.

Eines Morgens gewahrte die Stute, die so rot war wie Blut, daß ihr Herr weinte.
“Mann in allen Farben, ich weiß, warum du weinst. Aber ich kann dir aus deiner Not helfen. Mit mir wirst du das erste Rennen gewinnen, denn ich weiß einen geheimen Weg, der auf die Erde führt. Ich darf ihn aber nur einmal hin und zurück durchmessen, und du mußt mir schwören, daß du wieder mit mir heimkehrst.”
“Blutrote Stute, ich schwöre es dir bei meiner Seele!”
“Gut, gehen wir!”
Die blutrote Stute rannte schneller als der Wind davon und kam eine Stunde später in die Stadt Babylon. Es war an einem Sonntagabend. Die Vesper war zu Ende, das Rennen begann, und es fehlte nicht an Rittern, die einander den Sieg streitig machten. Aber die blutrote Stute flog schneller als der Wind, und sie war am Ziel, als die andern Rosse noch keine hundert Schritte gemacht hatten. Da rief das Volk:
“Es lebe der Mann in allen Farben!” Die blutrote Stute aber rannte schneller als je davon. Eine Stunde später war der Mann in allen Farben wieder unter der Erde in seinem großen Schloß.

Der Mann in allen Farben wurde wieder sehr traurig. Tag und Nacht dachte er über das nach, was der Adler zu ihm gesagt hatte. Am nächsten Sonntag gewahrte die Stute, die so schwarz war wie ein Rabe, daß ihr Herr weinte:
“Mann in allen Farben, ich weiß, warum du weinst. Aber ich kann dir aus deiner Not helfen. Mit mir wirst du das zweite Rennen gewinnen, denn ich weiß einen geheimen Weg, der auf die Erde führt. Ich darf ihn aber nur einmal hin und zurück durchmessen, und du mußt mir schwören, daß du wieder mit mir heimkehrst.”
“Rabenschwarze Stute, ich schwöre es dir bei meiner Seele!” “Gut, gehen wir!”
Die rabenschwarze Stute rannte schneller als der Wind davon und dennoch kam sie erst zwei Stunden später in die Stadt Babylon. Es war an einem Sonntagabend. Die Vesper war gesungen, seit einer Stunde hatte das Rennen begonnen, und es fehlte nicht an Rittern, die einander den Sieg streitig machten. Aber die rabenschwarze Stute flog noch schneller als die blutrote, und sie war am Ziel, als die andern noch auf der Hälfte des Weges waren. Da rief das Volk:
“Es lebe der Mann in allen Farben!”
Die rabenschwarze Stute aber rannte schneller als je davon. Eine Stunde später war der Mann in allen Farben wieder unter der Erde in seinem großen Schloß.

Der Mann in allen Farben wurde wieder sehr traurig. Tag und Nacht dachte er über das nach, was der Adler zu ihm gesagt hatte. Am folgenden Sonntag gewahrte die Stute, die so weiß war wie der Schnee, daß ihr Herr weinte.
“Mann in allen Farben, ich weiß, warum du weinst, und ich könnte dir aus deiner Not helfen. Mit mir würdest du das dritte Rennen gewinnen, denn ich weiß einen geheimen Weg, der auf die Erde führt, und ich darf ihn einmal hin und zurück durchmessen.”
“Gut, so hilf mir aus der Not!”
“Ich will nicht!”
“Ich bitte dich darum!”
Der Mann in allen Farben bat solange, bis die schneeweiße Stute schließlich erwiderte:
“Gut, schwöre mir, daß du wieder mit mir heimkehrst!” “Schneeweiße Stute, ich schwöre es dir bei meiner Seele!”
Die schneeweiße Stute rannte schneller als der Wind davon. Dennoch kam sie erst drei Stunden später hinkend in die Stadt Babylon. Es war an einem Sonntagabend. Die Vesper war gesungen, das Rennen war beinahe zu Ende, und es fehlte nicht an Rittern, die einander den Sieg streitig machten. Die schneeweiße Stute ging in kurzem Trab und hinkte. Da rief das Volk:
“Schade, der Mann in allen Farben wird nicht zum Ziel kommen.” Und der Mann in allen Farben schrie in Verzweiflung:
“So lauf doch, schneeweiße Stute!”
“Ich kann nicht, ich hinke ja!”
Und der Mann in allen Farben verzweifelte, denn drei Reiter hatten nur noch hundert Schritte bis zum Ziel und waren nahe am Sieg. Da wieherte die schneeweiße Stute und flog so schnell, so schnell, daß man sie kaum mit den Augen verfolgen konnte. In der Zeit, die man braucht, um Amen zu sagen, hatte sie alle anderen Rosse überholt und war am Ziel. Da rief das Volk:
“Es lebe der Mann in allen Farben!”
Aber die schneeweiße Stute rannte schneller als je davon. Eine Stunde später war der Mann in allen Farben wieder unter der Erde in seinem großen Schloß.

Der Mann in allen Farben wurde wieder sehr traurig. Tag und Nacht dachte er über das nach, was der Adler zu ihm gesagt hatte. Am Sonntag darauf gewahrte der Adler, daß sein Herr weinte.
“Mann in allen Farben, ich weiß, warum du weinst, und ich möchte dir aus deiner Not helfen. Unglücklicherweise sind die Wege, welche die drei Stuten durchmessen haben, jetzt für ewig verschlossen. Es bleibt nur noch die Höhle, durch welche du mit dem Zwerg herabgeschritten bist. Steige rittlings auf meinen Rücken, ich werde dich im Fluge davontragen. Aber das ist keine kleine Mühe. Um bis zum Ende zu kommen, muß ich während der Reise gut ernährt werden. Nimm viel rohes Fleisch mit, um mich auf der Reise zu versorgen.”
Der Mann in allen Farben holte viel rohes Fleisch und stieg auf den Rücken des Adlers, der seinen Flug begann.
“Mutig, mein Adler!”
Und der Adler flog gewaltig geradeaus. Jeden Augenblick schrie er:
“Rohes Fleisch! Rohes Fleisch!”
Und der Mann in allen Farben versorgte ihn und rief ihm fortwährend zu:
“Mutig, mein Adler!”
Hundert Klafter unter dem Erdboden begann das Fleisch auszugehen.
“Rohes Fleisch! Rohes Fleisch!”
Da zog der Mann in allen Farben sein Messer, schnitt ein Stück von seinem Schenkel ab, versorgte den Adler und gab ihm sein warmes Blut zu trinken. Fünf Minuten später gelangten beide in die Stadt Babylon. Es war acht Uhr morgens. Jedermann trug sein Feiertagsgewand. In allen Kirchen läuteten die Glocken wegen der Hochzeit der Königstochter.
“Mann in allen Farben,” sagte der König von Babylon, “du kannst meine Tochter erst haben, wenn du mir ihre drei Schwestern wiederbringst!”
Da sagte der Adler: “Warte hier auf mich!”
Der Adler flog davon; eine Stunde später kam er wieder und zerrte den bärtigen Zwerg, der keine zwei Spannen groß war, an den Haaren mit. Der Zwerg klopfte mit dem Absatz auf den Boden. Da erschienen die drei Stuten: die eine war weiß wie Schnee, die andere schwarz wie ein Rabe und die dritte rot wie Blut. Die drei Stuten waren die drei ältesten Töchter des Königs von Babylon, welche der Zwerg in Stuten verwandelt hatte, um sie besser verstecken zu können. Sie nahmen ihre richtige Menschengestalt wieder an.
“Mann in allen Farben,” sagte der König von Babylon, “ich kann dir nun nichts mehr abschlagen.”

Der Mann in allen Farben ließ seinen Vater holen. Ebenso ließ er die drei Brüder kommen, die dem alten Vater geholfen hatten, und jeder von ihnen heiratete eine Prinzessin. Am Ende der Hochzeit, welche einen ganzen Monat dauerte, sagte der Adler:
“Mann in allen Farben, schon lange diene ich dir. Und doch hast du mich noch nicht ausgelohnt.”
“Adler, verlange, was du willst.”
“Mann in allen Farben, gib mir den höchsten Turm in Babylon, damit ich darauf mein Nest baue! Gib mir auch den bärtigen Zwerg, welcher keine zwei Spannen groß ist!”
“Adler, nimm was du dir wünschst!”
Da zerrte der Adler den bärtigen Zwerg, der keine zwei Spannen groß war, auf den höchsten Turm von Babylon und riß ihm dort die Augen aus und fraß ihn bis auf die Knochen auf.

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eine lustig und aktiv die andere freundlich und stiller


so kann man die beiden Schwestern im Märchen “Schneeweißchen und Rosenrot” charakterisieren. Anscheinend hat dem Wilhelm Grimm freundlich und still noch besser gefallen, denn die bekam ja den Bärenmann, aber er hat für ausgleichende Gerechtigkeit gesorgt und dem Rosenrot einen Falkenmann beigegeben. Wie ich das jetzt schreibe, frage ich mich, ob er da bei Musäus´  “Dreischwesternchronik” Anleihe genommen hatte, oder ob er daran dachte, dass der Falke ein Symbol für erfüllte Sexualität ist? Aber vermutlich kam das einfach so beim Schreiben, ohne dass er Hintergedanken hatte.
Ich jedenfalls hatte diese Lampworkperlen mit den Rosen drauf – ich finde die so herzig, nicht zuviel und nicht zuwenig um Romantik pur zu sein – und habe die bei der einen mit anderen Silberfoilperlen kombiniert, was eine strahlende auf den ersten Blick weißsilber wirkende Kette ergab, dabei sind da rosa und hellgrüne Perlen verarbeitet. Bei der anderen Kette wollte ich mehr Farbe und entschied mich für richtig rosafarbene Glasperlen verschiedener Machart. Gefallen finde ich an beiden , so wie an Schneeweißchen und Rosenrot.

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Schneeweißchen und Rosenrot ist ein Märchen steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm ab der 3. Auflage von 1837 an Stelle 161, in der kleinen Ausgabe ab 1833.
Wilhelm Grimm veröffentlichte Schneeweißchen und Rosenroth zuerst 1827 in Wilhelm Hauffs Mährchen-Almanach.
Es basiert auf Der undankbare Zwerg in Karoline Stahls Fabeln, Märchen und Erzählungen für Kinder von 1818.


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entweder gestalten – oder ertragen


Gestalten oder ertragen, eins von beiden ist oft Thema der Märchenheldin, des Märchenhelden. In einem meiner Lieblingsmärchen “Die Jungfrau Maleen” hat die Heldin lange Zeit keine Möglichkeit ihr Schicksal selbst zu gestalten, doch das Märchen lehrt, dass solche Zustände überwunden werden, wenn es auch seine Zeit braucht. Diese amethystfarbene Kette habe ich nach diesem Märchen benannt. Sie ist Ton-in-Ton gearbeitet und wirkt dadurch unaufdringlich elegant und das empfinde ich der schönen, beharrlichen Jungfrau Maleen entsprechend.  ich hab da zwar nicht dran gedacht,  als ich die Perlen zusammengestellt habe, erzähls jetzt aber trotzdem: die weiß-lilafarbenen Perlen haben eine Schneckenform und im Mittelalter ist die Schnecke auch ein Symbol der Jungfräulichkeit gewesen.

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Jungfrau Maleen steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm ab der 6. Auflage von 1850 an Stelle 198 (KHM 198) und stammt aus Karl Müllenhoffs Sammlung Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg von 1845.

198.
Jungfrau Maleen.

Es war einmal ein König, der hatte einen Sohn, der warb um die Tochter eines mächtigen Königs, die hieß Jungfrau Maleen und war wunderschön. Sie ward ihm versagt, weil ihr Vater sie einem andern geben wollte. Da sich aber beide von Herzen liebten, so wollten sie nicht von einander lassen, und die Jungfrau Maleen sprach zu ihrem Vater „ich kann und will keinen andern zu meinem Gemahl nehmen.“ Da gerieth der Vater in Zorn und ließ einen finstern Thurn bauen, in den kein Strahl von Sonne oder Mond fiel. Und als er fertig war, sprach er „darin sollst du sieben Jahre lang sitzen, dann will ich kommen und sehen ob dein trotziger Sinn gebrochen ist“. Für die sieben Jahre ward Speise und Trank in den Thurn getragen, dann ward sie und ihre Kammerjungfer hinein geführt und eingemauert, und also von Himmel und Erde geschieden. Da saßen sie in der Finsternis, wußten nicht wann Tag oder Nacht anbrach. Der Königssohn gieng oft um den Thurn herum und rief ihren Namen, aber kein Laut drang von außen durch die dicken Mauern. Was konnten sie anders thun als jammern und klagen? Indessen gieng die Zeit dahin und an der Abnahme von Speise und Trank merkten sie daß die sieben Jahre  ihrem Ende sich näherten. Sie dachten der Augenblick ihrer Erlösung wäre gekommen, aber kein Hammerschlag ließ sich hören und kein Stein wollte aus der Mauer: es schien als ob ihr Vater sie vergessen hätte. Als sie nur noch für kurze Zeit Nahrung hatten und einen jämmerlichen Tod voraus sahen, da sprach die Jungfrau Maleen „wir müssen das letzte versuchen und sehen ob wir die Mauer durchbrechen.“ Sie nahm das Brotmesser, grub und bohrte an dem Mörtel eines Steins, und wenn sie müd war, so löste sie die Kammerjungfer ab. Nach langer Arbeit gelang es ihnen einen Stein heraus zu nehmen, dann einen zweiten und dritten, und nach drei Tagen fiel der erste Lichtstrahl in ihre Dunkelheit, und endlich war die Öffnung so groß daß sie hinaus schauen konnten. Der Himmel war blau, und eine frische Luft wehte ihnen entgegen, aber wie traurig sah rings umher alles aus: das Schloß ihres Vaters lag in Trümmern, die Stadt und die Dörfer waren, so weit man sehen konnte, verbrannt, die Felder weit und breit verheert: keine Menschenseele ließ sich erblicken. Als die Öffnung in der Mauer so groß war, daß sie hindurch schlüpfen konnten, so sprang zuerst die Kammerjungfer herab und dann folgte die Jungfrau Maleen. Aber wo sollten sie sich hinwenden? Die Feinde hatten das ganze Reich verwüstet, den König verjagt und alle Einwohner erschlagen. Sie wanderten fort um ein anderes Land zu suchen, aber sie fanden nirgend ein Obdach oder einen Menschen, der ihnen einen Bissen Brot gab, und ihre Noth war so groß daß sie ihren Hunger an einem Brennnesselstrauch stillen mußten. Als sie nach langer Wanderung in ein anderes Land kamen, boten sie überall ihre Dienste  an, aber wo sie anklopften wurden sie abgewiesen, und niemand wollte sich ihrer erbarmen. Endlich gelangten sie in eine große Stadt und giengen nach dem königlichen Hof. Aber auch da hieß man sie weiter gehen, bis endlich der Koch sagte sie könnten in der Küche bleiben und als Aschenputtel dienen.

Der Sohn des Königs, in dessen Reich sie sich befanden, war aber gerade der Verlobte der Jungfrau Maleen gewesen. Der Vater hatte ihm eine andere Braut bestimmt, die ebenso häßlich von Angesicht als bös von Herzen war. Die Hochzeit war festgesetzt und die Braut schon angelangt, bei ihrer großen Häßlichkeit aber ließ sie sich vor niemand sehen und schloß sich in ihre Kammer ein und die Jungfrau Maleen mußte ihr das Essen aus der Küche bringen. Als der Tag heran kam, wo die Braut mit dem Bräutigam in die Kirche gehen sollte, so schämte sie sich ihrer Häßlichkeit und fürchtete wenn sie sich auf der Straße zeigte, würde sie von den Leuten verspottet und ausgelacht. Da sprach sie zur Jungfrau Maleen „dir steht ein großes Glück bevor, ich habe mir den Fuß vertreten und kann nicht gut über die Straße gehen: du sollst meine Brautkleider anziehen und meine Stelle einnehmen: eine größere Ehre kann dir nicht zu Theil werden.“ Die Jungfrau Maleen aber schlug es aus und sagte „ich verlange keine Ehre, die mir nicht gebührt.“ Es war auch vergeblich daß sie ihr Gold anbot. Endlich sprach sie zornig „wenn du mir nicht gehorchst, so kostet es dich dein Leben: ich brauche nur ein Wort zu sagen, so wird dir der Kopf vor die Füße gelegt.“ Da mußte sie gehorchen und die prächtigen Kleider der Braut sammt ihrem Schmuck anlegen. Als sie in den königlichen Saal eintrat, erstaunten alle über ihre große Schönheit und der König sagte zu seinem Sohn „das ist die Braut, die ich dir ausgewählt habe und die du zur Kirche führen sollst.“ Der Bräutigam erstaunte und dachte „sie gleicht meiner Jungfrau Maleen, und ich würde glauben sie wäre es selbst, aber die sitzt schon lange im Thurn gefangen oder ist todt.“ Er nahm sie an der Hand und führte sie zur Kirche. An dem Wege stand ein Brennesselbusch, da sprach sie

„Brennettelbusch,
Brennettelbusch so klene,
wat steist du hier allene?
ik hef de Tyt geweten
da hef ik dy ungesaden
ungebraden eten.“

„Was sprichst du da?“ fragte der Königssohn. „Nichts,“ antwortete sie, „ich dachte nur an die Jungfrau Maleen.“ Er verwunderte sich daß sie von ihr wußte, schwieg aber still. Als sie an den Steg vor dem Kirchhof kamen, sprach sie

„Karkstegels, brik nich,
Bün de rechte Brut nich.“

„Was sprichst du da?“ fragte der Königssohn? „Nichts,“ antwortete sie, „ich dachte nur an die Jungfrau Maleen.“ „Kennst du die Jungfrau Maleen?“ „Nein,“ antwortete sie, „wie sollte ich sie kennen, ich habe nur von ihr gehört.“ Als sie an die Kirchthüre kamen, sprach sie abermals

„Karkendär, brik nich,
bün de rechte Brut nich.“

„Was sprichst du da?“ fragte er. „Ach,“ antwortete sie, „ich habe nur an die Jungfrau Maleen gedacht.“ Da zog er ein kostbares Geschmeide hervor, legte es ihr an den Hals und hakte die Kettenringe in einander. Darauf traten sie in die Kirche, und der Priester legte vor dem Altar ihre Hände in einander und vermählte sie. Er führte sie zurück, aber sie sprach auf dem ganzen Weg kein Wort. Als sie wieder in dem königlichen Schloß angelangt waren, eilte sie in die Kammer der Braut, legte die prächtigen Kleider und den Schmuck ab, zog ihren grauen Kittel an und behielt nur das Geschmeide um den Hals, das sie von dem Bräutigam empfangen hatte.

Als die Nacht heran kam und die Braut in das Zimmer des Königssohns sollte geführt werden, so ließ sie den Schleier über ihr Gesicht fallen, damit er den Betrug nicht merken sollte. Sobald alle Leute fortgegangen waren, sprach er zu ihr „was hast du doch zu dem Brennesselbusch gesagt, der an dem Weg stand?“ „Zu welchem Brennesselbusch?“ fragte sie, „ich spreche mit keinem Brennesselbusch.“ „Wenn du es nicht gethan hast, so bist du die rechte Braut nicht“ sagte er. Da half sie sich und sprach

„mut heruet na myne Maegt,
de my myn Gedanken draegt.“

Sie gieng hinaus und fuhr die Jungfrau Maleen an, „Dirne, was hast du zu dem Brennesselbusch gesagt?“ „Ich sagte nichts als

Brennettelbusch,
Brennettelbusch so klene,
wat steist du hier allene?

Ik hef de Tyt geweten,
da hef ik dy ungesaden
ungebraden eten.“

Die Braut lief in die Kammer zurück und sagte „jetzt weiß ich was ich zu dem Brennesselbusch gesprochen habe,“ und wiederholte die Worte, die sie eben gehört hatte. „Aber was sagtest du zu dem Kirchensteg, als wir darüber giengen?“ fragte der Königssohn. „Zu dem Kirchensteg?“ antwortete sie, „ich spreche mit keinem Kirchensteg.“ „Dann bist du auch die rechte Braut nicht.“ Sie sagte wiederum

„mut herut na myne Maegt,
de my myn Gedanken draegt.“

Lief hinaus und fuhr die Jungfrau Maleen an, „Dirne, was hast du zu dem Kirchsteg gesagt?“ „Ich sagte nichts als

Karkstegels, brik nich,
bün de rechte Brut nich.“

„Das kostet dich dein Leben“ rief die Braut, eilte aber in die Kammer und sagte „jetzt weiß ich was ich zu dem Kirchsteg gesprochen habe“ und wiederholte die Worte. „Aber was sagtest du zu der Kirchenthür?“ „Zur Kirchenthür?“ antwortete sie, „ich spreche mit keiner Kirchenthür.“ „Dann bist du auch die rechte Braut nicht.“ Sie gieng hinaus, fuhr die Jungfrau Maleen an „Dirne, was hast du zu der Kirchenthür gesagt?“ „Ich sagte nichts als

Karkendär, brik nich,
bün de rechte Brut nich.“

„Das bricht dir den Hals“ rief die Braut und gerieth in den größten Zorn, eilte aber zurück in die Kammer und sagte „jetzt weiß ich was ich zu der Kirchenthür gesprochen habe“, und wiederholte die Worte. „Aber, wo hast du das Geschmeide, das ich dir an der Kirchenthüre gab?“ „Was für ein Geschmeide,“ antwortete sie, „du hast mir kein Geschmeide gegeben“. „Ich habe es dir selbst um den Hals gelegt und selbst eingehakt: wenn du das nicht weißt, so bist du die rechte Braut nicht.“ Er zog ihr den Schleier vom Gesicht, und als er ihre grundlose Häßlichkeit erblickte, sprang er erschrocken zurück und sprach „wie kommst du hierher? wer bist du?“ „Ich bin deine verlobte Braut, aber weil ich fürchtete die Leute würden mich verspotten, wenn sie mich draußen erblickten, so habe ich dem Aschenputtel befohlen meine Kleider anzuziehen und statt meiner zur Kirche zu gehen.“ „Wo ist das Mädchen“ sagte er, „ich will es sehen, geh und hol es hierher.“ Sie gieng hinaus und sagte den Dienern das Aschenputtel sei eine Betrügerin, sie sollten es in den Hof hinab führen und ihm den Kopf abschlagen. Die Diener packten es und wollten es fortschleppen, aber es schrie so laut um Hilfe, daß der Königssohn seine Stimme vernahm, aus seinem Zimmer herbei eilte und den Befehl gab das Mädchen augenblicklich loszulassen. Es wurden Lichter herbei geholt und da bemerkte er an ihrem Hals den Goldschmuck den er ihm vor der Kirchenthür gegeben hatte. „Du bist die rechte Braut“ sagte er, „die mit mir zur Kirche gegangen ist: komm mit mir in meine  Kammer.“ Als sie beide allein waren, sprach er „du hast auf dem Kirchgang die Jungfrau Maleen genannt, die meine verlobte Braut war: wenn ich dächte es wäre möglich, so müßte ich glauben sie stände vor mir: du gleichst ihr in allem.“ Sie antwortete „ich bin die Jungfrau Maleen, die um dich sieben Jahre in der Finsterniß gefangen gesessen, Hunger und Durst gelitten und so lange in Noth und Armuth gelebt hat: aber heute bescheint mich die Sonne wieder. Ich bin dir in der Kirche angetraut und bin deine rechtmäßige Gemahlin.“ Da küßten sie einander und waren glücklich für ihr Lebtag. Der falschen Braut ward zur Vergeltung der Kopf abgeschlagen.

Der Thurn, in welchem die Jungfrau Maleen gesessen hatte, stand noch lange Zeit, und wenn die Kinder vorüber giengen, so sangen sie

„kling klang kloria,
wer sitt in dissen Thoria?
Dar sitt en Königsdochter in,
die kan ik nich to seen krygn.
De Muer de will nich bräken,
De Steen de will nich stechen.
Hänschen mit de bunte Jak,
kumm unn folg my achterna.“


Ein Kommentar

schneeweiß, blutrot, ebenholzschwarz…


Bei der Farbkombination “klingelt es” fast bei jedem, das ist doch Schneewittchen von den Brüdern Grimm. Ich hatte auch diese Assoziation, als ich die dunkelgrauen Perlen, die roten Granatsteine und die weißen Jadeperlen vor mir zu liegen hatte und dachte dann, der Ludwig Bechstein hat doch auch eine Fassung von diesem Märchen geschrieben, da heißt das Schneewittchen dann Schneeweißchen und ist genauso weiß und rot und schwarz.
Aber da ich schon eine Kette mit “Schneeweißchen” benamst habe, wird diese Kette hier  dem Schneewittchen gewidmet und nun das Märchen der Grimms erzählt.

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Halskette “Schneewittchen”

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Das Märchen ist seit der ersten Ausgabe 1812 in der Sammlung enthalten und hieß ursprünglich noch Sneewittchen. Hier die Märchenvariante aus der 1. Ausgabe.

Sneewittchen.

Es war einmal mitten im Winter, und die Schneeflocken fielen wie Federn vom Himmel herab, da saß eine Königin an einem Fenster, das einen Rahmen von schwarzem Ebenholz hatte, und nähte. Und wie sie so nähte und nach dem Schnee aufblickte, stach sie sich mit der Nadel in den Finger, und es fielen drei Tropfen Blut in den Schnee. Und weil das Rothe im weißen Schnee so schön aussah, dachte sie bei sich „hätt ich ein Kind so weiß wie Schnee, so roth wie Blut, und so schwarz wie das Holz an dem Rahmen.“ Bald darauf bekam sie ein Töchterlein, das war so weiß wie Schnee, so roth wie Blut, und so schwarzhaarig wie Ebenholz, und ward darum das Sneewittchen (Schneeweißchen) genannt. Und wie das Kind geboren war, starb die Königin.
Über ein Jahr nahm sich der König eine andere Gemahlin. Es war eine schöne Frau, aber sie war stolz und übermüthig, und konnte nicht leiden daß sie an Schönheit von jemand sollte übertroffen werden. Sie hatte einen wunderbaren Spiegel, wenn sie vor den trat und sich darin beschaute, sprach sie
„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die schönste im ganzen Land?“
so antwortete der Spiegel
„Frau Königin, ihr seid die schönste im Land.“
Da war sie zufrieden, denn sie wußte daß der Spiegel die Wahrheit sagte.
Sneewittchen aber wuchs heran, und wurde immer schöner, und als es sieben Jahr alt war, war es so schön, wie der klare Tag, und schöner als die Königin selbst. Als diese einmal ihren Spiegel fragte
„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die schönste im ganzen Land?“
so antwortete er
„Frau Königin, ihr seid die schönste hier,
aber Sneewittchen ist tausendmal schöner als ihr.“
Da erschrack die Königin, und ward gelb und grün vor Neid. Von Stund an, wenn sie Sneewittchen erblickte, kehrte sich ihr das Herz im Leibe herum, so haßte sie das Mädchen. Und der Neid und Hochmuth wuchsen wie ein Unkraut in ihrem Herzen immer höher, daß sie Tag und Nacht keine Ruhe mehr hatte. Da rief sie einen Jäger und sprach „bring das Kind hinaus in den Wald, ich wills nicht mehr vor meinen Augen sehen. Du sollst es tödten, und mir Lunge und Leber zum Wahrzeichen mitbringen.“ Der Jäger gehorchte und führte es hinaus, und als er den Hirschfänger gezogen hatte und Sneewittchens unschuldiges Herz durchbohren wollte, fieng es an zu weinen und sprach „ach, lieber Jäger, laß mir mein Leben; ich will in den wilden Wald laufen und nimmermehr wieder heim kommen.“ Und weil es so schön war, hatte der Jäger Mitleiden und sprach „so lauf hin, du armes Kind.“ „Die wilden Thiere werden dich bald gefressen haben“ dachte er, und doch wars ihm als wär ein Stein von seinem Herzen gewälzt, weil er es nicht zu tödten brauchte. Und als gerade ein junger Frischling daher gesprungen kam, stach er ihn ab, nahm Lunge und Leber heraus, und brachte sie als Wahrzeichen der Königin mit. Der Koch mußte sie in Salz kochen, und das boshafte Weib aß sie auf und meinte sie hätte Sneewittchens Lunge und Leber gegessen.
Nun war das arme Kind in dem großen Wald mutterseelig allein, und ward ihm so angst, daß es alle Blätter an den Bäumen ansah und nicht wußte wie es sich helfen sollte. Da fieng es an zu laufen und lief über die spitzen Steine und durch die Dornen, und die wilden Thiere sprangen an ihm vorbei, aber sie thaten ihm nichts. Es lief so lange nur die Füße noch fort konnten, bis es bald Abend werden wollte, da sah es ein kleines Häuschen und gieng hinein sich zu ruhen. In dem Häuschen war alles klein, aber so zierlich und reinlich, daß es nicht zu sagen ist. Da stand ein weiß gedecktes Tischlein mit sieben kleinen Tellern, jedes Tellerlein mit seinem Löffelein, ferner sieben Messerlein und Gäblein, und sieben Becherlein. An der Wand waren sieben Bettlein neben einander aufgestellt und schneeweiße Laken darüber gedeckt. Sneewittchen, weil es so hungrig und durstig war, aß von jedem Tellerlein ein wenig Gemüs und Brot, und trank aus jedem Becherlein einen Tropfen Wein; denn es wollte nicht einem allein alles wegnehmen. Hernach, weil es so müde war, legte es sich in ein Bettchen, aber keins paßte; das eine war zu lang, das andere zu kurz, bis endlich das siebente recht war: und darin blieb es liegen, befahl sich Gott und schlief ein.
Als es ganz dunkel geworden war, kamen die Herren von dem Häuslein, das waren die sieben Zwerge, die in den Bergen nach Erz hackten und gruben. Sie zündeten ihre sieben Lichtlein an, und wie es nun hell im Häuslein ward, sahen sie daß jemand darin gewesen war, denn es stand nicht alles so in der Ordnung, wie sie es verlassen hatten. Der erste sprach „wer hat auf meinem Stühlchen gesessen?“ Der zweite „wer hat von meinem Tellerchen gegessen?“ Der dritte „wer hat von meinem Brötchen genommen?“ Der vierte „wer hat von meinem Gemüschen gegessen?“ Der fünfte „wer hat mit meinem Gäbelchen gestochen?“ Der sechste „wer hat mit meinem Messerchen geschnitten?“ Der siebente „wer hat aus meinem Becherlein getrunken?“ Dann sah sich der erste um und sah daß auf seinem Bett eine kleine Dälle war, da sprach er „wer hat in mein Bettchen getreten?“ Die andern kamen gelaufen und riefen „in meinem hat auch jemand gelegen.“ Der siebente aber, als er in sein Bett sah, erblickte Sneewittchen, das lag darin und schlief. Nun rief er die andern, die kamen herbeigelaufen, und schrien vor Verwunderung, holten ihre sieben Lichtlein, und beleuchteten Sneewittchen. „Ei, du mein Gott! ei, du mein Gott!“ riefen sie, „was ist das Kind so schön!“ und hatten so große Freude, daß sie es nicht aufweckten, sondern im Bettlein fortschlafen ließen. Der siebente Zwerg aber schlief bei seinen Gesellen, bei jedem eine Stunde, da war die Nacht herum.
Als es Morgen war, erwachte Sneewittchen, und wie es die sieben Zwerge sah, erschrack es. Sie waren aber freundlich und fragten „wie heißt du?“ „Ich heiße Sneewittchen,“ antwortete es. „Wie bist du in unser Haus gekommen?“ sprachen weiter die Zwerge. Da erzählte es ihnen daß seine Stiefmutter es hätte wollen umbringen lassen, der Jäger hätte ihm aber das Leben geschenkt, und da wär es gelaufen den ganzen Tag, bis es endlich ihr Häuslein gefunden hätte. Die Zwerge sprachen „willst du unsern Haushalt versehen, kochen, betten, waschen, nähen und stricken, und willst du alles ordentlich und reinlich halten, so kannst du bei uns bleiben, und es soll dir an nichts fehlen.“ „Ja,“ sagte Sneewittchen, „von Herzen gern,“ und blieb bei ihnen. Es hielt ihnen das Haus in Ordnung: Morgens giengen sie in die Berge und suchten Erz und Gold, Abends kamen sie wieder, und da mußte ihr Essen bereit sein. Den Tag über war das Mädchen allein, da warnten es die guten Zwerglein und sprachen „hüte dich vor deiner Stiefmutter, die wird bald wissen daß du hier bist; laß ja niemand herein.“
Die Königin aber, nachdem sie Sneewittchens Lunge und Leber glaubte gegessen zu haben, dachte nicht anders als sie wäre wieder die erste und allerschönste, trat vor ihren Spiegel und sprach

„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die schönste im ganzen Land?“
Da antwortete der Spiegel
„Frau Königin, ihr seid die schönste hier,
aber Sneewittchen über den Bergen
bei den sieben Zwergen
ist noch tausendmal schöner als ihr.“
Da erschrack sie, denn sie wußte, daß der Spiegel keine Unwahrheit sprach, und merkte daß der Jäger sie betrogen hatte, und Sneewittchen noch am Leben war. Und da sann und sann sie aufs neue, wie sie es umbringen wollte; denn so lange sie nicht die schönste war im ganzen Land, ließ ihr der Neid keine Ruhe. Und als sie sich endlich etwas ausgedacht hatte, färbte sie sich das Gesicht, und kleidete sich wie eine alte Krämerin, und war ganz unkenntlich. In dieser Gestalt gieng sie über die sieben Berge zu den sieben Zwergen, klopfte an die Thüre, und rief „schöne Waare feil! feil!“ Sneewittchen guckte zum Fenster heraus und rief „guten Tag, liebe Frau, was habt ihr zu verkaufen?“ „Gute Waare, schöne Waare,“ antwortete sie, „Schnürriemen von allen Farben,“ und holte einen hervor, der aus bunter Seide geflochten war. „Die ehrliche Frau kann ich herein lassen“ dachte Sneewittchen, riegelte die Thüre auf und kaufte sich den hübschen Schnürriemen. „Kind,“ sprach die Alte, „wie du aussiehst! komm, ich will dich einmal ordentlich schnüren.“ Sneewittchen hatte kein Arg, stellte sich vor sie, und ließ sich mit dem neuen Schnürriemen schnüren: aber die Alte schnürte geschwind und schnürte so fest, daß dem Sneewittchen der Athem vergieng, und es für todt hinfiel. „Nun bist du die schönste gewesen“ sprach sie, und eilte hinaus.
Nicht lange darauf, zur Abendzeit, kamen die sieben Zwerge nach Haus, aber wie erschraken sie, als sie ihr liebes Sneewittchen auf der Erde liegen sahen; und es regte und bewegte sich nicht, als wäre es todt. Sie hoben es in die Höhe, und weil sie sahen daß es zu fest geschnürt war, schnitten sie den Schnürriemen entzwei: da fieng es an ein wenig zu athmen, und ward nach und nach wieder lebendig. Als die Zwerge hörten was geschehen war, sprachen sie, „die alte Krämerfrau war niemand als die gottlose Königin: hüte dich und laß keinen Menschen herein, wenn wir nicht bei dir sind.“
Das böse Weib aber, als es nach Haus gekommen war, gieng vor den Spiegel und fragte
„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die schönste im ganzen Land?“
Da antwortete er wie sonst
„Frau Königin, ihr seid die schönste hier,
aber Sneewittchen über den Bergen
bei den sieben Zwergen
ist noch tausendmal schöner als ihr.“
Als sie das hörte, lief ihr alles Blut zum Herzen, so erschrack sie, denn sie sah wohl daß Sneewittchen wieder lebendig geworden war. „Nun aber,“ sprach sie, „will ich etwas aussinnen, das dich zu Grunde richten soll,“ und mit Hexenkünsten, die sie verstand, machte sie einen giftigen Kamm. Dann verkleidete sie sich und nahm die Gestalt eines andern alten Weibes an. So gieng sie hin über die sieben Berge zu den sieben Zwergen, klopfte an die Thüre, und rief „gute Waare feil! feil!“ Sneewittchen schaute heraus und sprach „geht nur weiter, ich darf niemand hereinlassen.“ „Das Ansehen wird dir doch erlaubt sein“ sprach die Alte, zog den giftigen Kamm heraus und hielt ihn in die Höhe. Da gefiel er dem Kinde so gut, daß es sich bethören ließ und die Thüre öffnete. Als sie des Kaufs einig waren, sprach die Alte „nun will ich dich einmal ordentlich kämmen.“ Das arme Sneewittchen dachte an nichts, und ließ die Alte gewähren, aber kaum hatte sie den Kamm in die Haare gesteckt, als das Gift darin wirkte, und das Mädchen ohne Besinnung niederfiel. „Du Ausbund von Schönheit,“ sprach das boshafte Weib, „jetzt ists um dich geschehen,“ und gieng fort. Zum Glück aber war es bald Abend, wo die sieben Zwerglein nach Haus kamen. Als sie Sneewittchen wie todt auf der Erde liegen sahen, hatten sie gleich die Stiefmutter in Verdacht, suchten nach, und fanden den giftigen Kamm, und kaum hatten sie ihn herausgezogen, so kam Sneewittchen wieder zu sich, und erzählte was vorgegangen war. Da warnten sie es noch einmal auf seiner Hut zu sein und niemand die Thüre zu öffnen.
Die Königin stellte sich daheim vor den Spiegel und sprach
„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die schönste im ganzen Land?“
Da antwortete er, wie vorher,
„Frau Königin, ihr seid die schönste hier,
aber Sneewittchen über den Bergen
bei den sieben Zwergen
ist doch noch tausendmal schöner als ihr.“
Als sie den Spiegel so reden hörte, zitterte und bebte sie vor Zorn. „Sneewittchen soll sterben,“ rief sie, „und wenn es mein eignes Leben kostet.“ Darauf gieng sie in eine ganz verborgene einsame Kammer, wo niemand hinkam, und machte da einen giftigen giftigen Apfel. Äußerlich sah er schön aus, weiß mit rothen Backen, daß jeder, der ihn erblickte, Lust danach bekam, aber wer ein Stückchen davon aß, der mußte sterben. Als der Apfel fertig war, färbte sie sich das Gesicht, und verkleidete sich in eine Bauersfrau, und so gieng sie über die sieben Berge zu den sieben Zwergen. Sie klopfte an, Sneewittchen streckte den Kopf zum Fenster heraus, und sprach „ich darf keinen Menschen einlassen, die sieben Zwerge haben mirs verboten.“ „Mir auch recht,“ antwortete die Bäurin, „meine Äpfel will ich schon los werden. Da, einen will ich dir schenken.“ „Nein,“ sprach Sneewittchen, „ich darf nichts annehmen.“ „Fürchtest du dich vor Gift?“ sprach die Alte, „siehst du, da schneide ich den Apfel in zwei Theile; den rothen Backen iß du, den weißen will ich essen.“ Der Apfel war aber so künstlich gemacht, daß der rothe Backen allein vergiftet war. Sneewittchen lusterte den schönen Apfel an, und als es sah, daß die Bäurin davon aß, so konnte es nicht länger widerstehen, streckte die Hand hinaus und nahm die giftige Hälfte. Kaum aber hatte es einen Bissen davon im Mund, so fiel es todt zur Erde nieder. Da betrachtete es die Königin mit grausigen Blicken und lachte überlaut, und sprach „weiß wie Schnee, roth wie Blut, schwarz wie Ebenholz! diesmal können dich die Zwerge nicht wieder erwecken.“ Und als sie daheim den Spiegel befragte,
„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die schönste im ganzen Land?“
so antwortete er endlich
„Frau Königin, ihr seid die schönste im Land.“
Da hatte ihr neidisches Herz Ruhe, so gut ein neidisches Herz Ruhe haben kann.
Die Zwerglein, wie sie Abends nach Haus kamen, fanden Sneewittchen auf der Erde liegen, und es gieng kein Athem mehr aus seinem Mund, und es war todt. Sie hoben es auf, suchten ob sie was giftiges fänden, schnürten es auf, kämmten ihm die Haare, wuschen es mit Wasser und Wein, aber es half alles nichts; das liebe Kind war todt und blieb todt. Sie legten es auf eine Bahre und setzten sich alle siebene daran und beweinten es, und weinten drei Tage lang. Da wollten sie es begraben, aber es sah noch so frisch aus wie ein lebender Mensch, und hatte noch seine schönen rothen Backen. Sie sprachen „das können wir nicht in die schwarze Erde versenken,“ und ließen einen durchsichtigen Sarg von Glas machen, daß man es von allen Seiten sehen konnte, legten es hinein, und schrieben mit goldenen Buchstaben seinen Namen darauf, und daß es eine Königstochter wäre. Dann setzten sie den Sarg hinaus auf den Berg, und einer von ihnen blieb immer dabei, und bewachte ihn. Und die Thiere kamen auch und beweinten Sneewittchen, erst eine Eule, dann ein Rabe, zuletzt ein Täubchen.
Nun lag Sneewittchen lange lange Zeit in dem Sarg und verweste nicht, sondern sah aus als wenn es schliefe, denn es war noch so weiß als Schnee, so roth als Blut, und so schwarzhaarig wie Ebenholz. Es geschah aber, daß ein Königssohn in den Wald gerieth und zu dem Zwergenhaus kam, da zu übernachten. Er sah auf dem Berg den Sarg, und das schöne Sneewittchen darin, und las was mit goldenen Buchstaben darauf geschrieben war. Da sprach er zu den Zwergen „laßt mir den Sarg, ich will euch geben, was ihr dafür haben wollt.“ Aber die Zwerge antworteten „wir geben ihn nicht um alles Gold in der Welt.“ Da sprach er „so schenkt mir ihn, denn ich kann nicht leben ohne Sneewittchen zu sehen, ich will es ehren und hochachten wie mein Liebstes.“ Wie er so sprach, empfanden die guten Zwerglein Mitleiden mit ihm und gaben ihm den Sarg. Der Königssohn ließ ihn nun von seinen Dienern auf den Schultern forttragen. Da geschah es, daß sie über einen Strauch stolperten, und von dem Schüttern fuhr der giftige Apfelgrütz, den Sneewittchen abgebissen hatte, aus dem Hals. Und nicht lange so öffnete es die Augen, hob den Deckel vom Sarg in die Höhe, und richtete sich auf, und war wieder lebendig. „Ach Gott, wo bin ich?“ rief es. Der Königssohn sagte voll Freude „du bist bei mir,“ und erzählte was sich zugetragen hatte und sprach „ich habe dich lieber als alles auf der Welt; komm mit mir in meines Vaters Schloß, du sollst meine Gemahlin werden.“ Da war ihm Sneewittchen gut und gieng mit ihm, und ihre Hochzeit ward mit großer Pracht und Herrlichkeit angeordnet. Zu dem Fest wurde aber auch Sneewittchens gottlose Stiefmutter eingeladen. Wie sie sich nun mit schönen Kleidern angethan hatte, trat sie vor den Spiegel und sprach
„Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die schönste im ganzen Land?“
Der Spiegel antwortete
„Frau Königin, ihr seid die schönste hier,
aber die junge Königin ist tausendmal schöner als ihr.“
Da stieß das böse Weib einen Fluch aus, und ward ihr so angst, so angst, daß sie sich nicht zu lassen wußte. Sie wollte zuerst gar nicht auf die Hochzeit kommen: doch ließ es ihr keine Ruhe, sie mußte fort und die junge Königin sehen. Und wie sie hineintrat, erkannte sie Sneewittchen, und vor Angst und Schrecken stand sie da und konnte sich nicht regen. Aber es waren schon eiserne Pantoffeln über Kohlenfeuer gestellt und wurden mit Zangen herein getragen und vor sie hingestellt. Da mußte sie in die rothglühenden Schuhe treten und so lange tanzen, bis sie todt zur Erde fiel.


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Voller Mutterwitz …


und Lebensfreude ist das Grimm-Märchen “Das kluge Gretel”.
Der Text beruht  auf Andreas Strobls Predigtexempel Oster-Märl (in Ovum paschale novum oder neugefärbte Oster-Ayr, Salzburg 1710, S. 23-26), wie Wilhelm Grimms erhaltene Abschrift zu entnehmen ist. Er kürzte aber die ausschweifende Beschreibungen, den belehrenden Schluss und fügte Gretels schöne “Begründungen” hinzu, was das Ganze zu einem kleinen Märchenjuwel macht.
Als ich diese Kette gestaltete, kam mir das Märchen in den Sinn ,vielleicht war es aber auch umgekehrt, mir kam das Märchen in den Sinn und die Kette wurde wie sie ist- hier jedenfalls zeige ich das Märchen  in der Fassung der Ausgabe “letzter Hand”.

Das kluge Grethel.

Es war eine Köchin, die hieß Grethel, die trug Schuhe mit rothen Absätzen, und wenn sie damit ausgieng, so drehte sie sich hin und her, war ganz fröhlich, und dachte „du bist doch ein schönes Mädel.“ Und wenn sie nach Haus kam, so trank sie aus Fröhlichkeit einen Schluck Wein, und weil der Wein auch Lust zum Essen macht, so versuchte sie das beste, was sie kochte, so lang, bis sie satt war, und sprach „die Köchin muß wissen wies Essen schmeckt.“

Es trug sich zu, daß der Herr einmal zu ihr sagte „Grethel, heut Abend kommt ein Gast, richte mir zwei Hühner fein wohl zu.“ „Wills schon machen, Herr,“ antwortete Grethel. Nun stachs die Hühner ab, brühte sie, rupfte sie, steckte sie an den Spieß, und brachte sie, wies gegen Abend gieng, zum Feuer, damit sie braten sollten. Die Hühner fiengen an braun und gahr zu werden, aber der Gast war noch nicht gekommen. Da rief Grethel dem Herrn, „kommt der Gast nicht, so muß ich die Hühner vom Feuer thun, ist aber Jammer und Schade wenn sie nicht bald gegessen werden, wo sie am besten im Saft sind.“ Sprach der Herr „so will ich nur selbst laufen und den Gast holen.“ Als der Herr den Rücken gekehrt hatte, legte Grethel den Spieß mit den Hühnern beiseite und dachte „so lange da beim Feuer stehen, macht schwitzen und durstig, wer weiß wann die kommen! derweil spring ich in den Keller und thue einen Schluck.“ Lief hinab, setzte einen Krug an, sprach „Gott gesegnes dir, Grethel,“ und that einen guten Zug. „Der Wein hängt an einander,“ sprachs weiter, „und ist nicht gut abbrechen,“ und that noch einen ernsthaften Zug. Nun gieng es und stellte die Hühner wieder übers Feuer, strich sie mit Butter und trieb den Spieß lustig herum. Weil aber der Braten so gut roch, dachte Grethel „es könnte etwas fehlen, versucht muß er werden!“ schleckte mit dem Finger und sprach „ei, was sind die Hühner so gut! ist ja Sünd und Schand, daß man sie nicht gleich ißt!“ Lief zum Fenster, ob der Herr mit dem Gast noch nicht käm, aber es sah niemand: stellte sich wieder zu den Hühnern, dachte „der eine Flügel verbrennt, besser ists, ich eß ihn weg.“ Also schnitt es ihn ab, und aß ihn auf, und er schmeckte ihm: und wie es damit fertig war, dachte es „der andere muß auch herab, sonst merkt der Herr daß etwas fehlt.“ Wie die zwei Flügel verzehrt waren, gieng es wieder und schaute nach dem Herrn, und sah ihn nicht. „Wer weiß,“ fiel ihm ein, „sie kommen wohl gar nicht, und sind wo eingekehrt.“ Da sprachs „hei, Grethel, sei guter Dinge, das eine ist doch angegriffen, thu noch einen frischen Trunk, und iß es vollends auf, wenns all ist, hast du Ruhe: warum soll die gute Gottesgabe umkommen?“ Also lief es noch einmal in den Keller, that einen ehrbaren Trunk, und aß das eine Huhn in aller Freudigkeit auf. Wie das eine Huhn hinunter war, und der Herr noch immer nicht kam, sah Grethel das andere an, und sprach „wo das eine ist muß das andere auch sein, die zwei gehören zusammen: was dem einen Recht ist, das ist dem andern billig; ich glaube wenn ich noch einen Trunk thue, so sollte mirs nicht schaden.“ Also that es noch einen herzhaften Trunk, und ließ das zweite Huhn wieder zum andern laufen.

Wie es so im besten essen war, kam der Herr daher gegangen, und rief „eil dich, Grethel, der Gast kommt gleich nach.“ „Ja, Herr, wills schon zurichten,“ antwortete Grethel. Der Herr sah indessen ob der Tisch wohl gedeckt war, nahm das große Messer, womit er die Hühner zerschneiden wollte, und wetzte es auf dem Gang. Indem kam der Gast, klopfte sittig und höflich an der Hausthüre. Grethel lief und schaute wer da war, und als es den Gast sah, hielt es den Finger an den Mund und sprach „still! still! macht geschwind daß ihr wieder fort kommt, wenn euch mein Herr erwischt, so seid ihr unglücklich; er hat euch zwar zum Nachtessen eingeladen, aber er hat nichts anders im Sinn, als euch die beiden Ohren abzuschneiden. Hört nur wie er das Messer dazu wetzt.“ Der Gast hörte das Wetzen und eilte was er konnte die Stiegen wieder hinab. Grethel war nicht faul, lief schreiend zu dem Herrn und rief „da habt ihr einen schönen Gast eingeladen!“ „Ei, warum, Grethel? was meinst du damit?“ „Ja,“ sagte es, „der hat mir beide Hühner, die ich eben auftragen wollte, von der Schüssel genommen und ist damit fortgelaufen.“ „Das ist feine Weise!“ sprach der Herr, und ward ihm leid um die schönen Hühner, „wenn er mir dann wenigstens das eine gelassen hätte, damit mir was zu essen geblieben wäre.“ Er rief ihm nach er sollte bleiben, aber der Gast that als hörte er es nicht. Da lief er hinter ihm her, das Messer noch immer in der Hand, und schrie „nur eins! nur eins!“ und meinte, der Gast sollte ihm nur ein Huhn lassen, und nicht alle beide nehmen: der Gast aber meinte nicht anders, als er sollte eins von seinen Ohren hergeben, und lief als wenn Feuer unter ihm brennte, damit er sie beide heimbrächte.

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die schönsten Märchen …


Kommen mir in den Sinn, wenn ich Schmuck mache.  Oft sind es “Grimmis”.  Kürzlich erst:

Die Bienenkönigin, ein Märchen aus der Sammlung “Kindermärchen” von Albert Ludewig Grimm, das in die Sammlung ” Kinder- und Hausmärchen” der Brüder Grimm übernommen wurde. Ich zeige es hier in der Fassung “letzer Hand” der “Kinder- und Hausmärchen”.

Die Bienenkönigin.

Zwei Königssöhne giengen einmal auf Abenteuer und geriethen in ein wildes, wüstes Leben, so daß sie gar nicht wieder nach Haus kamen. Der jüngste, welcher der Dummling hieß, machte sich auf und suchte seine Brüder: aber wie er sie endlich fand, verspotteten sie ihn, daß er mit seiner Einfalt sich durch die Welt schlagen wollte, und sie zwei könnten nicht durchkommen, und wären doch viel klüger. Sie zogen alle drei miteinander fort und kamen an einen Ameisenhaufen. Die zwei ältesten wollten ihn aufwühlen und sehen wie die kleinen Ameisen in der Angst herumkröchen und ihre Eier forttrügen, aber der Dummling sagte „laßt die Thiere in Frieden, ich leids nicht, daß ihr sie stört.“ Da giengen sie weiter und kamen an einen See, auf dem schwammen viele viele Enten. Die zwei Brüder wollten ein paar fangen und braten, aber der Dummling ließ es nicht zu, und sprach „laßt die Thiere in Frieden, ich leids nicht, daß ihr sie tödtet.“ Endlich kamen sie an ein Bienennest, darin war so viel Honig, daß er am Stamm herunterlief. Die zwei wollten Feuer unter den Baum legen und die Bienen ersticken, damit sie den Honig wegnehmen könnten. Der Dummling hielt sie aber wieder ab, und sprach „laßt die Thiere in Frieden, ich leids nicht, daß ihr sie verbrennt.“ Endlich kamen die drei Brüder in ein Schloß, wo in den Ställen lauter steinerne Pferde standen, auch war kein Mensch zu sehen, und sie giengen durch alle Säle, bis sie vor eine Thür ganz am Ende kamen, davor hiengen drei Schlösser; es war aber mitten in der Thüre  ein Lädlein, dadurch konnte man in die Stube sehen. Da sahen sie ein graues Männchen, das an einem Tisch saß. Sie riefen es an, einmal, zweimal, aber es hörte nicht: endlich riefen sie zum drittenmal, da stand es auf, öffnete die Schlösser und kam heraus. Er sprach aber kein Wort, sondern führte sie zu einem reichbesetzten Tisch; und als sie gegessen und getrunken hatten, brachte es einen jeglichen in sein eigenes Schlafgemach. Am andern Morgen kam das graue Männchen zu dem ältesten, winkte und leitete ihn zu einer steinernen Tafel, darauf standen drei Aufgaben geschrieben, wodurch das Schloß erlöst werden könnte. Die erste war, in dem Wald unter dem Moos lagen die Perlen der Königstochter, tausend an der Zahl, die mußten aufgesucht werden, und wenn vor Sonnenuntergang noch eine einzige fehlte, so ward der, welcher gesucht hatte, zu Stein. Der älteste gieng hin und suchte den ganzen Tag, als aber der Tag zu Ende war, hatte er erst hundert gefunden; es geschah wie auf der Tafel stand, er ward in Stein verwandelt. Am folgenden Tag unternahm der zweite Bruder das Abenteuer: es gieng ihm aber nicht viel besser als dem ältesten, er fand nicht mehr als zweihundert Perlen, und ward zu Stein. Endlich kam auch an den Dummling die Reihe, der suchte im Moos, es war aber so schwer die Perlen zu finden und gieng so langsam. Da setzte er sich auf einen Stein und weinte. Und wie er so saß, kam der Ameisenkönig, dem er einmal das Leben erhalten hatte, mit fünftausend Ameisen, und es währte gar nicht lange, so hatten die kleinen Thiere die Perlen mit einander gefunden und auf einen Haufen getragen. Die zweite Aufgabe aber war, den Schlüssel zu der Schlafkammer der Königstochter aus der See zu holen. Wie der Dummling zur See kam, schwammen die Enten, die er einmal gerettet hatte, heran, tauchten unter, und holten den Schlüssel aus der Tiefe. Die dritte Aufgabe aber war die schwerste, aus den drei schlafenden Töchtern des Königs sollte die jüngste und die liebste heraus gesucht werden. Sie glichen sich aber vollkommen, und waren durch nichts verschieden, als daß sie, bevor sie eingeschlafen waren, verschiedene Süßigkeiten gegessen hatten, die älteste ein Stück Zucker, die zweite ein wenig Syrup, die jüngste einen Löffel voll Honig. Da kam die Bienenkönigin von den Bienen, die der Dummling vor dem Feuer geschützt hatte, und versuchte den Mund von allen dreien, zuletzt blieb sie auf dem Mund sitzen, der Honig gegessen hatte, und so erkannte der Königssohn die rechte. Da war der Zauber vorbei, alles war aus dem Schlaf erlöst, und wer von Stein war, erhielt seine menschliche Gestalt wieder. Und der Dummling vermählte sich mit der jüngsten und liebsten, und ward König nach ihres Vaters Tod; seine zwei Brüder aber erhielten die beiden andern Schwestern.
Und das ist der Schmuck dazu, den man auf DAWANDA kaufen kann:

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