laut und leise literatur lesen

die Rezi-Tante zeigt Erlebtes und Erdichtetes, Geschichten und Geschichte


Ein Kommentar

an allem Schlechten ist das Internet Schuld


Politiker werden im Amt zu einfach gestrickten Leute, das beweisen sie immer wieder aufs Neue in ihren Äußerungen, wenn irgendwo im Lande oder in der Welt eine schlimme Sache passiert ist. Die Gefährlichkeit des Internets und die Notwendigkeit der Vorratsdatenspeicherung zu betonen fühlte sich der CSU-Politiker Hans-Peter Uhl nach den schlimmen Ereignissen in Norwegen in einer ersten Stellungnahme veranlasst.
Woher hatte er diese Erkenntnis? Aus der Mitteilung, dass der norwegische Massenmörder Anders Breivik vor seinem Amoklauf ein elend langes Manifest voll kruder Gedanken ins Internet stellte und sich ein Facebook-Profil anlegte.  Dumm gelaufen, dass Uhls Message ins Leere ging, den Norwegen hat das von vielen Politikern gewünschte Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung und es hat nicht einen Toten verhindern können, weil  nicht das Internet der Ort der Planung und Vorbereitung auf das Verbrechen war, es wurde  im Zuge der Ausübung als modernes Medium genutzt. Früher schickte man Briefe an Zeitungen oder hinterlegte Flugblätter, wenn man so drauf war. Und es gab genug, die sich auch in Vorinternetzeiten radikalisierten, auch  Adolf Hitler kannte kein Internet. Denn nicht das Internet ist das Problem, es ist der  Mensch mit nazisstischer Persönlichkeitsstörung, vielleicht noch die, denen er diese Störung verdankt.  Anschläge, Attentate, Amok gab es zu allen Zeiten, wenn heutzutage die Anzahl der davon betroffenen Personen größer ist, hat das mit den technologischen Möglichkeiten zu tun, die den Tätern zur Verfügung stehen.
Eigenartigerweise hat noch kein Politiker gefordert, die Schützenvereine zu verbieten oder wenigstens ihren Mitgliedern eine besondere Beobachtung angedeihen zu lassen – denn da finde ich in der Auswertung schlimmer Ereignisse durchaus Zusammenhänge, die plausibel sind – und  die regelmäßige Beobachtung   und Anlage von Verhaltensprofilen dürften  Mitglieder der Schützenvereine doch nicht weiter stören, wenn sie damit ihre Friedfertigkeit attestieren können, oder?

Das Internet, dem Vernehmen nach vom  US-Verteidigungsministeriums geschaffen, wurde zur Vernetzung von Universitäten und Forschungseinrichtungen benutzt um Rechnerkapazitäten optimal zu nutzen.
Es ist zu einer im besten Sinne demokratischen Instanz geworden, denn es gibt jedem Nutzer Raum sich auszudrücken. Es gefällt einem nicht alles, was man liest, wohl wahr, doch mein Demokratieverständnis fordert mich auf, das auszuhalten, vielleicht gegenzuhalten  und wenn es kriminell wird dagegen vorzugehen.
Ansonsten sehe ich darin eine Informationsquelle, was bestimmten Leuten warum stinkt und man kann sich damit auseinandersetzen um zu sehen, wie ein Konsens herzustellen wäre. Als gelernte DDR-Bürgerin kann ich behaupten: ignorieren und unterdrücken von Stimmungen in der Bevölkerung hat noch nie etwas Nachhaltiges gebracht, auch nicht in Russland, in Weißrussland, in China, in Vietnam, in Nordkorea, in Lateinamerika oder in den arabischen Ländern.


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gestorben 02.08.1879 – 31. märchenhafte Biografie


Kazimierz Władysław Wóycicki

Kazimierz Wójcicki.PNG

Kazimierz Władysław Wóycicki (eingedeutscht: Kasimir Wladislaw Wojcicki, (* 3. März 1807 in Warschau; † 2. August 1879 in Warschau) war ein polnischerSchriftsteller.

Wóycicki studierte in Warschau und machte sich dann durch Sammlungen von Sprichwörtern(Warschau 1830, 3 Bände), Volksliedern (Pieśni ludu, Warschau 1836, 2 Bände) undVolksmärchen (1837, 2 Bände) der Polen, Kleinrussen und Weißrussen einen Namen. Daneben veröffentlichte er so genannte Gawenden, anspruchslose Schilderungen der sozialen Verhältnisse der Vergangenheit (Kurpie, 1834; Stare gawędy, 1840, etc.), die zahlreiche Nachahmer fanden, verfasste antiquarische und historische Werke, darunter eine große polnische Literaturgeschichte (Historya literatury polskiéj w zarysach, Warschau 1845-46, 4 Bände), die indessen mehr eine historische Chrestomathie ist, und begründete 1850 mit Cieszkowski die Monatsschrift Biblioteka warszawska, die er bis an seinen Tod leitete.

Polnische Volkssagen und Märchen 


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bunt bedeutet von allem etwas…


Und bunt wurde diese Halskette hier, bei der ich die restlichen Lampworkperlen, die schon in anderem Schmuck hier zu sehen waren, verarbeitet habe. Diesmal griff ich das Grün der Rosenblätter auf und setzte jeweils eine grüne und eine gelbe Roncaliperle dazu,dann eine weiße Silberfolienperle und einen rosafarbenen Würfel, doch dann machte ich es richtig bunt mit königsblauen Glasperlen. Und so blumenbunt die Kette auch beim direkten Betrachten wirkt, getragen wirkt sie nicht etwa quitschbunt, sondern frisch und ist somit total alltagstauglich.

Halskette "Die Frau in allen Farben" auf DaWanda

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Entdeckt auf DaWanda

Von: Rezitante

Halskette “Die Frau in allen Farben”

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Diese Kette brauchte einen besonderen Namen. Erst fiel mir Allerleirauh ein, die ja einen Pelz von allen Tieren des Landes trug, aber das passte nicht, weil sowas ja eher grau in braun sein müsste. Aber, da gibt es ja noch die französische Märchensammlung von Blade, und da gibt es dieses schöne Märchen: Der Mann in allen Farben, das ist es doch, das passt – auch wenn die Kette eindeutig NICHT für Männer gemacht ist. Muss ich eben den Titel variieren zur: Die Frau in allen Farben. Das Märchen geht so:

Der Mann in allen Farben

Es war einmal ein alter Holzhacker, der war verwitwet und lebte mit seinen sieben Söhnen mitten in einem großen Wald. Eines Tages rief der Holzhacker all seine Söhne zu sich und sprach: “Jungs, bis heute habe ich geackert, um euch euer Brot zu verdienen. Jetzt, da ihr groß seid, geht selbst und arbeitet für euren Lebensunterhalt. Ich habe gerade noch genug Kraft um nicht auf Almosen angewiesen zu sein. Wenn ich nicht mehr kann werde ich einen Sack nehmen und von Tür zu Tür um Brot betteln gehen, wie einst unser Herr Jesus Christus.” “Vater, wir sind reisefertig! Wenn wir zu Geld kommen, werden wir Euch welches schicken, denn Ihr sollt nicht betteln gehen.”
“Dann geht und der liebe Gott beschütze euch! Aber zuvor will ich noch jedem ein Geschenk machen.”
Der alte Holzhacker öffnete einen Kasten, darin befand sich ein Mantel, der war aus allen Farben zusammengestückelt, und eine Geldbörse mit sechs Dukaten. Er gab jedem Sohn einen Dukaten und fing bei dem Ältesten an, so dass für den Jüngsten nichts mehr übrigblieb. Die Söhne, die ihre Dukaten empfangen hatten verabschiedeten sich von ihrem Vater und gingen fort. Da sagte der alte Holzhacker zu dem Jüngsten, der noch immer wartete: “Junge, nimm diesen zusammengestückelten Mantel und sei nicht neidisch auf deine Brüder! Du wirst der Mann in allen Farben sein.” Gesagt, getan. Der Mann in allen Farben nahm Abschied von seinem Vater und ging fort.

Bei Sonnenuntergang gelangte er an den Saum eines großen Waldes und streckte sich unter einer Eiche nieder, um die Nacht zu verbringen. Der Mann in allen Farben war gerade am Einschlafen, als er von Geräuschen in den Ästen gestört wurde. Eine Drossel war es, die in ihrem Nest klagte, weil eine Schlange sich emporgeringelte, um ihre Kleinen zu fressen. Sogleich nahm der Mann in allen Farben seinen Stock und schlug die Schlange entzwei. Die Schlange war aber von der Art Schlangen, die das unter der Erde verborgene Gold bewachen. Sie hatte in ihrem Bauche zwölf Doppellouisdor und ebenso viele spanische Goldmünzen. “Gut,” sagte der Mann in allen Farben, “die Doppellouisdor sind für mich und die spanischen Goldmünzen für meinen Vater.” Dann streckte er sich wieder unter der Eiche aus, schlief die ganze Nacht und ging bei Sonnenaufgang weiter.

Nach drei Stunden Marsch machte er in einer Herberge an der der Straße Rast. Als er gegessen und getrunken hatte bezahlte er die Wirtin und fragte nach dem Weg.
“Mann in allen Farben, wenn du immer geradeaus gehst, so wirst du in drei Tagen in Paris sein. Wenn du aber rechts gehst, so kommst du in das Land des Hungers und Durstes und ich weiß nicht, wohin du dann gelangst.”
Der Mann in allen Farben hielt sich rechts, den er war neugierig. Gerade um Mittag gelangte er in das Land des Hungers und Durstes. Dort gab es keinen Fluß, keinen Bach, keinen Brunnen, keine Quelle. Die Erde war so trocken wie der Boden eines Backofens. Menschen und Tiere, groß und klein, Gras und Bäume, alles kam dort um, gekocht und gebraten von der Sonne. Drei Tage und drei Nächte lang wanderte der Mann in allen Farben ohne zu essen und zu trinken. Da fand er einen Toten, der noch in seiner rechten Hand eine schmiedeeiserne Stange hielt, neun Zentner schwer. Der Mann in allen Farben beerdigte den Toten, betete für ihn zu Gott, nahm die neun Zentner schwere schmiedeeiserne Stange und wanderte weiter, bis der nächste Morgen dämmerte.

Bei Sonnenaufgang hatte er das Land des Hungers und Durstes hinter sich. Aber vor ihm lag ein Gebirge, steil wie eine Mauer, welches mehr als hundert Klafter hoch aufstieg. Am Fuße des Gebirges sah er ein Haus, dessen Türen und Fenster sperrangelweit offenstanden. Es war das Haus des Ohneseele, der gerade ausgegangen war, um seinen Rundgang zu machen. Der Mann in allen Farben trat ein. Er nahm einen Brocken Brot vom Brett, stieg in den Keller um sich Wein zu holen und begann zu essen und zu trinken. Danach legte er sich ins Bett, die neun Zentner schweren schmiedeeisernen Stange in Reichweite und schlief bis Mitternacht. Da wurde er durch lautes Gepolter geweckt. Es war Ohneseele, welcher von seinem Rundgang zurückkam.
“Ho! Ho! Ho! Wer hat sich da bei mir eingenistet? Warte, du Dieb, warte! Ich will dir den Geschmack am Brot verleiden!” Aber der Mann in allen Farben war schon aus dem Bett gesprungen und hatte die neun Zentner schwere schmiedeeiserne Stange mit der Hand umklammert. Nun gab es einen großen Kampf, der drei Stunden dauerte. Schließlich wurde der Ohneseele durch einen gewaltigen Schlag auf den Kopf zu Boden gestreckt. “Mann in allen Farben, laß mich nicht länger leiden! Nie wirst du mich töten können. Es ist geweissagt, daß ich nicht sterben kann bis zum Ende der Welt, um nie wieder aufzuerstehen. Laß mich nicht länger leiden, und ich werde alles tun, was du mir befiehlst.”
“Gut, Ohneseele, zeige mir, wo man den Berg erklimmen kann. Aber ehrlich, sonst spürst du meine neun Zentner schweren schmiedeeisernen Stange!”
Da zeigte der Ohneseele dem Mann in allen Farben einen guten weg und dieser kletterte wie eine Geiß durch die hohen und steilen Felsen.

Plötzlich bemerkte er einen Wolf, der war groß wie ein Stier und lief im Galopp mit offenem Rachen auf ihn los. Der Mann in allen Farben schwang seine neun Zentner schwere schmiedeeiserne Stange und schlug damit auf den Kopf des Untieres, daß es auf den Tod verwundet niederstürzte.
“Mann in allen Farben,” sagte der Wolf, “du bist nicht der erste, der ohne zu sterben das Land des Hungers und Durstes durchquert und dem Ohneseele seinen Willen aufgezwungen hat. Von denen, die bis hierher gekommen sind, habe ich viele gefressen. Aber manche sind weitergegangen und sind nun an einem Ort, den du auch bald erreichen wirst. Da ich durch deine Hand sterbe – iß mein Fleisch und trink mein Blut, denn du brauchst Mut und bist noch nicht am Ende deiner Leiden.”
Der Mann in allen Farben wartete, bis der Wolf tot war. Dann aß er sein Fleisch und trank sein Blut und fühlte sich bald von einer gewaltigen Kraft durchdrungen.

Eine Stunde später stand er auf dem Kamm des Gebirges, das hundert Klafter tief in einen Fluß abstürzte, der eine halbe Meile breit war. Das Wasser dieses Flusses machte ein großes Getöse und strömte schneller als der Wind. Auf der anderen Seite des Flusses erblickte er ein Land, so wunderschön, dass man glauben konnte, es sei das Paradies. Auf dem Kamm des Gebirges traf der Mann in allen Farben eine Menge Leute, die ihren ganzen Mut dazu aufgewendet hatten, bis hierher zu gelangen. Einige weinten, andere knieten nieder, falteten die Hände und riefen:
“Mein Gott, mein Gott, mach, daß wir hinüberkommen!”
Da dachte der Mann in allen Farben:
“Der liebe Gott steht denen nicht bei, die alles ihm überlassen. Diese Leute werden nie hinüberkommen.”
Manche beratschlagten sich immer und entschlossen sich nie; sie sagten:
“Gut wegkommen ist alles, nur keine Eile! Wir haben Zeit!”
Da dachte der Mann in allen Farben:
“Die reden und handeln nie bis zum Tage des Gerichts. Es gibt Zeiten, da es zu reden, und Zeiten, da es zu handeln gilt. Wer nichts wagt, gewinnt nichts. Diese Leute werden nie hinüberkommen.”
Andere redeten miteinander:
“Stürzen wir uns alle auf einmal hinab. Helfen wir einander, schwimmen wir mitsammen, alle mitsammen!”
Da dachte der Mann in allen Farben:
“In diesem Falle muß man alles geben und nimmt nichts. Diese Leute werden nie hinüberkommen.”
Es waren auch zwei oder drei da, die, kühn hinabsprangen. Aber anstatt sich geradeaus zu halten, kehrten sie sich nach denen um, welche vom Kamm des Gebirges aus zuschauten und schrien: “Rechts! Links! Nicht so! Ihr seid verloren!”
Diese Leute kamen nie hinüber und die Fluten bedeckten sie für immer. Da dachte der Mann in allen Farben:
“Jetzt weiß ich, was ich zu tun habe.”
Er versteckte sich hinter einem Felsen, rollte seine Kleider zusammen und band sie sich auf den Rücken, dann machte er das Zeichen des Kreuzes und sprach:
“Mut, Freund!”
Er sang ein lustiges Lied und sprang ohne Furcht und Grauen hinab. Als er im Wasser war, schwamm er immer geradeaus, er schwamm sicher und ausdauernd wie ein Fisch, ohne sich umzukehren und auf die Rufe der Leute auf dem Gebirge zu hören.

Eine Stunde später zog er auf dem andern Ufer des Stromes seine Kleider wieder an. Der Mann in allen Farben begrüßte höflich die Leute, die auf dem jenseitigen Ufer des Flusses zurückgeblieben waren, aber die wurden neidisch, als sie sahen, dass er herübergekommen war. Sie zeigten ihm die Faust und überhäuften ihn mit Schmähungen. Aber er lachte nur darüber und setzte seinen Weg fort.

Als er eine Stunde gegangen war, begegnete er einem bärtigen Zwerg, welcher keine zwei Spannen groß war.
“Mann in allen Farben, du mußt mir folgen!”
“Gern, Zwerg!”
Beide gingen Seite an Seite, bis sie an eine große, schwarze Höhle kamen, welche sich weit unter die Erde erstreckte. Lange, lange stiegen sie in dieser Höhle abwärts. Der Zwerg richtete es so ein, dass später kein Mensch mehr hindurchgehen konnte, nicht um hinab- nicht um hinaufzusteigen. Der Mann in allen Farben und der Zwerg kamen schließlich unten an und sahen dort ein kleines Licht. In dieser Richtung gingen sie. Während sie wanderten, wurde das Licht immer größer. Endlich befanden sie sich auf der Schwelle eines großen Tores, dahinter lag ein schönes Land; in diesem stand ein großes Schloß und hundert Meierhöfen ringsherum.
“Mann in allen Farben! Ich schenke dir das große Schloß und die hundert Meierhöfe ringsherum. Von nun ab versuche glücklich hier unter der Erde zu leben, denn nie wirst du Menschen je wiedersehen.”

Der Zwerg verschwand, und der Mann in allen Farben klopfte an die Türe des großen Schlosses. Sogleich öffnete eine Hand das Tor. Eine andere Hand führte ihn in einen großen Saal, wo eine Tafel gedeckt war und ein Mahl von einem Dutzend Händen dargereicht wurde. Aber es war dort weder Mann noch Weib. Nach dem Essen durchsuchte der Mann in allen Farben das Schloß vom Speicher bis zum Keller. Überall sah er Hände, welche in der Küche , welche die Zimmer besorgten und ähnliche Dinge verrichteten. Im Hofe stand ein großer eiserner Käfig, in dem ein Adler saß, dessen Fuß mit einer Kette gefesselt war. Hände brachten ihm zweimal am Tage rohes Fleisch. Drei Stuten standen im Stall, eine weiß wie Schnee, die andere schwarz wie ein Rabe und die dritte rot wie Blut. Diese Tiere wurden ebenfalls von Händen bedient, die sie striegelten, ihnen Streu gaben und es ihnen nicht an Heu, Stroh und Hafer fehlen ließen.
Der Mann in allen Farben lebte also wohlversorgt lange Zeit im großen Schloß, aber er war immer allein und wurde eines solchen Lebens recht herzlich müde. Um seine Zeit zu vertreiben, ging er morgens und abends in den Stall, und wenn er die drei Stuten versorgt hatte, fütterte er den Adler im Eisenkäfig mit rohes Fleisch . Die vier Tiere schlossen so innige Freundschaft mit ihm, daß sie nicht mehr von den Händen bedient werden wollten. Eines Tages begann der Adler zu reden: “Mann in allen Farben, du langweilst dich, weil du ständig allein in diesem großen Schlosse bist. Glaubst du, daß ich mich besser unterhalte, ich, der ich immer am Fuß gefesselt und in einen Eisenkäfig eingesperrt bin? Befreie mich! Ich werde durch die Höhle auf die Erde fliegen. Jeden Tag werde ich kommen und dir Nachricht von oben bringen.”
Der Mann in allen Farben befreite den gefangenen Adler und sprach zu ihm:
“Adler, flieg in mein Heimatland und bringe mir Nachricht von meinem Vater. Sage ihm, daß ich unter der Erde gefangengehalten werde und daß er mich niemals, niemals wiedersehen wird.”
Der Adler flog davon und kehrte noch am gleichen Abend zurück. “Mann in allen Farben, ich habe deinen Vater gesehen. Er ist uralt, er kann nicht mehr arbeiten. Drei deiner Brüder helfen ihm, so gut sie können. Aber sie verdienen nicht genug, um ihn zu ernähren. So kommt es, daß der arme alte Mann oft seinen Sack nimmt und von Tür zu Tür um sein Brot bettelt, wie es einst der Herr Jesus Christus getan hat. Jetzt habe ich alles gut eingerichtet, und das soll nicht mehr vorkommen. Ich weiß, wo ich mich zu versorgen habe, und dein Vater soll täglich sein Auskommen haben.”
“Danke, Adler!”
Von diesem Tage an waren der Mann in allen Farben und der Adler innige Freunde. Jeden Morgen flog der Adler aus und jeden Abend brachte er Nachrichten von oben mit.

Eines Abends sagte er zu seinem Freund:
“Mann in allen Farben, dort oben geht etwas vor, was des Redens wert ist. Es ist da ein König, der hat vier Töchter, schön wie der Tag. Ein Zwerg hat ihm die drei ältesten geraubt und hält sie irgendwo versteckt, nur die jüngste ist bei ihrem Vater geblieben. Jetzt höre, was der König heute morgen in allen Gemeinden des Landes durch einen Trommler hat verkünden lassen: Alle tapferen Leute und kühnen Ritter werden vom König aus benachrichtigt, daß im nächsten Monat in der Stadt Babylon drei große Pferderennen abgehalten werden, jeden Sonntag eines. Wer dreimal den Sieg erringt, soll am Sonntag darauf die Tochter des Königs heimführen.'”
Nun wurde der Mann in allen Farben traurig. Tag und Nacht dachte er über das nach, was der Adler zu ihm gesagt hatte.

Eines Morgens gewahrte die Stute, die so rot war wie Blut, daß ihr Herr weinte.
“Mann in allen Farben, ich weiß, warum du weinst. Aber ich kann dir aus deiner Not helfen. Mit mir wirst du das erste Rennen gewinnen, denn ich weiß einen geheimen Weg, der auf die Erde führt. Ich darf ihn aber nur einmal hin und zurück durchmessen, und du mußt mir schwören, daß du wieder mit mir heimkehrst.”
“Blutrote Stute, ich schwöre es dir bei meiner Seele!”
“Gut, gehen wir!”
Die blutrote Stute rannte schneller als der Wind davon und kam eine Stunde später in die Stadt Babylon. Es war an einem Sonntagabend. Die Vesper war zu Ende, das Rennen begann, und es fehlte nicht an Rittern, die einander den Sieg streitig machten. Aber die blutrote Stute flog schneller als der Wind, und sie war am Ziel, als die andern Rosse noch keine hundert Schritte gemacht hatten. Da rief das Volk:
“Es lebe der Mann in allen Farben!” Die blutrote Stute aber rannte schneller als je davon. Eine Stunde später war der Mann in allen Farben wieder unter der Erde in seinem großen Schloß.

Der Mann in allen Farben wurde wieder sehr traurig. Tag und Nacht dachte er über das nach, was der Adler zu ihm gesagt hatte. Am nächsten Sonntag gewahrte die Stute, die so schwarz war wie ein Rabe, daß ihr Herr weinte:
“Mann in allen Farben, ich weiß, warum du weinst. Aber ich kann dir aus deiner Not helfen. Mit mir wirst du das zweite Rennen gewinnen, denn ich weiß einen geheimen Weg, der auf die Erde führt. Ich darf ihn aber nur einmal hin und zurück durchmessen, und du mußt mir schwören, daß du wieder mit mir heimkehrst.”
“Rabenschwarze Stute, ich schwöre es dir bei meiner Seele!” “Gut, gehen wir!”
Die rabenschwarze Stute rannte schneller als der Wind davon und dennoch kam sie erst zwei Stunden später in die Stadt Babylon. Es war an einem Sonntagabend. Die Vesper war gesungen, seit einer Stunde hatte das Rennen begonnen, und es fehlte nicht an Rittern, die einander den Sieg streitig machten. Aber die rabenschwarze Stute flog noch schneller als die blutrote, und sie war am Ziel, als die andern noch auf der Hälfte des Weges waren. Da rief das Volk:
“Es lebe der Mann in allen Farben!”
Die rabenschwarze Stute aber rannte schneller als je davon. Eine Stunde später war der Mann in allen Farben wieder unter der Erde in seinem großen Schloß.

Der Mann in allen Farben wurde wieder sehr traurig. Tag und Nacht dachte er über das nach, was der Adler zu ihm gesagt hatte. Am folgenden Sonntag gewahrte die Stute, die so weiß war wie der Schnee, daß ihr Herr weinte.
“Mann in allen Farben, ich weiß, warum du weinst, und ich könnte dir aus deiner Not helfen. Mit mir würdest du das dritte Rennen gewinnen, denn ich weiß einen geheimen Weg, der auf die Erde führt, und ich darf ihn einmal hin und zurück durchmessen.”
“Gut, so hilf mir aus der Not!”
“Ich will nicht!”
“Ich bitte dich darum!”
Der Mann in allen Farben bat solange, bis die schneeweiße Stute schließlich erwiderte:
“Gut, schwöre mir, daß du wieder mit mir heimkehrst!” “Schneeweiße Stute, ich schwöre es dir bei meiner Seele!”
Die schneeweiße Stute rannte schneller als der Wind davon. Dennoch kam sie erst drei Stunden später hinkend in die Stadt Babylon. Es war an einem Sonntagabend. Die Vesper war gesungen, das Rennen war beinahe zu Ende, und es fehlte nicht an Rittern, die einander den Sieg streitig machten. Die schneeweiße Stute ging in kurzem Trab und hinkte. Da rief das Volk:
“Schade, der Mann in allen Farben wird nicht zum Ziel kommen.” Und der Mann in allen Farben schrie in Verzweiflung:
“So lauf doch, schneeweiße Stute!”
“Ich kann nicht, ich hinke ja!”
Und der Mann in allen Farben verzweifelte, denn drei Reiter hatten nur noch hundert Schritte bis zum Ziel und waren nahe am Sieg. Da wieherte die schneeweiße Stute und flog so schnell, so schnell, daß man sie kaum mit den Augen verfolgen konnte. In der Zeit, die man braucht, um Amen zu sagen, hatte sie alle anderen Rosse überholt und war am Ziel. Da rief das Volk:
“Es lebe der Mann in allen Farben!”
Aber die schneeweiße Stute rannte schneller als je davon. Eine Stunde später war der Mann in allen Farben wieder unter der Erde in seinem großen Schloß.

Der Mann in allen Farben wurde wieder sehr traurig. Tag und Nacht dachte er über das nach, was der Adler zu ihm gesagt hatte. Am Sonntag darauf gewahrte der Adler, daß sein Herr weinte.
“Mann in allen Farben, ich weiß, warum du weinst, und ich möchte dir aus deiner Not helfen. Unglücklicherweise sind die Wege, welche die drei Stuten durchmessen haben, jetzt für ewig verschlossen. Es bleibt nur noch die Höhle, durch welche du mit dem Zwerg herabgeschritten bist. Steige rittlings auf meinen Rücken, ich werde dich im Fluge davontragen. Aber das ist keine kleine Mühe. Um bis zum Ende zu kommen, muß ich während der Reise gut ernährt werden. Nimm viel rohes Fleisch mit, um mich auf der Reise zu versorgen.”
Der Mann in allen Farben holte viel rohes Fleisch und stieg auf den Rücken des Adlers, der seinen Flug begann.
“Mutig, mein Adler!”
Und der Adler flog gewaltig geradeaus. Jeden Augenblick schrie er:
“Rohes Fleisch! Rohes Fleisch!”
Und der Mann in allen Farben versorgte ihn und rief ihm fortwährend zu:
“Mutig, mein Adler!”
Hundert Klafter unter dem Erdboden begann das Fleisch auszugehen.
“Rohes Fleisch! Rohes Fleisch!”
Da zog der Mann in allen Farben sein Messer, schnitt ein Stück von seinem Schenkel ab, versorgte den Adler und gab ihm sein warmes Blut zu trinken. Fünf Minuten später gelangten beide in die Stadt Babylon. Es war acht Uhr morgens. Jedermann trug sein Feiertagsgewand. In allen Kirchen läuteten die Glocken wegen der Hochzeit der Königstochter.
“Mann in allen Farben,” sagte der König von Babylon, “du kannst meine Tochter erst haben, wenn du mir ihre drei Schwestern wiederbringst!”
Da sagte der Adler: “Warte hier auf mich!”
Der Adler flog davon; eine Stunde später kam er wieder und zerrte den bärtigen Zwerg, der keine zwei Spannen groß war, an den Haaren mit. Der Zwerg klopfte mit dem Absatz auf den Boden. Da erschienen die drei Stuten: die eine war weiß wie Schnee, die andere schwarz wie ein Rabe und die dritte rot wie Blut. Die drei Stuten waren die drei ältesten Töchter des Königs von Babylon, welche der Zwerg in Stuten verwandelt hatte, um sie besser verstecken zu können. Sie nahmen ihre richtige Menschengestalt wieder an.
“Mann in allen Farben,” sagte der König von Babylon, “ich kann dir nun nichts mehr abschlagen.”

Der Mann in allen Farben ließ seinen Vater holen. Ebenso ließ er die drei Brüder kommen, die dem alten Vater geholfen hatten, und jeder von ihnen heiratete eine Prinzessin. Am Ende der Hochzeit, welche einen ganzen Monat dauerte, sagte der Adler:
“Mann in allen Farben, schon lange diene ich dir. Und doch hast du mich noch nicht ausgelohnt.”
“Adler, verlange, was du willst.”
“Mann in allen Farben, gib mir den höchsten Turm in Babylon, damit ich darauf mein Nest baue! Gib mir auch den bärtigen Zwerg, welcher keine zwei Spannen groß ist!”
“Adler, nimm was du dir wünschst!”
Da zerrte der Adler den bärtigen Zwerg, der keine zwei Spannen groß war, auf den höchsten Turm von Babylon und riß ihm dort die Augen aus und fraß ihn bis auf die Knochen auf.

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auf Dawanda entdeckt – Lyrik


Ich finde diese Form Gedichte anzubieten wunderschön,edel. Würde ich mit meinen wohl auch so machen, wenn ich nicht das Gefühl hätte,dass zu denen nur Fotos passen, weil sie etwas sperrig sind.


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von:
sweettageta


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