laut und leise literatur lesen

die Rezi-Tante zeigt Erlebtes und Erdichtetes, Geschichten und Geschichte


Hinterlasse einen Kommentar

am 31. Januar 1866 verstarb Friedrich Rückert


ein Grund, hier die Folge 38 von Lyrik für Alle von Lutz Görner einzusetzen…


Hinterlasse einen Kommentar

Buchtrailer “Wolfskind” auf you tube


Über den Roman “Wolfskind” hatte ich hier schon berichtet, nun gibt es einen Buchtrailer auf youtube, den ich nicht vorenthalten möchte, weil ich finde, er gibt den Inhalt des Buches gut wieder.


Hinterlasse einen Kommentar

gestorben 30.01.1916 – 26. märchenhafte Biografie


Joseph Jacobs

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Joseph Jacobs
* 29. August 1854 in Sydney;
† 30. Januar 1916

War ein jüdischer Historiker, der sich vor allem mit Literatur befasste. Er war nicht nur einer der Verfasser der Jewish Encyclopedia, sondern zeigte sich auch für einige bemerkenswerte Märchensammlungen verantwortlich.

Jacobs war der Sohn von John und von Sarah Jacobs. Er besuchte die Sydney-Grammar-School und schließlich auch die Universität von Sydney, letztere dank eines Stipendiums für Klassik, Mathematik und Chemie. Er schloss sein Studium allerdings nicht in Sydney ab, sondern reiste im Alter von 18 Jahren nach England und schrieb sich am St. John’s College in Cambridge ein, wo er 1876 seinen Bachelor erwarb. Ab 1877 studierte er an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er war von 1878 bis 1884 Sekretär der Gesellschaft für hebräische Literatur. Von 1884 bis 1900 arbeitete er an diversen anthropologischen Studien, Artikeln und Büchern mit.

Zwischen 1890 und 1912 gab er fünf Märchensammlungen heraus: Englische Märchen, Weitere englische Märchen, keltische Märchen, weitere keltische Märchen und europäische Völkmärchen. Er wurde diesbezüglich durch die Brüder Grimm, Charles Perrault und den romantischen Nationalismus beeinflusst. Unter anderem wurden die Märchen Hans und die Bohnenranke und Die drei kleinen Schweinchen durch ihn bekannt.


Hinterlasse einen Kommentar

geboren 26.01.1859 – 25. märchenhafte Biografie


Richard Wossidlo

Richard (Carl Theodor August) Wossidlo
* 26. Januar 1859 in Friedrichshof bei Tessin (seit 1971 wüst, heute Kreis Güstrow);
† 4. Mai 1939 in Waren (Müritz)

ist Begründer der mecklenburgischen Volkskunde, einer der Väter der deutschsprachigen Volkskunde und einer der bedeutendsten Feldforscher der europäischen Ethnologie.

Seine Sammlung umfasst mehr als 200 Märchen aus Mecklemburg, seine Biografie ist aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie zu finden:

Leben

Richard Wossidlo wurde als viertes Kind des Rittergutsbesitzers Alfred (Ferdinand) Wossidlo in Friedrichshof bei Tessin geboren. Häufig war er zu Besuch auf den Höfen seines Großvaters bei Waren (Müritz) und seines Onkels in Körkwitz bei Ribnitz, wo er zum ersten Mal mit den Volksweisheiten und Bräuchen der einfachen Leute (Tagelöhner, etc.) in Berührung kam.

Nach dem Abitur an der Großen Stadtschule in Rostock im Jahre 1876 studierte er bis 1883 Klassische Philologie in Rostock, Leipzig und Berlin. Er brach seine Dissertation auf dem Gebiet der griechischen Sprache ab und wählte das höhere Lehramt. Wossidlo war, nach seiner Referendariatszeit in Wismar, von 1886 bis 1922 Lehrer für Latein und Griechisch am Gymnasium in Waren (Müritz).

Seine Leidenschaft, der er über 50 Jahre eifrig nachging, war allerdings das volkskundliche Sammeln und Forschen, für das er auch große Teile seines Vermögens opferte. Ab 1883 bereiste Wossidlo nahezu jeden Ort Mecklenburgs und hielt die kulturellen Traditionen, wie zum Beispiel Geschichten, Liedgut, Bräuche, Arbeitsweisen und Lebensformen schriftlich auf kleinen Zetteln fest. Er schrieb das, was ihm von seinen Landsleuten berichtet wurde, auf handtellergroße Notizzettel, die dann gut sortiert nach Sachgruppen und Orten in seinem „Zettelkastenarchiv“ landeten. Daraus entstand eine weite Sammlung, die Grundlage für seinen Beitrag zum Mecklenburgischen Wörterbuch wurde.

Seine etwa 2 Millionen Notizzettel mitsamt den Zettelkästen sind noch heute die Grundsubstanz des Instituts für Volkskunde der Universität Rostock. Die durch Wossidlo gesammelten Utensilien und Trachten kann man heute im Mecklenburgischen Volkskundemuseum in Schwerin betrachten.

Etwa zwei Millionen Dokumente im sogenannten Wossidlo-Archiv, heute in Obhut der Universität Rostock. Das Archiv soll bis 2013 digitalisiert werden.

Monographien, mehrbändige Werke:

* Volkstümliches aus Meklenburg. Rostock, 1885.

* Mecklenburgische Volksüberlieferungen. 4 Bände. Rostock, 1897-1931.

Bd. 1: Rätsel. (1897)

Bd. 2,1: Duie Tiere im Munde des Volkes. (1899)

Bd. 3: Kinderwartung und Kinderzucht. (1906)

Bd. 4: Kinderreime. (1931)

(mehr nicht erschienen)

* Ein Winterabend in einem mecklenburgischen Bauernhause. Volksstück. Rostock, 1901. (4. Aufl.: 1937).

* Aus dem Lande Fritz Reuters. Humor in Sprache und Volkstum Mecklenburgs. Mit einer Einleitung über das Sammeln volkstümlicher Überlieferungen. Leipzig, 1910.

* Buernhochtiet. Volksstück. Rostock, 1926. (Nachdruck: Rostock, 1991).

* Mecklenburgische Sagen. Ein Volksbuch. 2 Bände. Rostock, 1939.

* [Initiator und Mitherausgeber von] Teuchert, Hermann [Hrsg.]: “Mecklenburgisches Wörterbuch.” 7 Bände. 1942-1992. [Nachdruck: 1996]. Bd. 8: Nachtrag und Index. 1998.

Mehr als 600 bekannte Aufsätze und andere Kleinschriften.

Ehrungen

Richard Wossidlo erhielt zahlreiche Preise. Darunter zweimal den John-Brinckman-Preis der Hansestadt Rostock, die Große Medaille für Kunst und Wissenschaft des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin, die Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft der Regierung Mecklenburgs (1934) und die Leibniz-Medaille.  Wossidlo war sowohl Ehrensenator als auch Ehrendoktor der Universität Rostock, sowie Ehrenbürger der Stadt Waren (Müritz).

In Ludwigslust, Rostock, Schwerin und Waren (Müritz) gibt es eine Wossidlostraße. In Lübeck ist der Wossidloweg nach ihm benannt. Mehrere Schulen tragen seinen Namen.


6 Kommentare

ausgehört: Stephen King – Das Mädchen


Es handelt sich hier um eine ungekürzte Fassung des Romans. Stephen King hatte den Roman “Das Mädchen” damals, bevor er im Handel war, ja als pdf-Datei  frei ins Internet stellen lassen – ich weiß nicht warum, eine Kontrolle, wie groß die Lesernachfrage ist, ein Versuch, sich mit den Möglichkeiten des relativ neuen Mediums vertraut zu machen, egal – es war so und war interessant. Für mich – damals gab es noch keine anderen “Lesegeräte” als den Monitor des PCs – die Erfahrung, dass Bücher nicht zu ersetzen sind, den vor dem PC zu sitzen und zu lesen ist nicht mit dem Lesevergnügen eines Buches gleichzusetzen, es auszudrucken um zu lesen -wird auch buchteuer und  ist doch nur ein Provisorium, es fehlt die Gemütlichkeit, die nur ein Buch anbieten kann.

Also kaufte ich mir dann doch das Buch, las es und konnte dann nicht sagen, wie ich es fand. Bücher sind auch auf die Stimmung des Lesenden angewiesen und damals fiel es mir nicht immer leicht, mich auf die Erlebnisse eines Neunjährigen, die, groß für ihr Alter,  sich im Wald verlaufen hatte und nur auf sich gestellt etliches ausstehen musste zu konzentrieren. Wald , was schreib ich, die sich im amerikanischen Urwald verlaufen hatte. Und doch  schien es mir wohl das Beste gewesen zu sein, was Stephen King geschrieben hatte, ich spürte den “Geist”, der mich aus den frühen Kurzgeschichten des Autors anweht – und der mich so fasziniert.

Nun also das Hörbuch, ungekürzte Fassung, von einer Sprecherin – Franziska Pigulla und einem Sprecher, Joachim Kerzel im CD-Wechsel gelesen. Ab und an wurden auf den CDs noch ein paar Geräusche eingespielt, Vogelzwischern, Hubschraubergeräusche, das Geräusch von fließendem Wasser … und wirklich, ich kann keine Aufnahme nennen, die mich bisher mehr fesselte. Pigulla und Kerzel sind wunderbare Sprecher, die sich auf ihren Job  gut vorbereitet hatten. Jede Betonung sitzt, jede Stimmfarbe hat die richtige Temperatur – ich behaupte: Besser geht es nicht!  Obwohl ich das Buch kenne, es war ein unbeschreiblich spannender Hörgenuss. Beurteilung: eine Milchstraße voll Sterne


Ein Kommentar

Erzählung der Woche 3-2011


Heinrich von Kleist

Der Branntweinsäufer und die Berliner Glocken

Eine Anekdote

Ein Soldat vom ehemaligen Regiment Lichnowsky, ein heilloser und unverbesserlicher Säufer, versprach nach unendlichen Schlägen, die er deshalb bekam, daß er seine Aufführung bessern und sich des Brannteweins enthalten wolle. Er hielt auch, in der Tat, Wort, während drei Tage: ward aber am vierten wieder besoffen in einem Rennstein gefunden, und, von einem Unteroffizier, in Arrest gebracht. Im Verhör befragte man ihn, warum er, seines Vorsatzes uneingedenk, sich von neuem dem Laster des Trunks ergeben habe? »Herr Hauptmann!« antwortete er; »es ist nicht meine Schuld. Ich ging in Geschäften eines Kaufmanns, mit einer Kiste Färbholz, über den Lustgarten; da läuteten vom Dom herab die Glocken: › Pommeranzen! Pommeranzen! Pommeranzen!‹ Läut, Teufel, läut, sprach ich, und gedachte meines Vorsatzes und trank nichts. In der Königsstraße, wo ich die Kiste abgeben sollte, steh ich einen Augenblick, um mich auszuruhen, vor dem Rathaus still: da bimmelt es vom Turm herab: ›Kümmel! Kümmel! Kümmel! – Kümmel! Kümmel! Kümmel!‹ Ich sage, zum Turm: bimmle du, daß die Wolken reißen – und gedenke, mein Seel, gedenke meines Vorsatzes, ob ich gleich durstig war, und trinke nichts. Drauf führt mich der Teufel, auf dem Rückweg, über den Spittelmarkt; und da ich eben vor einer Kneipe, wo mehr denn dreißig Gäste beisammen waren, stehe, geht es, vom Spittelturm herab: ›Anisette! Anisette! Anisette!‹ Was kostet das Glas, frag ich? Der Wirt spricht: Sechs Pfennige. Geb er her, sag ich – und was weiter aus mir geworden ist, das weiß ich nicht.«

Heinrich von Kleist

Charité-Vorfall

Der von einem Kutscher kürzlich übergefahrne Mann, namens Beyer, hat bereits dreimal in seinem Leben ein ähnliches Schicksal gehabt; dergestalt, daß bei der Untersuchung, die der Geheimerat Herr K., in der Charité mit ihm vornahm, die lächerlichsten Mißverständnisse vorfielen. Der Geheimerat, der zuvörderst seine beiden Beine, welche krumm und schief und mit Blut bedeckt waren, bemerkte, fragte ihn: ob er an diesen Gliedern verletzt wäre? worauf der Mann jedoch erwiderte: nein! die Beine wären ihm schon vor fünf Jahr, durch einen andern Doktor, abgefahren worden. Hierauf bemerkte ein Arzt, der dem Geheimenrat zur Seite stand, daß sein linkes Auge geplatzt war; als man ihn jedoch fragte: ob ihn das Rad hier getroffen hätte? antwortete er: nein! das Auge hätte ihm ein Doktor bereits vor vierzehn Jahren ausgefahren. Endlich, zum Erstaunen aller Anwesenden, fand sich, daß ihm die linke Rippenhälfte, in jämmerlicher Verstümmelung, ganz auf den Rücken gedreht war; als aber der Geheimerat ihn fragte: ob ihn des Doktors Wagen hier beschädigt hätte? antwortete er: nein! die Rippen wären ihm schon vor sieben Jahren durch einen Doktorwagen zusammen gefahren worden. – Bis sich endlich zeigte, daß ihm durch die letztere Überfahrt der linke Ohrknorpel ins Gehörorgan hineingefahren war. – Der Berichterstatter hat den Mann selbst über diesen Vorfall vernommen, und selbst die Todkranken, die in dem Saale auf den Betten herumlagen, mußten, über die spaßhafte und indolente Weise, wie er dies vorbrachte, lachen. – Übrigens bessert er sich; und falls er sich vor den Doktoren, wenn er auf der Straße geht, in acht nimmt, kann er noch lange leben.


Hinterlasse einen Kommentar

Gedicht der Woche 3-2011


Das letzte Lied

Heinrich von Kleist

Nach dem Griechischen, aus dem Zeitalter Philipps von Mazedonien

Fern ab am Horizont, auf Felsenrissen,
Liegt der gewitterschwarze Krieg getürmt.
Die Blitze zucken schon, die ungewissen,
Der Wandrer sucht das Laubdach, das ihn schirmt.
Und wie ein Strom, geschwellt von Regengüssen,
Aus seines Ufers Bette heulend stürmt,
Kommt das Verderben, mit entbundnen Wogen,
Auf alles, was besteht, herangezogen.

Der alten Staaten graues Prachtgerüste
Sinkt donnernd ein, von ihm hinweggespült,
Wie, auf der Heide Grund, ein Wurmgeniste,
Von einem Knaben scharrend weggewühlt;
Und wo das Leben, um der Menschen Brüste,
In tausend Lichtern jauchzend hat gespielt,
Ist es so lautlos jetzt, wie in den Reichen,
Durch die die Wellen des Kozytus schleichen.

Und ein Geschlecht, von düsterm Haar umflogen,
Tritt aus der Nacht, das keinen Namen führt,
Das, wie ein Hirngespinst der Mythologen,
Hervor aus der Erschlagnen Knochen stiert;
Das ist geboren nicht und nicht erzogen
Vom alten, das im deutschen Land regiert:
Das läßt in Tönen, wie der Nord an Strömen,
Wenn er im Schilfrohr seufzet, sich vernehmen.

Und du, o Lied, voll unnennbarer Wonnen,
Das das Gefühl so wunderbar erhebt,
Das, einer Himmelsurne wie entronnen,
Zu den entzückten Ohren niederschwebt,
Bei dessen Klang, empor ins Reich der Sonnen,
Von allen Banden frei die Seele strebt;
Dich trifft der Todespfeil; die Parzen winken,
Und stumm ins Grab mußt du daniedersinken.

Erschienen, festlich, in der Völker Reigen,
Wird dir kein Beifall mehr entgegen blühn,
Kein Herz dir klopfen, keine Brust dir steigen,
Dir keine Träne mehr zur Erde glühn,
Und nur wo einsam, unter Tannenzweigen,
Zu Leichensteinen stille Pfade fliehn,
Wird Wanderern, die bei den Toten leben,
Ein Schatten deiner Schön’ entgegenschweben.

Und stärker rauscht der Sänger in die Saiten,
Der Töne ganze Macht lockt er hervor,
Er singt die Lust, fürs Vaterland zu streiten,
Und machtlos schlägt sein Ruf an jedes Ohr, –
Und da sein Blick das Blutpanier der Zeiten
Stets weiter flattern sieht, von Tor zu Tor,
Schließt er sein Lied, er wünscht mit ihm zu enden,
Und legt die Leier weinend aus den Händen.

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 28 Followern an