und ein schickes Weihnachtsgeschenk aus Mord und Folter…

30. November 2009

Pelze sind ja wieder im kommen. Man zeigt immer noch auf diese Art, dass mans sich leisten kann…

nur zu teuer darf auch nicht sein, man ist ja preisbewußt,
ein Pelz aus einer Pelztierfarm

da ist die modebewußte Frau doch geradezu eine Tierretterin, das arme Vieh von seiner Existenz unter solchen Bedingungen erlösen zu lassen

und an seiner Stelle den Pelz spazieren zu tragen, kriegt der Pelz endlich mal Bewegung…

Oder soll es lieber ein Tier aus freier Wildbahn sein?

Der muss nicht lange leiden, nach vier, fünf Tagen ist

der hin und reicht doch für einen Muff, oder eine Mütze,
eine halbe Pelzstola ,die man bestimmt drei bis fünf Jahre
lang trägt bis zur nächsten.

Was man noch so alles aus Tieren machen kann,
Handytaschen aus gerupften Nerz -
dafür lohnt doch wirklich, ein paar Viecher zu killen und
vorher zu quälen, das putzt doch ungemein.

Wer lieber Karnickel trägt – daran denkend,
dass da vielleicht das Fleisch gegessen wurde, wird hier eines
besseren belehrt:

Für den schmaleren Geldbeutel gibt es dann mit schönen Fantasienamen ausgestattet:

echter Hund aus China, manchmal sogar als Kunstfell angeboten.

… und denkt nicht, ihr habt damit nichts zu tun, Desinteresse und Gedankenlosigkeit fördert


Böse Dinge Teil 2…

28. November 2009

Ich hatte ja an dieser Stelle von der Ausstellung:

Böse Dinge – eine Enzekopädie des Ungeschmacks berichtet, die ich gemeinsam mit Claudia Sperlich besucht hatte, und deren Eintritt wir uns mit dem Gastgeschenk eines „bösen Dinges“ erkauften.

Gerade fand ich eine Einladung  in meinem E-Mailkasten:

Liebe Spender „böser Dinge“,

wir haben uns erlaubt, Ihre Email – Adressen einmalig zu benutzen, um Sie

zu unserem  Jour fixe einzuladen:

JOUR FIX im Museum der Dinge

Am Montag, den 07.12.2009 um 19:00 Uhr

Böse / schlecht / nicht relevant / zu gut

Das Museum – ein Ort der Verhandlung

Die Besucher der Ausstellung „Böse Dinge, eine Enzyklopädie des Ungeschmacks“ haben dem Museum

in den letzten fünf Monaten an die 300 „Geschmacksverirrungen“ mitgebracht – einbreites Spektrum

an missglückten Geschenken, unerwünschten Erbstücken, „gut gemeinten“ Mitbringseln oder ärgerlichen

Fehlkäufen.

Beim nächsten Jour Fix werden die AusstellungskuratorInnen Renate Flagmeier, Rüdiger Schlömer und

Imke Volkers die Qualität der Gaben begutachten und erklären, ob und weshalb sie welche Objekte

zu dauerhaften Sammlungsstücken machen. Das Publikum ist zu reger Beteiligung an der Beurteilung

aufgefordert.

Wir würden uns freuen, wenn Sie kommen und gegebenenfalls Ihre „Geschmacklosigkeit“ erläutern,

verteidigen oder verwünschen.

Eintritt frei

Werkbundarchiv – Museum der Dinge

Oranienstraße 25

10999 Berlin

Tel.:030 – 921 063 – 11

www.museumderdinge.de

info@museumderdinge.de


Gedicht der Woche 48/2009

28. November 2009

Herbstsonnenschein,
Der liebe Abend lacht so still herein,
Ein Feuerlein rot
Knistert im Ofenloch und loht.

So! – Meinen Kopf auf deinen Knien,
So ist mit gut;
Wenn mein Auge so in deinem ruht.
Wie leise die Minuten ziehn! …

Johannes Schlaf



erzählt für die Woche 48/2009

28. November 2009


Brüder Grimm

aus: Kinder- und Haus-Märchen Band 1,
Große Ausgabe. 1. Auflage
Erscheinungsdatum: 1812

Fragmente.

a) Schneeblume.

Eine junge Königstochter hieß Schneeblume, weil sie weiß, wie der Schnee war, und im Winter geboren. Eines Tags war ihre Mutter krank geworden, und sie ging in den Wald und wollte heilsame Kräuter brechen, wie sie nun an einem großen Baum vorüber ging, flog ein Schwarm Bienen heraus und bedeckten ihren ganzen Leib von Kopf bis zu Füßen. Aber sie stachen sie nicht und thaten ihr nicht weh, sondern trugen Honig auf ihre Lippen, und ihr ganzer Leib strahlte ordentlich von Schönheit. – –

Aus den Anmerkungen der Kinder- und Hausmärchen dazu:

a) Ein französ. Volksmärchen, perceneige, (Frühlingsblume, Schneeglöcklein, Primel neulich in ein Gedicht: Thibaut ou la naissane du comte de champagne. Paris 1811. pag. 97. 98. verflochten.

b) Prinzessin mit der Laus.

Es war einmal eine Prinzessin, die war so reinlich, gewiß die reinlichste von der ganzen Welt, nie sah man den kleinsten Schmutz oder Flecken an ihr. Einmal aber fand man eine Laus auf ihrem Kopf sitzen, welches für ein wahres Wunder galt, und man wollte darum die Laus nicht umbringen, sondern beschloß sie mit Milch groß zu füttern. Dies geschah, die Laus wuchs immer mehr, so daß sie endlich so groß wie ein Kalb war. Wie nun diese Laus starb, ließ ihr die Prinzessin das Fell abziehen und sich ein Kleid daraus machen. Kam nun ein Freier und hielt um sie an, so gab sie ihm aufzurathen, von welchem Thier das Fell wäre, das sie zum Kleid trug. Da dies nun keiner rathen konnte, mußten sie alle abziehen. Endlich kam ein schöner Prinz auf folgende Art dahinter. – –

Aus den Anmerkungen der Kinder- und Hausmärchen dazu:

b) Erinnert an eine Variante zu Droßelbart. Das Ganze vollständig im Pentamerone I, 5. la polece.

c) Vom Prinz Johannes.

Von seinem Wandeln in Sehnen und Wehmuth, von seinem Flug mit der Erscheinung, von der rothen Burg, von den vielen herzbewegenden Prüfungen, bis ihm der einzigste Anblick der schönen Sonnenprinzessin gewährt wurde.

Aus den Anmerkungen der Kinder-und Hausmärchen dazu:

]

c) Dieses Märchen erinnert sich Karl Graß in seiner Kindheit in Liefland von einer deutschen Amme, die Marie hieß, erzählen gehört zu haben. Er hat daraus ein Gedicht in 12 Gesängen gemacht, welches schwerlich dem Märchen beikommen wird. S. Erheiterungen 1812. Stück 5, 391-393.

d) Das gute Pflaster.

Zwei Näthersmädchen hatten nichts geerbt, als ein gutes, altes Pflaster, welches Geld machte, und wovon sie außer ihrem Nähverdienst lebten. Die eine Schwester war sehr klug, die andere sehr dumm.

Eines Tags, als die älteste in die Kirche gegangen ist, kam ein Jude zu der dummen; „schönes, neues Pflaster zu verkaufen, oder zu vertauschen gegen altes, nichts zu handelen?“ Da ging die dumme hin und holte dem Juden das alte Pflaster für ein neues Stück, und der Jude wußte wohl, welche Tugend das alte hatte.

Wie die älteste heim kam, sprach sie: es geht schlimm mit unserm Nähverdienst, ich muß uns ein bischen Geld schaffen, wo ist unser Pflaster? – desto besser, sprach die Dumme, ich hab auch während du aus warst, ein neues und frisches Stück gehandelt für das alte – – – – – – – – – – – – – – – – –

(Nachher wird der Jude ein Hund, die zwei Mädchen Hüner, die Hüner aber endlich Menschen und prügeln den Hund zu Tode.)

d) der gute Lappen.

Zwei Näthersmädchen hatten nichts geerbt, als einen guten alten Lappen, der machte alles zu Gold, was man hineinwickelte, damit hatten sie genug und nähten dabei noch zu kleinem Verdienst. Die eine Schwester war sehr klug, die andere sehr dumm. Eines Tags, war die älteste in die Kirche gegangen, da kam ein Jude die Straße her und rief: „Schöne, neue Lappen zu verkaufen oder zu vertauschen gegen alte, nichts zu handlen?“ Wie die dumme das hörte, lief sie hin und vertauschte ihren guten alten Lappen für einen neuen; das wollte der Jud gerad, denn er kannte die Tugend des alten gar wohl. Als die älteste nun heimkam, sprach sie: „mit dem Nähverdienst geht’s schlecht, ich muß uns ein bischen Geld schaffen, wo ist unser Lappen?“ „Desto besser,“ sprach die dumme, „ich hab’ auch während du aus warst einen neuen und frischen dafür eingehandelt für den alten.“ – – (Nachher wird der Jude ein Hund, die zwei Mädchen Hühner, die Hühner aber endlich Menschen, und prügeln den Hund zu Tode.)

Aus den Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen dazu:

d) In der 1001. N. von der kupfernen Lampe, die auch aus Dummheit gegen eine neue gegeben wird. Einigermaßen verwandt ist auch das Fabliau vom Sperber den die Tochter kauft, während die Mutter zur Kirche ist.


dem „bösem“ Wort folgte die böse Tat …

26. November 2009

Achte auf deine Gedanken, denn sie werden Worte.
Achte auf deine Worte, denn sie werden Handlungen.
Achte auf deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten.
Achte auf deine Gewohnheiten, denn sie werden dein Charakter.
Achte auf deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.

Diesen weisen Spruch aus dem Talmud, musste ein Schulmitarbeiter auf ganz eigene Weise erfahren., wie yahoo berichtete.

Artikel von Lucas Wiegelmann 25. November 2009,

Ein Wort zuviel im Internet kostete …

Einmal entsandt, fliegt das Wort unwiderruflich dahin. Diese Weisheit des römischen Dichters Horaz gilt heute noch stärker als im Papyruszeitalter, wie ein Mann aus St. Louis, Missouri bezeugen kann.

Vor einigen Tagen veröffentlichte die Lokalzeitung „St. Louis Post-Dispatch“ auf ihrer Internetseite einen Aufruf. Unter der Rubrik „Talk of the Day“ sollten sich die Leser austauschen zum Thema: „Was war das Seltsamste, was Sie je gegessen haben? Hat es Ihnen geschmeckt?“ Die verschiedensten Geständnisse gingen ein, vom Oktopus über das Kuhhirn bis zum Schlangenei. Die Diskussion war in vollem Gange, als gegen zehn Uhr vormittags ein Leser nur ein einziges Wort postete. Ein Wort, das er sich sicher verkniffen hätte, wenn er geahnt hätte, was er damit auslöst.

Der Mann schrieb „Pussy“. Das ist ein obszönes Wort für das weibliche Geschlechtsorgan. Sowas schreibt man nicht. Deshalb wurde der Eintrag auch nach einer Minute vom Internetportal der „St. Louis Post-Dispatch“ gelöscht. Wenige Augenblicke später schrieb der Leser das Wort aber noch einmal hin. Und das war sein Fehler.

Natürlich wurde der Eintrag wieder gelöscht. Aber diesmal ging der zuständige Redakteur Kurt Greenbaum der Sache nach. Er prüfte die IP-Adresse des Nutzers, also die Adresse, mit der sich ein Computer im Internet anmeldet. Greenbaum fand heraus, dass sie zu einer Schule in St. Louis gehörte, und rief den Schulleiter an.

Der wiederum alarmierte seinen Computerfachmann, und anhand der Netzwerkdaten in der Schule fanden sie heraus, an welchem Computer die bösen fünf Buchstaben eingegeben wurden. Der Mann, der zur Tatzeit an dem Rechner gearbeitet hatte, musste zum Vieraugengespräch ins Büro des Schulleiters. Am Ende der Unterredung reichte er seine Kündigung ein. Ein Wort gab das andere.

Amerikanische Internetnutzer und Blogger reagierten entsetzt. Sie werfen der „St. Louis Post-Dispatch“ vor, den Datenschutz mit Füßen getreten und Zensur ausgeübt zu haben. Die Zeitung hat zu dem Thema ein Forum eingerichtet, aber wegen der Protestflut ist die Kommentarfunktion mittlerweile abgestellt.

Nun konzentriert sich die Wut auf den Redakteur Kurt Greenbaum. Die Web-Kritiker werfen ihm „Nazi-Methoden“ vor, viele Kommentatoren fordern seinen Rücktritt oder seine Entlassung. Der Name Greenbaum war zwischenzeitlich auf Platz 29 der meistgesuchten Begriffe bei Google USA. Die Domain „kurtgreenbaumisapussy.com“ ist mittlerweile auch vergeben.

Greenbaum selbst zeigt sich unbeeindruckt von der Aufregung. Er sagt: „Ich zensiere niemanden, jeder kann denken, was er will. Ich dachte einfach, die Schule würde gern von dem Vorfall erfahren. Es hätte ja auch ein Schüler sein können. Ich kann nachts jedenfalls gut schlafen.“

Ob das auch für den Ex-Schulangestellten gilt, ist offen, sein Name ist unbekannt. Die Geschichte erinnert jedenfalls daran, dass niemand im Netz anonym ist.

Warum fallen mir nun die drei Affen ein?


behütet und beschützt…

25. November 2009

Bewacht wie von Cerberus wird dieser Blog durch Askimet

Keine Viagrawerbung entgeht ihm, in welchem Gewand auch immer sie sich in die Kommentare zum Mittelalter schleichen möchte, kein dubioses Angebot für personifizierte Wordprogramme, die für ihren Kommentar die Katzenhilfe bevorzugen, keine pornografische Homepage die man durch gedankenarme Kommentare zu den Gedichten der Woche zu verbreiten gedenkt.
Gerade lese ich :

Akismet hat Ihre Seite vor 444 Spam-Kommentaren geschützt.

Wenn man bedenkt, dass der Blog gerade ein Jahr alt ist, sind das eineinviertel Spambeiträge pro Tag. Xvdlkkeoe , bldfpwefof ,welornmrit oder welche Nicknamen ihr Euch so ertastet habt, nutzt doch Eure Zeit für etwas Besseres,  für sinnvolles,  jede verkappte Werbeaktion ist vergeudete Lebenszeit, denn Askimet wacht.


fatale Fehlentscheidung…

23. November 2009

die ein Krokodil am Serengeti-Fluss in Afrika traf, als es eine Nilpferdherde als Brücke nutzte

der Spaziergang endete tödlich, wie yahoo berichtete

Mir tut das leid, ich entscheide mich auch nicht immer richtig…


zur Beatles-Nacht in Schwedt gelesen…

22. November 2009

Am 21.11.2009 18 Uhr

Schwedt an der Oder
Filmforum – Filmvorführung „ Across the Universe“  (ca. 90 min Film).
Anschließend lesen die Autoren Elke Schleich, Holger Dittmann, Andrea Noak und Bettina Buske  aus dem Buch Yeahsterday und „october afternoon“ spielt  Livemusik
das wird eine Spitzenveranstaltung werden – für jeden der die Zeit bewußt erlebt hat und für jeden, der eine Meinung zur Beatlesmusik hat – ein MUSS

http://www.filmforum-schwedt.de/index.php?idm=35&sub=4&s=de

So, nun ist auch diese Veranstaltung vorbei…

ich schreib da gar nicht viel, ich zeig nur ein paar Bilder


langsam füllte sich das Kino für den Film zu einem Drittel

der Film ist wirklich sehenswert, der Zeitgeist wird gut interpretiert

nach einer Pause dann:


Gedankenreime über den Tod und das Danach

22. November 2009

Ich gehe dann in das Land, das ich schon immer sehen wollte?

Dass William Blake so sprach, in seiner letzten Stunde,
als er den Kelch des Lebens geleert hat bis zum Grunde,
das überzeugt mich schon; denn tief hat er erfahren,
die höchste Wirklichkeit ließ Hoffnung ihn bewahren.

Auch dachten andre so, die ihm im Wirken ähnlich.
Der Michelangelo schrieb seinen Freunden nämlich,
dass tot er nicht sei tot, nur tausche er die Räume,
Trost der Gedanke ist, den manchmal ich auch träume.

Nur ist mir nicht gegeben der tiefe Glaube an
ein Paradies der Seelen, darin man finden kann
die alle, die man liebte und schon verloren hat,
doch tief in meinem Herzen ist ihre Lagerstatt.

Ich werd dies eine Wissen erfahren zu der Stund,
wenn mir der letzter Atem wird strömen aus dem Mund.
Ob dann als warmer Wind nur oder bewusstes Sein
die Erde ich umkreise, bedürfnislos werd sein.

-Gemini-

Anna K. Tarot

Anna K. Tarot


erzählt für die Woche 47/2009

21. November 2009

Erschossen wie Robert Blum…


Diese Redewendung hört man noch heute, aber kaum jemanden ist bewußt, wer dieser Robert Blum eigentlich war. Hier Daten aus seiner Biografie:

Robert Blum wurde am 10. November 1807 in Köln als Sohn eines Böttchers geboren und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, denn sein Vater musste aus gesundheitlichen Gründen  sein Handwerk aufgeben.
Robert Blum konnte unentgeltlich die Jesuitenschule besuchen und kam danach bei verschiedenen Handwerksmeistern in die Lehre,bei erst bei einem Goldschmied, dann bei Gürtlern.
Er ging dann auf Wanderschaft und arbeitete in einer Straßenlaternenfabrik , dann wurde er in Köln Theaterdiener bei dem Schauspieldirektor Ringelhardt.
1830 übernahm Ringelhardt das Stadttheater in Leipzig und Blum begleitete ihn, wurde Theatersekretär, Bibilothekar und Kassenassistent.
1846 war er der erste Kassierer des Leipziger Stadttheaters. In diesem Jahr eröffnete er unter dem Namen Robert Blum & Co. eine Buchhandlung in Leipzig.

Inzwischen hatte er sich als politischer Schriftsteller schon einen Namen gemacht und trat als Redner auf politisch-liberalen Demonstrationen auf.
Als Gründer des Vaterlandsvereins, der auch in Zwickau eine Ortsgruppe besaß, zog er die Aufmerksamkeit der Zwickauer auf sich,  der Redner und Publizist Robert Blum wurde als Führer der liberalen Opposition in Sachsen angesehen.

Für den 19. März 1848 wurde Blum nach Zwickau gerufen. . um ihm das  Ehrenbürgerrecht zu verleihen.Bürgermeister Meyer und Stadtrat Breithaupt begrüßten Blum bei seiner Ankunft auf dem Bahnhof und überreichten ihm die Ernennung zum Ehrenbürger. Der Wortlaut des Diploms lautete:
„Dem Mann des Volkes, dem mutigen, unerschütterlichen Vorkämpfer kirchlicher und politischer Freiheit, den Erhalter der Ruhe in kummervoller Zeit, Robert Blum zu Leipzig, ernannten und ernennen Rat und Stadtverordnete von Zwickau kraft dieses zum Ehrenbürger ihrer Stadt. Zwickau, den 18. März 1848.“

Tausende Menschen aus Zwickau, Crimmitschau, Werdau, Glauchau, Lichtenstein und Waldenburg versammelten sich auf dem Kornmarkt, um Robert Blum reden zu hören. Damit ihn auch alle sehen konnten, stieg er ins erste Stockwerk und sprach dort vom Fenster aus „zu den Männern der Arbeit, den Männern mit und ohne Waffen“.
Er beendete seine Rede mit Grüßen des „Bienenvaters“ Karl Ernst Richter an seine Freunde in seinem lieben Zwickau, die dieser ihm brieflich aufgetragen hatte.

Robert Blum wurde auf dieser Versammlung als Abgeordneter Zwickaus in das Frankfurter Vorparlament gewählt. Er wurde zum Führer der Linken der Frankfurter Nationalversammlung. Am gleichen Abend sprach er noch einmal vor einer großen Menschenmenge im Saal des Gewandhauses.

Am 6. Oktober 1848 brach in Wien ein Volksaufstand aus, an dem sich Robert Blum beteiligt. Nach der Niederschlagung des Aufstandes wurde Robert Blum am 4. November verhaftet und von einem Kriegsgericht zum Tode verurteilt, trotz seiner Immunität als Abgeordneter. Am 9. November 1848 wurde er standesrechtlich erschossen. Seine letzten Worte waren:
„Ich sterbe für die deutsche Freiheit, für die ich gekämpft, möge das Vaterland meiner eingedenk sein.“

Die Nachricht von seiner Hinrichtung löste auch in Zwickau eine Welle der Empörung aus. In einer gemeinsamen Sitzung des Stadtrates und der Stadtverordneten wurde am 16. November beschlossen, ein Beileidsschreiben an die Witwe zu senden sowie für sie und ihre Kinder eine Spendenaktion durchzuführen und einen Beitrag aus der Stadtkasse zu gewähren. Stadtrat Breithaupt ließ dazu am 21. November im Zwickauer Wochenblatt einen Aufruf veröffentlichen. Am 27. Februar 1849 konnte der bei der Leipziger Bank ins Leben gerufenen Blumstiftung 22 Reichtaler und 6 Neugroschen überwiesen werden.

Die Totenfeier für Robert Blum fand am3. Dezember 1848 statt.
Unter Glockengeläut formierte sich ein großer Trauerzug vom Kornmarkt in die Marienkirche. Im Bewußtsein der Menschen ist er als Märtyrer für freiheitlich-demokratische Verhältnisse geblieben. Leider habe ich bisher nicht viel von seinem schriftstellerischem Schaffen gefunden…


Gedicht der Woche 47/2009

21. November 2009

Bürgerlied 1848

nach der Weise: Prinz Eugenius, edler Ritter zu singen

http://ingeb.org/Lieder/prinzeug.mid

1.
Ob wir rote, gelbe Kragen,
Helme oder Hüte tragen,
Stiefeln tragen oder Schuh:
Oder ob wir Röcke nähen
Und zu Schuhen Drähte drehen:
Das thut, das thut nichts dazu.

2.
Ob wir können präsidiren,
Oder müssen Akten schmieren
Ohne Rast und ohne Ruh;
Ob wir just Collegia lesen,
Oder aber binden Besen:
Das thut, das thut nichts dazu.

3.
Ob wir stolz zu Rosse reiten,
Oder ob zu Fuß wir schreiten
Fürbaß unserm Ziele zu;
Ob uns vorne Kreuze schmücken
Oder Kreuze hinten drücken:
Das thut, das thut nichts dazu.

4.
Aber ob wir Neues bauen,
Oder Altes nur verdauen,
Wie das Gras verdaut die Kuh;
Ob wir für die Welt was schaffen,
Oder nur die Welt begaffen:
Das thut, das thut was dazu.

5.
Ob im Kopfe etwas Grütze
Und im Herzen Licht und Hitze,
Daß es brennt in einem Nu;
Oder ob wir hinter Mauern
Stets im Dunkel träge kauern:
Das thut, das thut was dazu.

6.
Ob wir rüstig und geschäftig,
Wo es gilt zu wirken kräftig,
Immer tapfer greifen zu;
Oder ob wir schläfrig denken:
„Gott wird’s schon im Schlafe schenken!“
Das thut, das thut was dazu.

7.
Drum ihr Bürger, drum ihr Brüder,
Alle eines Bundes Glieder,
Was auch jeder von uns thu’ -
Alle die dies Lied gesungen,
So die Alten wie die Jungen,
Thun wir, thun wir denn dazu!

das oben vorgestellte Lied hat seinen Ursprung im

Bürgerlied 1845

Text: Adalbert Harnisch (1815–1889)

(Für den Elbinger Bürgerverein geschrieben.)

1.
Ob wir rothe, gelbe Kragen,
Hüte oder Helme tragen,
Stiefeln oder Schuh’;
Oder, ob wir Röcke nähen,
Und zu Schuh’n die Fäden drehen –
Das thut nichts dazu.

2.
Ob wir können decretiren,
Oder müssen Bogen schmieren
Ohne Rast und Ruh;
Ob wir just Collegia lesen,
Oder ob wir binden Besen –
Das thut nichts dazu.

3.
Ob wir stolz zu Rosse reiten,
Ob zu Fuß wir fürbaß schreiten
Unsrem Ziele zu;
Ob uns vorne Kreuze schmücken,
Oder Kreuze hinten drücken –
Das thut nichts dazu.

4.
Aber, ob wir Neues bauen,
Oder’s Alte nur verdauen
Wie das Gras die Kuh –
Ob wir für die Welt was schaffen,
Oder nur die Welt begaffen –
Das thut was dazu.

5.
Ob im Kopf ist etwas Grütze
Und im Herzen Licht und Hitze,
Daß es brennt im Nu;
Oder, ob wir friedlich kauern,
Und versauern und verbauern –
Das thut was dazu.

6.
Ob wir, wo es gilt, geschäftig
Großes, Edles wirken, kräftig
Immer greifen zu; |
Oder ob wir schläfrig denken:
Gott wird’s schon im Schlafe schenken –
Das thut was dazu.

7.
Drum ihr Bürger, drum ihr Brüder,
Alle eines Bundes Glieder,
Was auch jeder thu’ –
Alle, die dies Lied gesungen
So die Alten wie die Jungen –
Thun wir denn dazu.

eine gute, wirklich informative Rezension findet man hier


heut ist mir genau so…

20. November 2009

ich hab irgendwie saumäßig schlechte Laune…

da hilft nur eine Portion EAV um alles wieder gerade zu rücken…

Ich bi-bin ein niemand – bi-bin ein Wicht
Bin einer der stets kroch
Bin zuhaus wo’s nach Zwergen riecht
Bi-bin das letzte Loch

Ich kann nackt am Hauptplatz stehen
Im hellsten Sonnenschein
Trotzdem werd ich übersehen
Nach mir – da pfeift kein Schwein
Oiink – pfüüüüt

Doch einmal wird das anders sein
Dann kommt der großer Tag
Ich werd ein Bi-ba-bu-ba-böböser sein
So böbös – bubum – un zack

Einmal möchte ich ein Böser sein
Eine miese Sau
Einmal richtig hundsgemein
Für einen Tag genau
Einmal möchte ich ein Böser sein
Grausam und brutal
Und dann ziehe ich meine Spur
Durch dieses Jammertal

Ich stecke meinen Opapa ins Altersheim
Denn bei uns da fühlt er sich zu wohl
Statt Schnitzel gibt es nur mehr Haferschleim
Und Kamillentee statt Alkohol

Dann vergifte ich den Weihnachtsmann
Und das Osterhasi auch
Nur den Krampus rührt mir keiner an
Weil ich den als Vorbild brauch

Ich stecke meinen Hamster in das Tiefkühlfach
Und fahr ein eisiges Programm
Dort ist er dann drei Tage lang
Der Nager, der aus der Kälte kam

Ich wünsche der Menschheit einen Supergau
Dass die Erde auseinanderfällt
Und dann hau ich mir selber meine Augen blau,
Denn ich hasse mich und diese Welt

Einmal möchte ich ein Böser sein
Eine miese Sauuu!
Einmal richtig hundsgemein
Für einen Tag genau
Einmal möchte ich ein Böser sein
Grausam und brutal
Und dann ziehe ich meine Spur
Durch dieses Jammertal

Ich wünsche der Menschheit einen Supergau
Dass die Erde auseinanderfällt
Und dann hau ich mir selber meine Augen blau,
Denn ich hasse mich und diese Welt

Einmal möchte ich ein Böser sein
Eine miese Sau
Einmal richtig hundsgemein
Für einen Tag genau
Ich wär so gern ein bi ba böser Bub
Mein Platz war niemals vorn
Doch vielleicht werde ich im nächsten Leben dann
Als Bösewicht geboren

Text © Erste Allgemeine Verunsicherung, 1994


das Vermächtnis einer großen Märchenerzählerin

17. November 2009

Vor 102 Jahren wurde Astrid Lindgren  an einem 14. November geboren. 102 Jahre, da ist den Medienmachern die Gedenkfeier zum 100. Geburtstag noch so in Erinnerung, dass sie fast kein Wort über die große, weise Dame fallen lassen wollen.

Mache ich es eben und empfehle dabei gleich als Novemberlektüre:
Die Brüder Löwenherz,

ein wundervolles Buch, dass Kindern und Erwachsenen hilft, sich mit dem Novemberthema Leben und Sterben auseinanderzusetzen.

ist ein Ausschnitt aus dem Orginal-Film , zeige ich gleich den schönen Klang der schwedischen Sprache

Was vielen nicht so ins Bewusstsein drang, ist Astrids Lindgrens beeindruckende Rede „Niemals Gewalt“, welche den Veranstaltern, dem Förderverein des deutschen Buchhandels, gar nicht Recht war, denn 1978 gab es noch ein gesetzliches Elternrecht auf körperliche Züchtigung und das wurde von den Leuten für gut befunden, Astrid Lindgren konnte ihr Rede aber durch die Ankündigung, sonst der Preisverleihung fernzubleiben, durchsetzen. Und sie hat einen Anstoß gegeben,  im November 2000 wurde  in Deutschland  das Gesetz zur Ächtung von Gewalt in der Erziehung eingeführt, der das elterliche „Prügelrecht“ abgeschaffte. Seit dem gilt:

Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig.


Gedicht der Woche 46/2009

15. November 2009

Wilhelm Hauff

Bin einmal ein Narr gewesen…


Bin einmal ein Narr gewesen,
Hab geträumet, kurz doch schwer;
Wollt in schönen Augen lesen,
Daß von Lieb was drinnen wär.

 

Selig von der Vahr bis Bremen
Schwatzt ich zu der Holden mein;
Muß mich wahrlich heut noch schämen,
Daß ich solch ein Narr konnt sein.

Und die Glut, die in mir brannte,
Barg ich unter heitrem Scherz.
Von dem lieben Schwabenlande
Sprach ich zu dem kalten Herz.

Wollte sie zur Heimat locken,
Wollte alles ihr gestehn,
Doch sie sprach ganz kalt vom Brocken,
Dort sei alles gar zu schön.

Meine Lieb, mein Herz, mein Schwaben
Sind für dich zu eng, zu klein,
Größer willst du alles haben,
Nun so mag dein Harz dich freun!

Fahre wohl, du kaltes Wesen,
Freier blick ich um mich her,
Bin einmal ein Narr gewesen,
Hab geträumet kurz, doch schwer.

 

cups08

Acht Kelche des Anna K. Tarot


für die Woche 46/2009 erzählt

15. November 2009

Theodor Storm

Der kleine Häwelmann

Es war einmal ein kleiner Junge, der hieß Häwelmann. Des nachts schlief er in einem Rollenbett und auch des nachmittags, wenn er müde war; wenn er aber nicht müde war, so mußte seine Mutter ihn darin in der Stube umherfahren, und davon konnte er nie genug bekommen.

Nun lag der kleine Häwelmann eines nachts in seinem Rollenbett und konnte nicht einschlafen; die Mutter aber schlief schon lange neben ihm in ihrem großen Himmelbett. „Mutter“, rief der kleine Häwelmann, „ich will fahren!“ Und die Mutter langte im Schlaf mit dem Arm aus dem Bett und rollte die kleine Bettstelle hin und her, und wenn ihr der Arm müde werden wollte, so rief der kleine Häwelmann: „Mehr, mehr!“ und dann ging das Rollen wieder von vorne an. Endlich aber schlief sie gänzlich ein; und so viel Häwelmann auch schreien mochte, sie hörte es nicht; es war rein vorbei.

Da dauerte es nicht lange, so sah der Mond in die Fensterscheiben, der gute alte Mond, und was er da sah, war so possierlich, daß er sich erst mit seinem Pelzärmel über das Gesicht fuhr, um sich die Augen auszuwischen; so etwas hatte der alte Mond all sein Lebtag nicht gesehen. Da lag der kleine Häwelmann mit offenen Augen in seinem Rollenbett und hielt das eine Beinchen wie einen Mastbaum in die Höhe. Sein kleines Hemd hatte er ausgezogen und hing es wie ein Segel an seiner kleinen Zehe auf; dann nahm er ein Hemdzipfelchen in jede Hand und fing mit beiden Backen an zu blasen. Und allmählich, leise, leise, fing es an zu rollen, über den Fußboden, dann die Wand hinauf, dann kopfüber die Decke entlang und dann die andere Wand wieder hinunter. „Mehr, mehr!“ schrie Häwelmann, als er wieder auf dem Boden war; und dann blies er wieder seine Backen auf, und dann ging es wieder kopfüber und kopfunter. Es war ein großes Glück für den kleinen Häwelmann, daß es gerade Nacht war und die Erde auf dem Kopf stand; sonst hätte er doch gar zu leicht den Hals brechen können.

Als er drei Mal die Reise gemacht hatte, guckte der Mond ihm plötzlich ins Gesicht. „Junge“, sagte er, „hast du noch nicht genug?“

„Nein“, schrie Häwelmann, „mehr, mehr! Mach mir die Tür auf! Ich will durch die Stadt fahren; alle Menschen sollen mich fahren sehen.“

„Das kann ich nicht“, sagte der gute Mond; aber er ließ einen langen Strahl durch das Schlüsselloch fallen; und darauf fuhr der kleine Häwelmann zum Haus hinaus.

Auf der Straße war es ganz still und einsam. Die hohen Häuser standen im hellen Mondschein und glotzten mit ihren schwarzen Fenstern recht dumm in die Stadt hinaus; aber die Menschen waren nirgends zu sehen. Es rasselte recht, als der kleine Häwelmann in seinem Rollenbette über das Straßenpflaster fuhr; und der gute Mond ging immer neben ihm und leuchtete. So fuhren sie Straßen aus, Straßen ein; aber die Menschen waren nirgends zu sehen. Als sie bei der Kirche vorbei kamen, da krähte auf einmal der große goldene Hahn auf dem Glockenturm. Sie hielten still. „Was machst du da?“ rief der kleine Häwelmann hinauf.

„Ich krähe zum ersten Mal!“ rief der goldene Hahn herunter.

„Wo sind denn die Menschen?“ rief der kleine Häwelmann hinauf.

„Die schlafen“, rief der goldene Hahn herunter, „wenn ich zum dritten Mal krähe, dann wacht der erste Mensch auf.“

„Das dauert mir zu lange“, sagte Häwelmann, „ich will in den Wald fahren, alle Tiere sollen mich fahren sehen!“

„Junge“, sagte der gute alte Mond, „hast du noch nicht genug?“

„Nein“, schrie Häwelmann, „mehr, mehr! Leuchte, alter Mond, leuchte!“ Und damit blies er die Backen auf, und der gute alte Mond leuchtete, und so fuhren sie zum Stadttor hinaus und übers Feld und in den dunkeln Wald hinein. Der gute Mond hatte große Mühe, zwischen den vielen Bäumen durchzukommen; mitunter war er ein ganzes Stück zurück, aber er holte den kleinen Häwelmann doch immer wieder ein.

Im Walde war es still und einsam; die Tiere waren nicht zu sehen; weder die Hirsche noch die Hasen, auch nicht die kleinen Mäuse. So fuhren sie immer weiter, durch Tannenund Buchenwälder, bergauf und bergab. Der gute Mond ging nebenher und leuchtete in alle Büsche; aber die Tiere waren nicht zu sehen; nur eine kleine Katze saß oben in einem Eichbaum und funkelte mit den Augen. Da hielten sie still. „Das ist der kleine Hinze! “ sagte Häwelmann, „ich kenne ihn wohl; er will die Sterne nachmachen.“ Und als sie weiter fuhren, sprang die kleine Katze mit von Baum zu Baum. „Was machst du da?“ rief der kleine Häwelmann hinauf.

„Ich illuminiere!“ rief die kleine Katze herunter.

„Wo sind denn die andem Tiere?“ rief der kleine Häwelmann hinauf.

„Die schlafen!“ rief die kleine Katze herunter und sprang wieder einen Baum weiter, „horch nur, wie sie schnarchen!“

„Junge“, sagte der gute alte Mond, „hast du noch nicht genug?“

www.puppentheater-berlin.de

„Nein“, schrie Häwelmann, „mehr, mehr! Leuchte, alter Mond, leuchte!“ und dann blies er die Backen auf, und der gute alte Mond leuchtete; und so fuhren sie zum Walde hinaus und dann über die Heide bis ans Ende der Welt, und dann gerade in den Himmel hinein.

Hier war es lustig; alle Sterne waren wach und hatten die Augen auf und funkelten, daß der ganze Himmel blitzte. „Platz da!“ schrie Häwelmann und fuhr in den hellen Haufen hinein, daß die Sterne links und rechts vor Angst vom Himmel fielen.

„Junge“, sagte der gute alte Mond, „hast du noch nicht genug?“

„Nein!“ schrie der kleine Häwehnann, „mehr, mehr!“ und – hast du nicht gesehen! fuhr er dem alten guten Mond quer über die Nase, daß er ganz dunkelbraun im Gesicht wurde. „Pfui!“ sagte der Mond und nieste drei Mal, „alles mit Maßen!“ und damit putzte er seine Laterne aus, und alle Steme machten die Augen zu. Da wurde es im ganzen Himmel auf einmal so dunkel, daß man es ordentlich mit Händen greifen konnte. „Leuchte, alter Mond, leuchtet“ schrie Häwelmann, aber der Mond war nirgends zu sehen und auch die Sterne nicht; sie waren schon alle zu Bett gegangen. Da fürchtete der kleine Häwelmann sich sehr, weil er so allein im Himmel war. Er nahm seine Hemdzipfelchen in die Hände und blies die Backen auf; aber er wußte weder aus noch ein, er fuhr kreuz und quer, hin und her, und niemand sah in fahren, weder die Menschen noch die Tiere, noch auch die lieben Sterne. Da guckte endlich unten, ganz unten am Himmelsrande ein rotes rundes Gesicht zu ihm herauf, und der kleine Häwelmann meinte, der Mond sei wieder aufgegangen. „Leuchte, alter Mond, leuchte!“ rief er, und dann blies er wieder die Backen auf und fuhr quer durch den ganzen Himmel und gerade darauf los. Es war aber die Sonne, die geradeaus dem Meere heraufkam. „Junge“, rief sie und sah ihm mit ihren glühenden Augen ins Gesicht, „was machst du hier in meinem Himmel?“ Und – eins, zwei, drei! nahm sie den kleinen Häwelmann und warf ihn mitten in das große Wasser. Da konnte er schwimmen lernen.

Und dann?

Ja und dann? Weißt du nicht mehr? Wenn ich und du nicht gekommen wären und den kleinen Häwelmann in unser Boot genommen hätten, so hätte er doch leicht ertrinken können