laut und leise literatur lesen

die Rezi-Tante zeigt Erlebtes und Erdichtetes, Geschichten und Geschichte


Ein Kommentar

Gedichte für Kinder und Kindgebliebende


Ist geschenkt…

Als Raupe zeigte er schon viel
von seinen schönen Farben,
die in ihrem Zusammenspiel
viel Sympathie erwarben.
Es waren Streifen, schwarzgrünweiß,
mit orange gefärbten Tupfen.
Nie fraß er von dem Edelweiß,
das Möhrenkraut wollte er rupfen.
Und ab und an noch Petersilie
und Maggikraut ein wenig noch,
doch nie nagte er an der Lilie…
Tief im Konkon er sich verkroch,
darin den Winter er verbracht,
sich neu sortiert, wie man das nennt.
Dem Konkon ist er, abgeflacht
im Lenz entschlüpft und man erkennt,
es ist der schöne Schwalbenschwanz,
der durch unsere Gärten nun flattert,
der uns  entzückt mit luftigem Tanz,
und keiner fragt, ob er je Möhren ergattert.

-Gemini-

schwalbschwraupe


Hinterlasse einen Kommentar

Der Mittelaltermann


War gestern zu einer Autorenlesung im Cafe Sibylle.

Vorgestellt wurde, anlässlich der am nächsten Wochenende stattfindenen Berliner Biermeile, das Buch “Der Mittelaltermann”.

DSCF0805

Der Autor, Klaus Fischer, brachte sich zur Verstärkung Eberhard Schollmeier mit, den Meier von der Scholle, welcher als Gambrinus alljährlich die Berliner Biermeile besucht und u.a. Mittelalterbiere präsentiert.
Im Cafe Sibylle aber lieh er dem Autor seine Stimme und las eine gute Stunde bei einem Glas Wasser für uns Episoden aus dem Leben des Mittelaltermannes Urian.
Eine starke Leistung, besonders wenn man bedenkt, dass es in den Texten überwiegend um Bier geht…
Also ich habe meine Getränkewahl beim Hören dann irgendwie bereut, mir war meine gute Weinschorle dann doch nicht das, was mir ein Bier gewesen wäre.
Kräftig deftige Ohren-Kost kann ein Bier gut vertragen.

Das Buch erinnert mich durch die Art, wie es erzählt, ein wenig an Christian Reuters  Schelmuffskis Abenteuer zu Lande und zu Wasser…. oder wie der Titel da nun genau geht, es ist ebenso unterhaltsam, humorvoll und zeiterklärend. Der Hinweis, dieses Buch sollte nur Erwachsenen unter die Augen kommen hat, nebenbei bemerkt, durchaus Berechtigung.

Der Verlag stellt das Buch folgenderweise vor:

Freihändig bei vollem Geiste mithilfe allerhand geleerter Humpen aufgeschrieben un hinterlassen.

Eine literarische Eulenspiegelei …
Urians leutlich Erlebtes rund um Jenas Schnapphans.
Unglaubliche Schilderungen aus alten mitteldeutschen Zeiten: derbdrollig, sittsam, offen – wahrhaftig und ehrlich wie gesponnen und geflunkert. Reich bebildert und mit sachlichem Anhang für Einheimische wie Touristen.

Achtung! Dieses Buch sollte nur Erwachsenen unter die Augen kommen.

Erzählt wird also von einem Manne des Mittelalters, der geheißen ward URIAN. Doch, obwohl sich dieser Name vom Teufel herschreibt, ist unser Bursche ein Gutmensch gewesen, dessen erstaunlicher Lebenslauf voller Derbdrolligem nun allhiero ausgebreitet wird. Manches ist verwirrend, ohnglaublich und auch mal unbegreiflich und kaum stimmig, aber, es war wohl so gewesen. Und es ist von mir, der auch nicht alles verstanden hat, so in gefälliger Form wiedergegeben worden, wie es Urian am Ende seines Hierseins eigenhändig ursprünglich aufgeschrieben hatt. Niemand seines Umfeldes wußte in jener Zeit von Urianen alles. Die Leute behausten gemarkig ihre Schollen im Saale-Tal oder Häuser in den verwinkelten Gassen, jeder kümmerte sich meistens um sich und die Seinen. Genaues kannt selten wer, geschweige ahnte man, was der Urian alles sehen, hören, schmecken, riechen und fühlen hat gemußt. Und er selbst wußt ja auch nicht, was kommen und ihm widerfahren würde. Ab- und aufgeschrieben werden soll das also nune gleich, abschöpfend Urians ureigenster schriftlichen Aussagen, die enthüllen, welch wohlgelittener Bürger, Familienmensch, item auch Einsambold, er einst gewesen – seinerzeit im alten Doringen = heutigentags freies Thüringen! Die Mär kündet von einem, der vieles war und sein Lebtag Erlebnisse anhäufelte, die wohl kaum einem anderen Manne vor und nach ihm begegneten. Nichts menschliches, auch nichts unmenschliches, blieb ihm fremd. Alles wurzelt hierzulande im Dasein. Was ihn umgab und lenkte, waren die Wohllust und -last – meistens der anderen. Umher verdampften auf den Wirtshaus-Tischen Pfützen von Bier, Wein und Schnappiß, geschwängert von Braten-Glut und Pfeifen-Qualm. Aus den unteren Gefilden stieg Stank auf, vermischt mit Lenden-Dämpfen. Es war halt der Leibs-Dunst des Mittelalters, der noch viel mehr in seinen Falten und Runzeln hatte. Das Geschnäuf seiner Zeit waberte um Urahn Urian. In all diesen Läufften mußte er sich allweil zurechte finden.

268 S., geb., 39 s/w. Abb., 36 farbige Abb.
Titelgrafiken von Peter Muzenieck

ISBN 978-3-939465-45-4

Mittelaltermann CoverWeb

mein Herr Gatte wird es übrigens zum Geburtstag bekommen, sogar mit einer persönlichen Widmung vom Autor und einer Unterschrift von Gambrinius  aufgehübscht – übrigens auch immer ein guter Grund, eine Autorenlesung zu besuchen, man kann sein Geschenk besonders machen lassen und den Autor freuts auch




2 Kommentare

wo ich wohne – Gedichte und Bilder


Der Kinderspielplatz

Der Kinderspielplatz hinter meiner Straße
ist eingefriedet mit einem Gitterzaun.
Ein paar Bänke stehen da und Abfalleimer.
Im Buddelkasten gelber Kies,
vor ewigen Zeiten ausgetauscht,
ein buntes Klettergerüst aus Plast in seiner Mitte.
Die Spielwiese , der guten Ordnung halber,
stets kurz gemäht. Zwischen Gitterzaun
und Bürgersteig,wo kein Mäher sie erreicht
heckten  weiße und blaue Wiesenblumen.

Berlin-olymp 022


2 Kommentare

Zwei Seiten meiner Straße


Zwei Seiten meiner Straße

Die Straße, wo ich wohne,
ist von dreispurigen Fahrbahnen geteilt,
und einem Streifen Grün.
Zwei Seiten hat sie,
eine so hell, die andre beschattet.
In der Wirklichkeit
wie in der Geschichte.

Fünffache Normsteigerung und
unverbessert das Dasein,
wen wollte man so überzeugen?
Fünfundfünfzig starben deshalb.
Geblieben ist die Erinnerung
an verschiedene Hoffnung
– schiefe Fußböden auch.

In der Straße, wo ich wohne,
stehen nur weiße  Häuser.
Die leuchten am Tage,
erhellen die Nacht
und spiegeln die blutrote Sonne.
Als Kind lebte ich auf der hellen Seite,
doch hab ich die Seite gewechselt.
Jetzt seh ich das Helle besser.

© Bettina Buske

Berlinmorgen 014

Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 26 Followern an