laut und leise literatur lesen

die Rezi-Tante zeigt Erlebtes und Erdichtetes, Geschichten und Geschichte


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Frühling wirds, die Vögel singen und so …


Lob des Frühlings

Saatengrün, Veilchenduft,
Lerchenwirbel, Amselschlag,
Sonnenregen, linde Luft!
Wenn ich solche Worte singe,
braucht es dann noch große Dinge,
Dich zu preisen, Frühlingstag!

Ludwig Uhland, 1787-1847


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Gedicht der Woche 13/2009


Sieben Septillionen Jahre…

Arno Holz (1863-1929)

Sieben Septillionen Jahre
zählte ich die Meilensteine am Rande der Milchstraße.

Sie endeten nicht.

Myriaden Äonen
versank ich in die Wunder eines einzigen Tautröpfchens.

Es erschlossen sich immer neue.

Mein Herz erzitterte!

Selig ins Moos
streckte ich mich und wurde Erde.

Jetzt ranken Brombeeren
über mir,
auf einem sich wiegenden Schlehdornzweig
zwitschert ein Rotkehlchen.

Aus meiner Brust
springt fröhlich ein Quell,
aus meinem Schädel
wachsen Blumen.

waldundblumen


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für die Woche 13/2009 erzählt


Baum

Brief von Matthias Claudius an seinen Sohn Johannes

An meinen Sohn Johannes, 1799

Gold und Silber habe ich nicht;
was ich aber habe, gebe ich dir.

Lieber Johannes!

Die Zeit kömmt allgemach heran, dass ich den Weg gehen muss, den man nicht wieder kömmt. Ich kann dich nicht mitnehmen und lasse dich in einer Welt zurück, wo guter Rat nicht überflüssig ist.

Niemand ist weise von Mutterleibe an; Zeit und Erfahrung lehren hier und fegen die Tenne.

Ich habe die Welt länger gesehen als du.

Es ist nicht alles Gold, lieber Sohn, was glänzet, und ich habe manchen Stern vorn Himmel fallen und manchen Stab, auf den man sich verließ, brechen sehen.

Darum will ich dir einigen Rat geben und dir sagen, was ich funden habe und was die Zeit mich gelehret hat.

Es ist nichts groß, was nicht gut ist; und nichts wahr, was nicht bestehet.

Der Mensch ist hier nicht zu Hause, und er geht hier nicht ‚von ungefähr in dem schlechten Rock umher. Denn siehe nur, alle andre Dinge hier mit und neben ihm sind und gehen dahin, ohne es zu wissen; der Mensch ist sich bewusst und wie eine hohe bleibende Wand, an der die Schatten vorüber gehen. Alle Dinge mit und neben ihm gehen dahin, einer fremden Willkür und Macht unterworfen, er ist sich selbst anvertraut und trägt sein Leben in seiner Hand.

Und es ist nicht für ihn gleichgültig, ob er rechts oder links gehe.

Lass dir nicht weismachen, dass er sich raten könne und selbst seinen Weg wisse.

Diese Welt ist für ihn zu wenig, und die unsichtbare siehet er nicht und kennet sie nicht.

Spare dir denn vergebliche Mühe, und dir kein Leid, und besinne dich dein.

Halte dich zu gut, Böses zu tun.

Hänge dein Herz an kein vergänglich Ding.

Die Wahrheit richtet sich nicht nach uns, lieber Sohn, sondern wir müssen uns nach ihr richten.

Was du sehen kannst, das siehe, und brauche deine Augen, und über das Unsichtbare und Ewige halte dich an Gottes Wort.

Bleibe der Religion deiner Väter getreu und hasse die theologischen Kannengießer.

Scheue niemand so viel als dich selbst. Inwendig in uns wohnet der Richter, der nicht trügt, und an dessen Stimme uns mehr gelegen ist als an dem Beifall der. ganzen Welt und der Weisheit der Griechen und Ägypter. Nimm es dir vor, Sohn, nicht wider seine Stimme zu tun; und was du sinnest und vorhast, schlage zuvor an deine Stirne und frage ihn um Rat. Er spricht anfangs nur leise und stammelt wie ein unschuldiges Kind doch wenn du seine Unschuld ehrst, löset er gemach seine Zunge und wird dir vernehmlicher sprechen.

Lerne gerne von andern, und wo von Weisheit, Menschenglück, Licht, Freiheit, Tugend etc. geredet wird, da höre fleißig zu. Doch traue nicht flugs und allerdings, denn die Wolken haben nicht alle Wasser, und es gibt mancherlei Weise. Sie meinen auch, dass sie die Sache hätten, wenn sie davon reden können und davon reden. Das ist aber nicht, Sohn. Man hat darum die Sache nicht, dass man davon reden kann und davon redet. Worte sind nur Worte, und wo sie so gar leicht und behände dahin fahren, da sei auf deiner Hut, denn die Pferde, die den Wagen mit Gütern hinter sich haben, gehen langsameren Schritts.

Erwarte nichts vom Treiben und den Treibern; und wo Geräusch auf der Gassen ist, da gehe fürbass.

Wenn dich jemand will Weisheit lehren, da siehe in sein Angesicht. Dünket er sich noch, und sei er noch so gelehrt und noch so berühmt, lass ihn und gehe seiner Kundschaft müßig. Was einer nicht hat, das kann er auch nicht geben. Und der ist nicht frei, der da will tun können, was er will, sondern der ist frei, der da wollen kann, was er tun soll. Und der ist nicht weise, der sich dünket, dass er wisse; sondern der ist weise, der seiner Unwissenheit inne geworden und durch die Sache des Dünkels genesen ist.

Was im Hirn ist, das ist im Hirn; und Existenz ist die erste aller Eigenschaften.

Wenn es dir um Weisheit zu tun ist, so suche sie und nicht das deine, und brich deinen Willen und erwarte geduldig die Folgen.

Denke oft an heilige Dinge und sei gewiss, dass es nicht ohne Vorteil für dich abgehe und der Sauerteig den ganzen Teig durchsäuere.

Verachte keine Religion, denn sie ist dem Geist gemeint, und du weißt nicht, was unter unansehnlichen Bildern verborgen sein könne.

Es ist leicht zu verachten, Sohn; und verstehen ist viel besser.

Lehre nicht andre, bis du selbst gelehrt bist.

Nimm dich der Wahrheit an, wenn du kannst und lass dich gerne ihretwegen hassen; doch wisse, dass deine Sache nicht die Sache der Wahrheit ist, und hüte, dass sie nicht ineinander fließen, sonst hast du deinen Lohn dahin. Tue das Gute vor dich hin, und bekümmre dich nicht, was daraus werden wird.

Wolle nur einerlei, und das wolle von Herzen.

Sorge für Deinen. Leib, doch nicht so, als wenn er deine Seele wäre.

Gehorche der Obrigkeit, und lass die andern über sie streiten.

Sei rechtschaffen gegen jedermann, doch vertraue dich schwerlich.

Mische dich nicht in fremde Dinge, aber die deinigen tue mit Fleiß.

Schmeichle niemand, und lass dir nicht schmeicheln. Ehre einen jeden nach seinem Stande, und lass ihn sich schämen, wenn er’s nicht verdient.

Werde niemand nichts schuldig; doch sei zuvorkommend, als ob sie alle deine Gläubiger wären.

Wolle nicht immer großmütig sein, aber gerecht sei immer.

Mache niemand graue Haare, doch wenn du Recht tust, hast du um die Haare nicht zu sorgen.

Misstraue der Gestikulation, und gebärde dich schlecht und recht.

Hilf und gib gerne, wenn du hast, und dünke dir darum nicht mehr; und wenn du nicht hast, so habe den Trunk kalten Wassers zur Hand, und dünke dir darum nicht weniger.

Tue keinem Mädchen Leides und denke, dass deine Mutter auch ein Mädchen gewesen ist.

Sage nicht alles, was du weißt, aber wisse immer, was du sagest.

Hänge dich an keinen Großen.

Sitze nicht, wo die Spötter sitzen, denn sie sind die elendesten unter allen Kreaturen.

Nicht die frömmelnden, aber die frommen Menschen achte und gehe ihnen nach. Ein Mensch, der wahre Gottesfurcht im Herzen hat, ist wie die Sonne, die da scheinet und wärmt, wenn sie auch nicht redet.

Tue was des Lohnes wert ist, und begehre keinen. Wenn du Not hast, so klage sie dir und keinem andern.

Habe immer etwas Gutes im Sinn.

Wenn ich gestorben bin, so drücke mir die Augen zu und beweine mich nicht.

Stehe deiner Mutter bei und ehre sie so lange sie lebt und begrabe sie neben mir.

Und sinne täglich nach über Tod und Leben, ob du es finden möchtest, und habe einen freudigen Mut; und gehe nicht aus der Welt, ohne deine Liebe und Ehrfurcht für den Stifter des Christentums durch irgendetwas öffentlich bezeuget zu haben.

Dein treuer Vater.



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Der Sonnengesang des Franz von Assisi



1. Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dein sind der Lobpreis, die Herrlichkeit und Ehre
und jeglicher Segen.
Dir allein, Höchster, gebühren sie,
und kein Mensch ist würdig, dich zu nennen.

2. Gelobt seist du, mein Herr,
mit allen deinen Geschöpfen,
zumal dem Herrn Bruder Sonne;
er ist der Tag, und du spendest uns das Licht durch ihn.
Und schön ist er und strahlend in großem Glanz,
dein Sinnbild, o Höchster.

3. Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Mond und die Sterne;
am Himmel hast du sie gebildet,
hell leuchtend und kostbar und schön.

4. Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Wind und durch Luft und Wolken
und heiteren Himmel und jegliches Wetter,
durch das du deinen Geschöpfen den Unterhalt gibst.

5. Gelobt seist du, mein Herr,
durch Schwester Wasser,
gar nützlich ist es und demütig und kostbar und keusch.

6. Gelobt seist du, mein Herr,
durch Bruder Feuer,
durch das du die Nacht erleuchtest;
und schön ist es und liebenswürdig und kraftvoll und stark.

7. Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, Mutter Erde,
die uns ernährt und lenkt
und vielfältige Früchte hervorbringt
und bunte Blumen und Kräuter.

8. Gelobt seist du, mein Herr,
durch jene, die verzeihen um deiner Liebe willen
und Krankheit ertragen und Drangsal.
Selig jene, die solches ertragen in Frieden,
denn von dir, Höchster, werden sie gekrönt werden.

9. Gelobt seist du, mein Herr,
durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein Mensch lebend entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun.

10. Lobt und preist meinen Herrn
und sagt ihm Dank und dient ihm mit großer Demut.


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Der Sonnengesang des Echnaton


Schön erscheinst du im Horizonte des Himmels, du lebendige Sonne, die das Leben bestimmt! Du bist aufgegangen im Osthorizont und hast jedes Land mit deiner Schönheit erfüllt.
Schön bist du, groß und strahlend, hoch über allem Land. Deine Strahlen umfassen die Länder bis ans Ende von allem, was du geschaffen hast.
Du bist Re, wenn du ihre Grenzen erreichst und sie niederbeugst für deinen geliebten Sohn.
Fern bist du , doch deine Strahlen sind auf Erden; du bist in ihrem Angesicht, doch unerforschlich ist dein Lauf.

Gehst du unter im Westhorizont, so ist die Welt in Finsternis, in der Verfassung des Todes.
Die Schläfer sind in der Kammer, verhüllten Hauptes, kein Auge sieht das andere.
Raubt man alle ihre Habe, die unter ihren Köpfen ist – sie merken es nicht.
Jedes Raubtier ist aus seiner Höhle gekommen, und alle Schlangen beißen.
Die Finsternis ist ein Grab, die Erde liegt erstarrt, ist doch ihr Schöpfer untergegangen in seinem Horizont.
Am Morgen aber bist du aufgegangen im Horizont und leuchtest als Sonne am Tage; du vertreibst die Finsternis und schenkst deine Strahlen.

Die Beiden Länder sind täglich im Fest, die Menschen sind erwacht und stehen auf den Füßen, du hast sie aufgerichtet. Rein ist ihr Leib, sie haben Kleider angelegt, und ihre Arme sind in Anbetung bei deinem Erscheinen, das ganze Land tut seine Arbeit.
Alles Vieh ist zufrieden mit seinem Kraut, Bäume und Kräuter grünen. Die Vögel sind aus ihren Nestern aufgeflogen, ihre Schwingen preisen deinen ka.
Alles Wild hüpft auf den Füßen, alles, was fliegt und flattert, lebt, wenn du für sie aufgegangen bist.
Die Lastschiffe fahren stromab und wieder stromauf, jeder Weg ist offen durch dein Erscheinen.
Die Fische im Strom springen vor deinem Angesicht, deine Strahlen sind im Inneren des Meeres.

Der du den Samen sich entwickeln läßt in den Frauen, der du »Wasser« zu Menschen machst, der du den Sohn am Leben erhältst im Leib seiner Mutter und ihn beruhigst, sodass seine Tränen versiegen – du Amme im Mutterleib! – der du Atem spendest, um alle Geschöpfe am Leben zu erhalten. Kommt (das Kind) aus dem Mutterleib heraus, um zu atmen am Tag seiner Geburt, dann öffnest du seinen Mund vollkommen und sorgst für seine Bedürfnisse.
Du Küken im Ei, das schon in der Schale redet – du gibst ihm Luft darinnen, um es zu beleben.
Du hast ihm seine Frist gesetzt, die Schale zu zerbrechen im Ei; es geht hervor aus dem Ei, um zu sprechen zu seiner Frist, es läuft schon auf den Füßen, wenn es herauskommt aus ihm.

Wie zahlreich sind deine Werke, die dem Angesicht verborgen sind, du einziger Gott, dessengleichen nicht ist!
Du hast die Erde geschaffen nach deinem Wunsch, ganz allein, mit Menschen, Vieh und allem Getier, mit allem was auf der Erde ist, was auf den Füßen herumläuft und allem, was in der Höhe ist und mit seinen Flügeln fliegt. Die Fremdländer von Syrien und Nubien, dazu das Land Ägypten – jeden stellst du an seinen Platz und sorgst für seine Bedürfnisse, ein jeder hat seine Nahrung, seine Lebenszeit ist bestimmt.
Die Zungen sind verschieden im Reden, ebenso ihre Wesenszüge; ihre Hautfarbe ist verschieden, denn du unterscheidest die Völker.
Du schaffst den Nil in der Unterwelt und bringst ihn herauf nach deinem Willen, die Menschen am Leben zu erhalten, da du sie geschaffen hast.
Du bist ihrer aller Herr, der sich abmüht an ihnen, du Herr aller Lande, der für sie aufgeht, du Sonne des Tages, gewaltig an Hoheit!
Selbst alle fernen Fremdländer erhältst du am Leben, hast du doch einen Nil an den Himmel gesetzt, dass er zu ihnen herabkomme und Wellen schlage auf den Bergen, wie das Meer, um ihre Felder zu befeuchten mit dem, was sie brauchen.
Wie wirksam sind deine Pläne, du Herr der Ewigkeit! Den Nil am Himmel, den gibst du den Fremdvölkern und allem Wild der Wüste, das auf Füßen läuft; aber der wahre Nil kommt aus der Unterwelt nach Ägypten.

Deine Strahlen säugen alle Felder – wenn du aufgehst, leben sie und wachsen für dich.
Du schaffst die Jahreszeiten, um alle deine Geschöpfe sich entwickeln zu lassen – den Winter, um sie zu kühlen, die Sommerglut, damit sie dich spüren.
Du hast den Himmel fern gemacht, um an ihm aufzugehen und alles zu schauen, was du geschaffen hast.
Einzig bist du, wenn du aufgegangen bist, in all deinen Erscheinungsformen als lebendiger Aton, der erscheint und erglänzt, sich entfernt und sich nähert; du schaffst Millionen von Gestalten aus dir allein – Städte, Dörfer und Äcker, Wege und Strom.
Alle Augen sehen sich dir gegenüber, wenn du als Sonne des Tages über dem Land bist.

Wenn du gegangen bist, dein Auge nicht mehr da ist, das du um ihretwillen geschaffen hast, damit du nicht dich selber siehst als Einziges, was du geschaffen hast – auch dann bleibst du in meinem Herzen, und kein anderer ist, der dich kennt, außer deinem Sohne Nefercheperure Uanre, den du dein Wesen und deine Macht erkennen läßt.
Die Welt entsteht auf deinen Wink, wie du sie geschaffen hast.
Bist du aufgegangen, so leben sie, gehst du unter, so sterben sie; du bist die Lebenszeit selbst, man lebt durch dich.
Die Augen ruhen auf Schönheit, bis du untergehst, alle Arbeit wird niedergelegt, wenn du untergehst im Westen.

Der Aufgehende stärkt alle Arme für den König, und Eile ist in jedem Fuß.
Seit du die Welt gegründet hast, erhebst du sie für deinen Sohn, der aus deinem Leib hervorgegangen ist, den König Beider Ägypten, Nefercheperure Uanre, den Sohn des Re, der von Maat lebt, den Herrn der Diademe, Echnaton, groß in seiner Lebenszeit, und die Große Königsgemahlin, die er liebt, die Herrin beider Länder, Nofretete, die lebendig und verjüngt ist für immer und ewig.

Erläuterungen zum Aton-Hymnus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Abschrift des Großen Sonnenhymnus

Aton-Hymnus, auch Großer Sonnengesang oder Großer Sonnenhymnus ist die Bezeichnung für einen altägyptischen Hymnus der
18. Dynastie aus der Zeit des Königs (Pharao) Echnaton
(um 1351–1334 v. Chr., Neues Reich).

Ursprung und Belege

Der Text entstand während der Regierungszeit des Echnaton um 1345 v. Chr. in Ägypten. Als sein Verfasser gilt Echnaton selbst. Der in Hieroglyphen geschriebene Text ist nur ein einziges Mal im Grab des Eje (Grab Nr. 25, Südgruppe) in Tell el-Amarna belegt, wo er mit 13 vertikalen Kolumnen fast die gesamte Fläche der rechten Wand des kurzen Eingangskorridors zum Grabinneren einnimmt.

Die Inschrift wurde um 1890 teilweise zerstört, ist jedoch als vollständige Abschrift von Urbain Bouriant aus den Jahren 1883/1884 erhalten, so dass der gesamte Hymnus übersetzt werden konnte.

Neben dem Großen Sonnenhymnus ist aus weiteren fünf Gräbern in Tell el-Amarna der sogenannte Kleine Sonnenhymnus bekannt. Dieser Text ist wesentlich kürzer als der des Großen Sonnengesangs. Bei drei Texten werden die Worte von Echnaton selbst gesprochen, bei den beiden anderen sprechen die Würdenträger in seinem Namen.

Inhalt

In der ersten Zeile des Sonnengesangs werden die beiden Namen des Gottes Aton, von König Echnaton und dessen Großer königlicher Gemahlin Nofretete genannt. Dieser Anbetung folgen die Worte er sagt (die sich auf Echnaton beziehen) und leiten den Hymnus ein.

Zentrales Thema ist die Einzigartigkeit und Singularität des Sonnengottes als Schöpfer und Erhalter der Welt und allen Lebens in all seiner Vielfalt. Aton ist der Herr aller Lande, der für sie aufgeht und selbst alle Fremdländer am Leben erhält, indem er einen Nil an den Himmel setzt und diesen zu den Menschen herabkommen lässt. Er ist dadurch nicht nur Gott über das Land Ägypten, sondern wird zum Gott aller Menschen. Darüber hinaus werden seine kosmischen Qualitäten als Himmelskörper und seine Königsqualitäten besonders gepriesen.

Interpretation

Hornung interpretiert den Text als frei von mythischen Vorstellungen: “Durch sein Licht erschafft er die Welt immer wieder neu. Er ist reine Gegenwart und bedarf keiner mythischen Vergangenheit mehr.”[3]
Im Zentrum des Hymnus steht die Schöpferkraft des Aton; er erschafft nicht nur die gesamte Welt, er ist zudem ein Gott, der sich selbst schuf: er baute sich selbst mit eigenen Händen.
Sämtliche Tiere, Pflanzen, Menschen, alles Leben wird von Aton geschaffen und jeden Tag erneuert. Die Nacht, in der Aton verborgen ist, wird mit düstere Symbolik umschrieben: Gehst Du unter im westlichen Lichtland, ist die Erde in Finsternis, in der Verfassung des Todes.[4] Die Bilder anderer Götter werden durch Bilder aus der realen Natur ersetzt und drücken, wie auch die Kunst der Amarna-Zeit, eine starke Naturverbundenheit aus:

Alles Vieh ist zufrieden mit seinem Kraut, Bäume und Kräuter grünen. Die Vögel sind aus ihren Nestern aufgeflogen, ihre Schwingen preisen deinen Ka. Alles Wild hüpft auf den Füßen, alles was fliegt und flattert, lebt, wenn du für sie aufgegangen bist.

In der Amarna-Theologie sind Sonnengott und König unmittelbar aufeinander bezogen, wobei die einzigartige Position des Sonnengottes am Himmel ihre Entsprechung in der exklusiven Position des Königs auf Erden findet. König Echnaton ist alleiniger Mittler zwischen Gott und Menschen, und ausschließlich ihm offenbarte sich der Gott:

[denn] kein anderer ist, der dich kennt, außer deinem Sohn Nefercheperure (Echnaton); du lässt ihn deine Absichten und deine Macht erkennen.[6]

Donald Redford versteht dieses naturverbundene Konzept jedoch nicht als positiv. “er [Aton] scheint keinerlei Mitgefühl mit seinen Geschöpfen zu haben. Er gibt ihnen das Leben und sorgt für ihren Unterhalt, aber in einer ziemlich mechanischen, interessenlosen Weise. In keinem Text ist zu lesen, dass er den Schrei den Armen hört, den Kranken hilft oder den Sündern vergibt.”

Die Mehrzahl der Forscher, auch wenn sie es unterschiedliche empfinden und interpretieren, sehen den Aton-Hymnus also als lebendiges Element Geschichte, dass einen unmittelbaren Einblick in die neue Theologie vermittelt. Dagegen wenden sich Reeves und Allen, die der Aton-Religion den Gehalt absprechen und sie nur als ein ungenügend ausgeformtes Instrument sehen, mit dem Echnaton sich aus der festgefügten Rolle lösen und Königtum neu definieren konnte: “Die inhaltliche Substanz des Hymnus ist zu dürftig, um darauf das Konzept einer neuen Religion zu errichten.” [8] Allen kommt zu dem Ergebnis – worin Reeves ihm zustimmt: “Der Gott von Echnatons Religion ist Echnaton selbst.”
Reeves weist darauf hin, dass einige Motive “in einem praktisch identischer Art verfaßten Hymnus an den Gott Amun (Papyrus Bulaq 17) aus der Vor-Amarna-Zeit vorkommen […]Wie haben wir solche Anleihen zu interpretieren?” Diese Frage beantwortet er folgendermaßen: “Wir können uns aber auch eines instinktiven Gefühls wohlkalkulierter Planung nicht erwehren, die vertraute Elemente in zynischer Weise miteinander kombiniert und mit einem bestimmten Ziel vor Augen neu verpackte. […] die Aton-Religion war in Wahrheit nichts anderes als ein pragmatisches Element der politischen Kontrolle.”

Bibelnähe

Schon bald nach seiner Erstpublikation 1884 wurde eine große inhaltliche Nähe des Aton-Hymnus zum Psalm 104 der Bibel festgestellt. Dies liegt jedoch vermutlich nicht an einer speziellen Beziehung zwischen Bibel und Aton-Religion – wie teilweise behauptet – sondern an der generellen Präsenz dieses Textes im Nahen Osten. Mit dem Sonnengesang des Franz von Assisi hat der Hymnus im weitesten Sinne nur den Lobpreis eines einzigen Schöpfergottes gemein – so jedenfalls auf wikipedia zu lesen. Nun kann man seit einiger Zeit Sendungen auf u.a. “Phönix” sehen, wo Experten doch den Zusammenhang beim Entstehen der mosaischen Religion festmachen – und somit zu Psalm 104, welcher in Übersetzung so geht:

Ein Loblied auf den Schöpfer

1 Lobe den Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, wie groß bist du! Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
2 Du hüllst dich in Licht wie in ein Kleid, du spannst den Himmel aus wie ein Zelt.
3 Du verankerst die Balken deiner Wohnung im Wasser. Du nimmst dir die Wolken zum Wagen, du fährst einher auf den Flügeln des Sturmes.
4 Du machst dir die Winde zu Boten und lodernde Feuer zu deinen Dienern.
5 Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet; in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken.
6 Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid, die Wasser standen über den Bergen.
7 Sie wichen vor deinem Drohen zurück, sie flohen vor der Stimme deines Donners.
8 Da erhoben sich Berge und senkten sich Täler an den Ort, den du für sie bestimmt hast.
9 Du hast den Wassern eine Grenze gesetzt, die dürfen sie nicht überschreiten; nie wieder sollen sie die Erde bedecken.
10 Du lässt die Quellen hervorsprudeln in den Tälern, sie eilen zwischen den Bergen dahin.
11 Allen Tieren des Feldes spenden sie Trank, die Wildesel stillen ihren Durst daraus.
12 An den Ufern wohnen die Vögel des Himmels, aus den Zweigen erklingt ihr Gesang.
13 Du tränkst die Berge aus deinen Kammern, aus deinen Wolken wird die Erde satt.1
14 Du lässt Gras wachsen für das Vieh, auch Pflanzen für den Menschen, die er anbaut, damit er Brot gewinnt von der Erde
15 und Wein, der das Herz des Menschen erfreut, damit sein Gesicht von Öl erglänzt und Brot das Menschenherz stärkt.
16 Die Bäume des Herrn trinken sich satt, die Zedern des Libanon, die er gepflanzt hat.
17 In ihnen bauen die Vögel ihr Nest, auf den Zypressen nistet der Storch.
18 Die hohen Berge gehören dem Steinbock, dem Klippdachs bieten die Felsen Zuflucht.
19 Du hast den Mond gemacht als Maß für die Zeiten, die Sonne weiß, wann sie untergeht.
20 Du sendest Finsternis und es wird Nacht, dann regen sich alle Tiere des Waldes.
21 Die jungen Löwen brüllen nach Beute, sie verlangen von Gott ihre Nahrung.
22 Strahlt die Sonne dann auf, so schleichen sie heim und lagern sich in ihren Verstecken.
23 Nun geht der Mensch hinaus an sein Tagwerk, an seine Arbeit bis zum Abend.
24 Herr, wie zahlreich sind deine Werke! Mit Weisheit hast du sie alle gemacht, die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
25 Da ist das Meer, so groß und weit, darin ein Gewimmel ohne Zahl: kleine und große Tiere.2
26 Dort ziehen die Schiffe dahin, auch der Leviátan, den du geformt hast, um mit ihm zu spielen.
27 Sie alle warten auf dich, dass du ihnen Speise gibst zur rechten Zeit.
28 Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein; öffnest du deine Hand, werden sie satt an Gutem.
29 Verbirgst du dein Gesicht, sind sie verstört; nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin und kehren zurück zum Staub der Erde.
30 Sendest du deinen Geist aus, so werden sie alle erschaffen und du erneuerst das Antlitz der Erde.
31 Ewig währe die Herrlichkeit des Herrn; der Herr freue sich seiner Werke.
32 Er blickt auf die Erde und sie erbebt; er rührt die Berge an und sie rauchen.
33 Ich will dem Herrn singen, solange ich lebe, will meinem Gott spielen, solange ich da bin.
34 Möge ihm mein Dichten gefallen. Ich will mich freuen am Herrn.
35 Doch die Sünder sollen von der Erde verschwinden und es sollen keine Frevler mehr da sein. Lobe den Herrn, meine Seele! Halleluja!
Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift
© 1980 Katholische Bibelanstalt, Stuttgart.
oder in der Luther-Übersetzung:

Psalm – Kapitel 104

Gottes Lob aus der Schöpfung

Lobe den HERRN, meine Seele! HERR, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt. Licht ist dein Kleid, das du anhast; du breitest aus den Himmel wie einen Teppich; Du wölbest es oben mit Wasser; du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen und gehst auf den Fittichen des Windes; der du machst Winde zu deinen Engeln und zu deinen Dienern Feuerflammen; der du das Erdreich gegründet hast auf seinem Boden, daß es bleibt immer und ewiglich. Mit der Tiefe deckst du es wie mit einem Kleide, und Wasser standen über den Bergen. Aber von deinem Schelten flohen sie, von deinem Donner fuhren sie dahin. Die Berge gingen hoch hervor, und die Täler setzten sich herunter zum Ort, den du ihnen gegründet hast. Du hast eine Grenze gesetzt, darüber kommen sie nicht und dürfen nicht wiederum das Erdreich bedecken.
10 Du läßt Brunnen quellen in den Gründen, daß die Wasser zwischen den Bergen hinfließen, 11 daß alle Tiere auf dem Felde trinken und das Wild seinen Durst lösche. 12 An denselben sitzen die Vögel des Himmels und singen unter den Zweigen. 13 Du feuchtest die Berge von obenher; du machst das Land voll Früchte, die du schaffest; 14 du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen, daß du Brot aus der Erde bringest, 15 und daß der Wein erfreue des Menschen Herz, daß seine Gestalt schön werde vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke;  16 daß die Bäume des HERRN voll Saft stehen, die Zedern Libanons, die er gepflanzt hat. 17 Daselbst nisten die Vögel, und die Reiher wohnen auf den Tannen. 18 Die hohen Berge sind der Gemsen Zuflucht, und die Steinklüfte der Kaninchen.
19 Du hast den Mond gemacht, das Jahr darnach zu teilen; die Sonne weiß ihren Niedergang.20 Du machst Finsternis, daß es Nacht wird; da regen sich alle wilden Tiere, 21 die jungen Löwen, die da brüllen nach dem Raub und ihre Speise suchen von Gott. 22 Wenn aber die Sonne aufgeht, heben sie sich davon und legen sich in ihre Höhlen. 23 So geht dann der Mensch aus an seine Arbeit und an sein Ackerwerk bis an den Abend.
24 HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weislich geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter. 25 Das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelt’s ohne Zahl, große und kleine Tiere. 26 Daselbst gehen die Schiffe; da sind Walfische, die du gemacht hast, daß sie darin spielen.
27 Es wartet alles auf dich, daß du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. 28 Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gut gesättigt. 29 Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; du nimmst weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder zu Staub. 30 Du lässest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und du erneuest die Gestalt der Erde.
31 Die Ehre des HERRN ist ewig; der HERR hat Wohlgefallen an seinen Werken. 32 Er schaut die Erde an, so bebt sie; er rührt die Berge an, so rauchen sie. 33 Ich will dem HERRN singen mein Leben lang und meinen Gott loben, solange ich bin. 34Meine Rede müsse ihm wohl gefallen. Ich freue mich des HERRN. 35 Der Sünder müsse ein Ende werden auf Erden, und die Gottlosen nicht mehr sein. Lobe den HERRN, meine Seele! Halleluja!


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Besuch im Berliner Tierheim


Am Freitag war ich nach langer Zeit wieder mal im Berliner Tierheim.

Wie das immer so ist, als Hundebesitzer – oder Hundebesetzter? – man kommt mit anderen Hundeleuten ins Gespräch und die werden zu lieben “Gassi”genossen.

Strolchi stammt auch aus diesem Tierheim

Strolchi stammt auch aus diesem Tierheim

So auch Frau Sch. mit ihrer alten Boxerhündin.

Nur hab ich die Beiden lange Zeit nicht gesehen, besimmt drei Monate lang und als ich  dann Frau Sch. traf, erzählte sie mir, dass sie ihrer Hündin , die das für einen Boxerhund schon stattliche  Alter von 12 Jahren überschritten hatte, doch die gefürchtete Spritze geben lassen musste.
Nun spiele sie mit dem Gedanken, einen ihrem Alter entsprechenden kleineren Hund aus dem Tierheim…

Ich sammel seit längerem Impressionen zu einem Krimi, in dem die Protagonistin auch einen Hund aus dem Tierheim holte – der ihr natürlich dann ganz wichtige Dienste leistet – adäquat meinem Strolchi.

Als ich den holte, war das Tierheim ganz neu und ich hatte jetzt kein Vertrauen an die Gültigkeit meiner Erinnerung daran. Da kam mir der Wunsch von Frau Sch. ganz recht und wir verabredeten uns zu einem Besuch im Tierheim.

Tierheim Berlin

Tierheim Berlin Katzenhaus

Das Tierheim wirkt in seiner Gestaltung sehr futuristisch, die Kombination Wasser , Beton und Glas lässt eigenartigerweise an einen ZEN-Garten erinnern.
Da es für Hunde in Tierheimen ein Problem ist, die Artgenossen zu hören aber nicht zu sehen und sie deshalb ständig bellen, hat man hier  ein eigenes Konzept in der Architektur umgesetzt.
Die einzelnen Häuser , drei an der Zahl, genannt Struppi-Haus, Lassi-Haus und Benji-Haus, sind rund.
So sehen sich die Hunde in ihren Käfigen mit Außenanlage und verhalten sich weit ruhiger.
Trotzdem hatte jeder Hund dort den Ach-bitte-nimm-mich-mit-ich- will-auch-immer-artig-sein-Blick; wirklich, jeder.

Auffällig war die große Anzahl von Hunden, die in die Kategorie Kampfhunde fallen. Und das waren ruhige, freundliche Hunde.

Tierheimzwinger

Tierheimzwinger

Berliner Tierheim

Berliner Tierheim

Berliner Tierheim

Berliner Tierheim

nimm mich doch mit

nimm mich doch mit

Tierheim Berlin

Tierheim Berlin

Tierheim Berlin

Tierheim Berlin

An diesem Tage hatte man für Frau Sch. leider nicht das Tier, das auf ihre Vorstellung passt.
Sie wünscht sich eine Hündin, etwa bis 5 kg, 2-4 Jahre alt.

Alles, was annähernd der gewünschten Größe entsprochen hätte, war männlich.

War schon schwer für sie,
an all den lieb guckenden Hunden vorbei zu gehen.
Aber die Vernunft war stärker,
sie muss den Hund in jeder Situation halten können,
sagt sie sich klugerweise.

Aber jeden Tag kommen neue Hunde, wurde ihr versichert.
Man hat sich ihre Wünsche notiert samt Telefonnummer  und auch, dass sie ab Mai auf dem Grundstück wohnt.

Ich habe ja das Gefühl, bald hier das neue Hundchen von Frau Sch. vorstellen zu können.

Die Pflegerinnen und Pfleger waren von ausnehmender Freundlichkeit und ich denke, diese nette freundliche ältere Dame mit Hundeerfahrung

wird von ihnen nicht vergessen werden.

Bleibt mir jetzt nur zu wünschen, dass all diese Schönen hier und all die anderen Hunde bald ein gutes Zuhause finden.

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In den hier hab ich mich ja etwas verguckt–>

Hoffentlich auch ganz bald andere Leute.

Katzenhaus

Katzenhaus

Glückskatze in der Außenanlage des Zwingers

Glückskatze in der Außenanlage des Zwingers

maerchenhuette-059


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Gedicht der Woche 12/2009


König Etzels Schwert

Conrad Ferdinand Meyer (1825-1898)

Der Kaiser spricht zu Ritter Hug:
“Du hast für mich dein Schwert verspellt,
Des Eisens ist bei mir genug,
Geh, wähl dir eins, das dir gefällt!”

Hug schreitet durch den Waffensaal,
Wo stets der graue Schaffner sitzt.
“Der Kaiser gibt mir freie Wahl
Aus allem, was da hangt und blitzt!”

Er prüft und wägt. Von ihrem Ort
Langt er die Schwerter mannigfalt-
“Sprich, wessen ist das große dort,
Gewaltig, heidnisch, ungestalt?”

“Des Würgers Etzel!” flüstert scheu
Der Graue, der es hält in Hut.
“Des Hunnenkönigs! Meiner Treu,
So lechzt und dürstet es nach Blut!”

“Laß ruhn. Es hat genug gewürgt!
Die tote Wut erwecke nicht!”
“Gib her! Dem ist der Sieg verbürgt,
Der mit dem Schwert des Hunnen ficht!”

Und wieder sprengt er in den Kampf.
“Du hast dich lange nicht geletzt,
Schwert Etzels, an des Blutes Dampf!
Drum freue dich und trinke jetzt!”

Er schwingt es weit, er mäht und mäht
Und Etzels Schwert, es schwelgt und trinkt,
Bis müd die Sonne niedergeht
Und hinter rote Wolken sinkt.

Als längst er schon im Mondlicht braust,
Wird ihm der Arm vom Schlagen matt,
Er frägt das Schwert in seiner Faust:
“Schwert Etzels, bist noch nicht du satt?

Laß ab! Heut ist genug getan!”
Doch weh, es weiß von keiner Rast,
Es hebt ein neues Morden an
Und trifft und frißt, was es erfaßt.

“Laß ab!” Es zuckt in grauser Lust,
Der Ritter stürzt mit seinem Pferd
Und jubelnd sticht ihn durch die Brust
Des Hunnen unersättlich Schwert.                          schwert

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