Siebente Geschichte
Was im Schloß der Schneekönigin geschehen war
und was dort später geschah
Die Wände des Schlosses waren aus treibendem Schnee und Fenster und Türen aus schneidenden Winden; es waren über hundert Säle darin, ganz wie sie der Schnee zusammengeweht hatte; der größte erstreckte sich viele Meilen lang, alle wurden von dem starken Nordlicht beleuchtet, und sie waren so groß, so leer, so eisig kalt und so glänzend! Niemals gab es hier Fröhlichkeit, nicht einmal soviel wie einen kleinen Bärenball, wo der Sturm hätte blasen und die Eisbären auf den Hinterbeinen gehen und ihre feinen Manieren zeigen können; niemals eine kleine Spielgesellschaft mit Maulklapp und Tatzenschlag; nie ein kleines bißchen Kaffeeklatsch der Weißfuchsfräulein; leer, groß und kalt war es in den Sälen der Schneekönigin. Die Nordlichter flammten so deutlich, daß man zählen konnte, wann sie am höchsten und wann sie am niedrigsten standen. Mitten in diesem leeren, unendlichen Schneesaal war ein zugefrorener See, der war in tausend Stücke zersprungen, aber jedes Stück glich dem anderen so genau, daß es ein ganzes Kunstwerk war; und mitten auf dem See saß die Schneekönigin, wenn sie zu Hause war, und dann sagte sie, daß sie im Spiegel des Verstandes sitze und daß er der einzige und beste in dieser Welt sei.
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